Warum wir keine Odoo-Angebote ohne Workshop erstellen
"Können Sie mir einfach eine Zahl nennen?" Diese Frage hören wir oft - und beantworten sie bewusst nicht direkt. Warum wir grundsätzlich keine Odoo-Angebote ohne vorherigen Workshop erstellen, auch wenn uns das kurzfristig Anfragen kostet.
“Können Sie mir nicht einfach eine Zahl nennen?” Diese Frage hören wir regelmässig - meist von Geschäftsführern, die schon zwei oder drei Anbieter kontaktiert haben und langsam ungeduldig werden. Die ehrliche Antwort lautet: Nein, nicht ohne Workshop. Und das ist keine Verkaufstaktik, um zusätzliche Stunden zu verrechnen, sondern die einzige Art, wie wir ein Angebot erstellen können, das wir später auch wirklich halten.
Das kostet uns Anfragen. Manche Interessenten wollen einfach eine Hausnummer, bevor sie überhaupt ernsthaft einsteigen, und wenden sich an einen Anbieter, der ihnen diese Zahl auf Zuruf liefert. Wir haben uns bewusst dagegen entschieden - aus einem einfachen Grund: Eine Zahl ohne Analyse ist keine Kalkulation. Sie ist eine Wette.
Warum eine Zahl ohne Analyse eine Wette ist
Ein Odoo-Projekt hat viele Variablen: die Anzahl Prozesse, die Komplexität der Datenmigration, die Zahl der Schnittstellen, die Frage, wie nah man am Standard bleiben kann, wie viele Abteilungen betroffen sind, welche Altsysteme abgelöst werden müssen. Jede dieser Variablen verändert den Aufwand spürbar - und keine davon lässt sich am Telefon in fünfzehn Minuten seriös einschätzen.
Wer trotzdem sofort eine Zahl nennt, tut im Kern eines von zwei Dingen: Er schätzt grosszügig, um sich abzusichern - oder er schätzt knapp, um den Auftrag zu bekommen. Beides ist keine Kalkulation im eigentlichen Sinn, sondern eine Wette auf einen Ausgang, den zu diesem Zeitpunkt niemand kennen kann. Genau das wollen wir nicht anbieten.
Eine Zahl ohne Analyse ist keine Kalkulation. Sie ist eine Wette - und wir wetten nicht mit Ihrem Budget.
Zwei Wege, wie ein Angebot ohne Workshop schiefgeht
Es gibt im Wesentlichen zwei Arten, wie ein voreiliges Angebot am Ende danebenliegt - beide sind für Sie als Kunde ungünstig, nur auf unterschiedliche Art.
Der Risikoaufschlag. Ein seriöser Anbieter, der ohne Analyse anbieten muss, kalkuliert einen Puffer ein - für die Unsicherheiten, die er noch nicht kennt: unbekannte Schnittstellen, unklare Datenqualität, versteckte Sonderfälle im Prozess. Dieser Puffer landet automatisch im Preis. Sie zahlen für Risiken, die am Ende vielleicht gar nicht eintreten - aber eingepreist wurden, weil niemand sie vorher genauer angeschaut hat.
Die Unterschätzung. Der umgekehrte Fall ist häufiger und schmerzhafter: Ein Angebot wird bewusst knapp kalkuliert, um im Vergleich attraktiv zu wirken. Im Projekt selbst zeigt sich dann, was vorher nicht sichtbar war - eine Schnittstelle, die doch komplizierter ist, eine Datenmigration, die mehr Bereinigung braucht, ein Prozess mit mehr Sonderfällen als angenommen. Die Folge sind Nachträge, Diskussionen und ein Projekt, das teurer und langsamer wird als versprochen.
Beide Wege haben eine gemeinsame Ursache: Sie basieren auf Annahmen statt auf einer echten Bestandsaufnahme. Genau diese Bestandsaufnahme liefert unser Odoo-Workshop - bevor überhaupt eine Zahl genannt wird.
Ein Beispiel, das sich in ähnlicher Form immer wieder zeigt: Ein Unternehmen mit rund 40 Mitarbeitenden holt drei Offerten für die Odoo-Einführung ein. Zwei Anbieter nennen nach einem kurzen Telefonat eine Zahl, der dritte verlangt zuerst einen Workshop. Die beiden schnellen Offerten liegen deutlich unter der dritten - das Unternehmen entscheidet sich naheliegenderweise für den günstigeren Anbieter. Drei Monate später zeigt sich: Die Warenwirtschaft ist komplexer als angenommen, eine Schnittstelle zur Buchhaltungssoftware wurde übersehen, und die Datenmigration aus zwei parallel geführten Excel-Systemen war nicht eingepreist. Am Ende landet das Projekt preislich über der ursprünglich teureren, aber ehrlicheren Offerte - nur mit zusätzlicher Verzögerung und Frust auf beiden Seiten obendrauf.
Diese Geschichte ist kein Einzelfall, sondern ein Muster, das sich in unterschiedlichen Branchen wiederholt. Der springende Punkt: Die günstigere Zahl war zum Zeitpunkt der Offerte nicht unehrlich gemeint - sie war schlicht nicht auf einer vollständigen Grundlage entstanden. Genau dieses Risiko wollen wir für unsere Kunden nicht eingehen, auch wenn unsere Offerte dadurch im ersten Vergleich nicht die günstigste ist.
Was uns das kostet - ehrlich zugegeben
Wir sind uns bewusst, dass diese Haltung nicht jeder Interessent schätzt. Wer in fünf Minuten eine ungefähre Zahl für die interne Budgetplanung braucht, findet bei uns keine schnelle Antwort. Manche Anfragen springen an dieser Stelle ab und wenden sich an einen Anbieter, der bereitwilliger eine Zahl nennt.
Das nehmen wir in Kauf. Aus zwei Gründen:
- Ein Angebot ohne Grundlage ist kein Vertrauensvorschuss, sondern ein Versprechen, das wir nicht seriös geben können. Wir wollen keine Zahl nennen, die wir später relativieren müssen.
- Die Kunden, die den Workshop durchlaufen, kommen mit einem realistischen Bild ins Projekt. Keine bösen Überraschungen bei der ersten Zwischenrechnung, kein Streit über Nachträge, die eigentlich vorhersehbar gewesen wären.
Kurzfristig verlieren wir dadurch Anfragen. Langfristig gewinnen wir etwas, das für ein mehrmonatiges ERP-Projekt wichtiger ist: Vertrauen, das auf einer echten Grundlage steht statt auf einer freundlich klingenden Zahl am Telefon.
Was aus dem Workshop stattdessen entsteht
Im Bedarfs- und Entscheidungsworkshop analysieren wir Prozesse, Systemlandschaft, Daten, Schnittstellen, Rollen und Prioritäten - strukturiert und in der Regel an einem Tag. Am Ende steht kein Bauchgefühl, sondern eine Grundlage, aus der sich ein belastbares Angebot ableiten lässt:
- eine strukturierte Ausgangslage statt vager Annahmen
- eine Modul- und Prozesslandkarte statt einer geratenen App-Liste
- eine Aufwandsschätzung, die auf echten Prozessen basiert
- eine Risikoeinschätzung, die Schnittstellen und Datenmigration bereits berücksichtigt
- eine Entscheidungsgrundlage, mit der die Geschäftsleitung tatsächlich planen kann
Diese Grundlage kostet Zeit - der Workshop selbst dauert in der Regel einen Tag, die Auswertung ein paar Tage mehr. Verglichen mit den Kosten eines nachträglich korrigierten Angebots ist das eine kleine Investition.
So gehen wir standardmässig vor: Kein Odoo-Angebot ohne vorherigen Workshop - unabhängig davon, wie klein oder gross ein Projekt wirkt. Die Analyse zeigt oft erst, wie viel (oder wie wenig) tatsächlich nötig ist.
Kein Rabatt auf Sorgfalt
Manche Interessenten fragen gezielt nach: “Können wir den Workshop nicht überspringen, wir kennen unsere Prozesse doch selbst am besten?” Das stimmt - niemand kennt die eigenen Abläufe besser als das Unternehmen selbst. Genau deshalb ist der Workshop kein Misstrauensvotum, sondern ein gemeinsamer Termin: Wir bringen die Fragen, Sie bringen das Wissen über Ihren Betrieb. Erst aus dieser Kombination entsteht eine Einschätzung, die beide Seiten tragen können.
Wir machen hier keine Ausnahme - auch nicht für kleinere Projekte oder bestehende Kunden, die bereits ein Odoo-System im Einsatz haben. Der Umfang des Workshops passt sich der Grösse des Vorhabens an, aber der Grundsatz bleibt: erst verstehen, dann anbieten.
Was das für den Vergleich mehrerer Offerten bedeutet
Wenn Sie gerade mehrere Odoo-Offerten vergleichen und eine davon deutlich unter den anderen liegt, lohnt sich eine kurze Prüfung: Worauf basiert diese Zahl? Wurde vorher analysiert, welche Prozesse betroffen sind, wie viele Schnittstellen es gibt, wie die Datenqualität aussieht? Oder basiert die Zahl auf einer groben Einschätzung nach einem einzigen Telefonat?
Eine niedrige Zahl ist nicht automatisch unseriös - manche Projekte sind tatsächlich einfacher, als sie zunächst wirken. Aber eine Zahl ohne erkennbare Grundlage sollte zumindest kritisch hinterfragt werden, bevor sie den Ausschlag für die Anbieterwahl gibt. Die entscheidende Frage lautet nicht “Wer ist am günstigsten?”, sondern “Wessen Zahl basiert auf der solidesten Grundlage?” Diese Frage lässt sich am Ende eines Workshops deutlich leichter beantworten als am Anfang eines Verkaufsgesprächs.
Fazit: Eine Zahl, die wir auch halten können
Wir erstellen bewusst kein Odoo-Angebot ohne vorherigen Workshop. Nicht, weil wir zusätzliche Stunden verkaufen wollen, sondern weil eine seriöse Zahl eine echte Grundlage braucht - Prozesse, Daten, Schnittstellen, Risiken. Ohne diese Grundlage bleibt jedes Angebot eine Wette, die am Ende entweder zu teuer oder zu knapp ausfällt.
Das kostet uns kurzfristig Anfragen von Interessenten, die lieber sofort eine Zahl hätten. Es schafft uns aber langfristig etwas, das für ein ERP-Projekt wichtiger ist: Vertrauen, das auf echten Fakten steht. Wie jedes erfolgreiche Odoo-Projekt mit einem Workshop beginnt und warum eine Demo dafür selten ausreicht, lesen Sie in den ersten beiden Beiträgen dieser Serie.
Odoo-Workshop anfragen
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Im Bedarfs- und Entscheidungsworkshop analysieren wir Ihre Ausgangslage strukturiert und liefern eine belastbare Grundlage für Ihre Entscheidung.
Weiterführend: Themenwelt Odoo erfolgreich einsetzen · Lösung ERP. Den nächsten Schritt machen Sie mit dem kostenlosen Projekt-Check.
Ehrliche Zahl statt Bauchgefühl?
Im Workshop klären wir Prozesse, Aufwand und Risiken - und Sie erhalten ein Angebot, das wir auch wirklich halten können.