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LösungenAutomatisierung & Künstliche Intelligenz

Automatisierungen mit Odoo

Die Frage ist selten, ob Odoo automatisieren kann. Entscheidend ist, wie viel davon sich einrichten lässt und ab wann ein Entwickler nötig wird - denn dort verläuft die Grenze zwischen planbaren und unplanbaren Kosten. Die vier Bausteine, ihre Grenzen und was Automatisierung in der Pflege wirklich kostet.

Bruno Eggenberger Geschäftsführer, Binadoo AG geprüft 07.09.20269 Min. Lesezeit
Bildschirm mit aktiven Automatisierungsregeln in Odoo: Auslöser und Status, 14 Regeln aktiv

“Kann Odoo das automatisieren?” lässt sich fast immer mit Ja beantworten - und die Antwort hilft niemandem weiter. Automatisieren kann jedes moderne System irgendetwas; die Frage ist, zu welchem Preis.

Der Preis liegt nicht in der Lizenz, sondern an einer Grenze, die im Verkaufsgespräch selten gezogen wird: Was lässt sich einrichten, und wo braucht es einen Entwickler? Auf der einen Seite dieser Grenze liegen Änderungen, die Tage dauern, von den eigenen Leuten gepflegt werden können und ein Versionsupdate unbeschadet überstehen. Auf der anderen Seite liegen Kosten, die bei jedem Update wiederkehren.

Automatisierungen mit Odoo: Vier Bausteine - Regeln, zeitgesteuerte Aktionen, angepasste Formulare und Genehmigungswege sowie Server-Aktionen als Übergang zur Entwicklung

Die vier Bausteine

Regeln nach dem Muster “wenn dies, dann das”. Der häufigste Fall und der mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung. Ein Datensatz ändert seinen Zustand, und daraufhin passiert etwas: Ein bestätigter Auftrag erzeugt die Aufgabe im Projekt. Eine Anfrage über ein bestimmtes Formular landet beim zuständigen Verkäufer. Ein Lead ohne Reaktion seit vierzehn Tagen bekommt eine Erinnerung. All das wird in einer Maske eingerichtet, nicht programmiert.

Zeitgesteuerte Aktionen. Nicht jeder Auslöser ist ein Ereignis - manche sind ein Datum. Wiederkehrende Rechnungen, Mahnläufe, die monatliche Auswertung an die Geschäftsleitung, die Erinnerung an eine ablaufende Vereinbarung. Der Nutzen liegt weniger in der gesparten Zeit als darin, dass nichts mehr am Gedächtnis einer einzelnen Person hängt.

Angepasste Formulare und Genehmigungswege. Mit Studio - dem Baukasten, mit dem sich Odoo ohne Programmierung anpassen lässt - kommen eigene Felder, Ansichten und Freigabestufen dazu. Das ist streng genommen keine Automatisierung, gehört aber dazu: Eine Regel kann nur auf Informationen reagieren, die im System auch erfasst sind. Wer automatisieren will, muss vorher dafür sorgen, dass die auslösende Information überhaupt strukturiert vorliegt und nicht nur in einem Freitextfeld steht.

Server-Aktionen. Hier verläuft der Übergang. Einfache Server-Aktionen lassen sich noch konfigurieren; sobald aber eigener Code hinterlegt wird, ist die Grenze überschritten - dann ist es Entwicklung, mit allem, was das für Wartung und Updates bedeutet.

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Kurz gesagt: Der weitaus grösste Teil dessen, was ein KMU automatisieren will, liegt in Odoo auf der Konfigurationsseite - einrichten statt programmieren. Entscheidend ist, diese Grenze bewusst zu ziehen, statt sie im Projektverlauf unbemerkt zu überschreiten.

Was das im Alltag konkret ersetzt

Der Nutzen wird greifbarer an Abläufen als an Funktionen. Vier Beispiele, wie sie in Schweizer KMU regelmässig vorkommen:

  • Im Verkauf. Aus dem angenommenen Angebot entstehen Auftrag, Projekt und die erste Rechnungsposition, ohne dass jemand Daten überträgt. Der Verkäufer sieht seine Nachfassaufgabe im Kalender, statt sie sich zu notieren.
  • In der Buchhaltung. Zahlungserinnerungen laufen nach hinterlegten Stufen, statt dass jemand monatlich eine Liste durchgeht. Wiederkehrende Rechnungen entstehen von selbst.
  • Im Service. Ein abgeschlossener Einsatz löst die Fakturierung aus. Wiederkehrende Wartungen erzeugen ihren nächsten Termin aus dem Vertrag statt aus einer Excel-Liste.
  • In der Führung. Die Auswertung, die heute jemand monatlich zusammenstellt, liegt am Ersten im Postfach - mit denselben Zahlen für alle, weil sie aus derselben Quelle stammt.

Die Beispiele je Bereich stehen ausführlicher in Welche Routinearbeiten sich automatisieren lassen, für den Aussendienst in Welche Serviceprozesse sich automatisieren lassen und für die Fertigung in Welche Produktionsprozesse sich automatisieren lassen.

Wo die Grenze zur Entwicklung verläuft

Diese Grenze ist die wichtigste Information in einer Offerte, und sie steht selten drin. Als Faustregel:

Noch Konfiguration: eigene Felder und Ansichten, Regeln auf Zustandsänderungen, zeitgesteuerte Aktionen, Freigabestufen, Berichte und Vorlagen, Benachrichtigungen.

Schon Entwicklung: Rechenlogik, die über einfache Formeln hinausgeht; Automatisierungen, die mehrere Systeme koordinieren müssen; alles, was in die Kernlogik eines Moduls eingreift; eigene Oberflächen.

Der Unterschied ist nicht ideologisch, sondern wirtschaftlich. Konfiguration überlebt Versionsupdates in aller Regel unbeschadet und lässt sich intern pflegen. Entwicklung muss bei jedem Update geprüft und gegebenenfalls angepasst werden - ein wiederkehrender Posten, der im ersten Jahr kaum auffällt und im dritten die Rechnung bestimmt. Wann sich eine Anpassung trotzdem lohnt, ordnet Odoo Anpassungen: sinnvoll oder gefährlich? ein.

Automatisierungen mit Odoo: Was noch Konfiguration ist und was schon Entwicklung - mit den Folgen für Updates, Pflege und Kosten

Was Automatisierung in der Pflege kostet

Der Einrichtungsaufwand einer einzelnen Regel ist gering - und genau das ist die Falle. Eine Automatisierung, die einmal eingerichtet ist, läuft weiter, auch wenn sich das Geschäft darunter verändert hat. Nach zwei Jahren mit wechselnden Zuständigkeiten steht in vielen Systemen eine Sammlung von Regeln, die niemand mehr vollständig kennt.

Drei Gewohnheiten halten das im Griff, und sie kosten fast nichts:

  • Jede Regel bekommt eine benannte Person, die sie ändern darf und die es merkt, wenn sich die Grundlage verschiebt.
  • Jede Regel bekommt einen sprechenden Namen, aus dem hervorgeht, was sie tut und warum sie existiert - nicht “Automatisierung 3”.
  • Einmal im Jahr wird die Liste durchgegangen. Was nicht mehr gebraucht wird, wird abgeschaltet statt umgebaut.
Automatisierungen mit Odoo: Drei Gewohnheiten für die Pflege - benannte Person je Regel, sprechender Name und einmal jährlich die Liste durchgehen

Eine Regel einzurichten kostet Stunden. Eine Regel zu pflegen, die niemandem gehört, kostet jahrelang.

Wo es sich nicht lohnt

Zwei Fälle sprechen gegen Automatisierung, und beide sind häufiger, als es der Wunsch nahelegt.

Der erste: Der Ablauf ist noch nicht stabil. Wenn sich der Prozess in den nächsten Monaten ohnehin ändert - weil ein Bereich umgebaut wird, eine Übernahme ansteht, ein Produkt ausläuft -, automatisiert man einen Zwischenstand. Dann ist Warten die günstigere Entscheidung.

Der zweite: Der Ablauf ist unklar. Wo niemand genau sagen kann, wie tatsächlich gearbeitet wird, führt Automatisierung zuverlässig zu einem zweiten Prozess daneben. Welche Muster dabei entstehen und woran man sie vorher erkennt, steht in Warum Automatisierungen scheitern.

Und ein dritter Fall, der keiner Abwägung bedarf: Wo eine Entscheidung Erfahrung, Kundenkenntnis oder Fingerspitzengefühl braucht, gehört sie nicht in eine Regel. Automatisierung soll solche Entscheidungen vorbereiten und mit belastbaren Zahlen unterlegen - nicht ersetzen.

Der erste Schritt

Vor der ersten Regel steht eine Liste, nicht ein System: Welche drei Tätigkeiten kosten in Ihrem Betrieb am meisten Zeit, ohne dass jemand dabei etwas entscheidet? Diese drei sind die Kandidaten. Alles Weitere - welcher Baustein passt, ob es Konfiguration bleibt, wer die Regel künftig verantwortet - ergibt sich daraus.

Fazit

Odoo deckt den weitaus grössten Teil dessen, was ein KMU automatisieren will, ohne Programmierung ab: Regeln auf Zustandsänderungen, zeitgesteuerte Aktionen, angepasste Formulare und Genehmigungswege. Das macht Automatisierung planbar - im Aufwand wie in der Pflege.

Entscheidend bleiben zwei Fragen, die nichts mit der Software zu tun haben: ob der Ablauf darunter stabil und geklärt ist, und wer die Regel in zwei Jahren noch verantwortet. Wo beides beantwortet ist, ist Automatisierung eine der wirtschaftlichsten Massnahmen überhaupt. Wo nicht, ist sie ein Zwischenstand, den man teuer festschreibt.

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Weiterführend: Themenwelt Automatisierung & Künstliche Intelligenz · Lösung ERP. Den nächsten Schritt machen Sie mit dem kostenlosen Projekt-Check.

Bruno Eggenberger, Geschäftsführer, Binadoo AG
Über den Autor
Bruno Eggenberger · Geschäftsführer, Binadoo AG

Bruno begleitet Schweizer KMU von der ersten Prozessfrage bis zum laufenden Odoo-Betrieb. Sein Fokus: Digitalisierung, die sich wirtschaftlich rechnet - ehrlich beraten, pragmatisch umgesetzt.

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