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BeratungOdoo erfolgreich einsetzen

Der Unterschied zwischen einem Verkaufsgespräch und einem Odoo Entscheidungsworkshop

Beide Gespräche fühlen sich professionell an – der Unterschied liegt nicht im Ton, sondern im Ziel. Warum ein Entscheidungsworkshop unabhängig vom Ausgang honoriert wird – und ein Verkaufsgespräch nicht.

Bruno EggenbergerMarco Kundert Binadoo Redaktion 9 Min. Lesezeit
Geschäftsführerin im Gespräch mit einer Beraterin vor einem Bildschirm mit den drei Signalfragen, die Verkaufsgespräch und Workshop unterscheiden

Ein Verkaufsgespräch und ein Entscheidungsworkshop können sich auf den ersten Blick sehr ähnlich anfühlen. Jemand von einem Odoo-Partner sitzt Ihnen gegenüber, hört zu, stellt Fragen, macht Vorschläge, wirkt kompetent. Nach ein bis zwei Stunden haben Sie ein gutes Gefühl – und trotzdem können beide Gespräche zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen führen, wenn Sie sie später an der Realität messen. Der Unterschied zeigt sich nicht im Ton des Gesprächs. Er zeigt sich in der Zielsetzung dahinter – und genau diese Zielsetzung entscheidet darüber, wie stark Sie dem Ergebnis vertrauen können.

Zwei Gespräche, die leicht verwechselt werden

Warum jedes erfolgreiche Odoo-Projekt mit einem Workshop beginnt, haben wir bereits an anderer Stelle beschrieben. Was in diesen Beiträgen bewusst offenbleibt: Nicht jedes Gespräch, das sich wie ein Workshop anfühlt, ist auch einer. Viele Unternehmen erleben im Erstkontakt mit einem ERP-Anbieter ein Gespräch, das eher einem Verkaufsgespräch entspricht – gut gemeint, kompetent vorgetragen, aber mit einer eingebauten Schieflage.

Diese Schieflage liegt nicht an schlechter Absicht. Sie liegt an der Struktur des Gesprächs selbst. Ein Verkäufer, der seinen Lebensunterhalt mit Abschlüssen verdient, kann noch so ehrlich sein wollen – er sitzt trotzdem auf der falschen Seite des Tisches, um völlig unabhängig zu urteilen. Das ist kein Vorwurf, sondern eine strukturelle Beobachtung, die für praktisch jede Branche gilt, nicht nur für ERP-Systeme.

Stellen Sie sich zwei Unternehmen vor, die beide vor derselben Frage stehen: Lohnt sich eine Odoo-Einführung? Das eine Unternehmen bekommt eine Produktpräsentation mit Referenzkunden, Feature-Liste und einem Angebot am Ende. Das andere Unternehmen bekommt zwei bis drei Stunden, in denen vor allem über die eigenen Prozesse, Daten und Ziele gesprochen wird – mit offenem Ausgang. Beide Gespräche fühlen sich professionell an. Nur eines davon liefert tatsächlich eine Entscheidungsgrundlage.

Das Verkaufsgespräch: Ziel ist der Abschluss

Ein Verkaufsgespräch hat – meist unausgesprochen – ein festes Ziel: den nächsten Schritt im Verkaufsprozess. Das kann ein Angebot sein, ein Folgetermin oder eine Unterschrift. Diese Zielsetzung ist legitim, sie ist der Kern jedes Vertriebs. Sie verändert aber unweigerlich, wie ein Gespräch geführt wird.

Fragen werden so gestellt, dass sie zu einem Ja führen. Einwände werden behandelt, nicht ergebnisoffen untersucht. Und wenn eine Lösung objektiv nicht passt, ist die Versuchung gross, sie trotzdem passend zu machen – durch Zusatzmodule, durch Anpassungen, durch ein grosszügig interpretiertes “Das lässt sich einrichten.” Der Interessenkonflikt ist strukturell eingebaut: Wer am Ende des Gesprächs verkaufen muss, kann nicht gleichzeitig völlig unabhängig beraten.

Das bedeutet nicht, dass jedes Verkaufsgespräch unehrlich ist. Es bedeutet nur, dass die Anreize in eine Richtung zeigen – und diese Richtung ist nicht zwingend die, die für Ihr Unternehmen am besten ist.

Gegenüberstellung Verkaufsgespräch und Odoo Entscheidungsworkshop: Verkaufsgespräch mit Ziel Abschluss, Perspektive des Anbieters, geschlossenem Ergebnis (meist Ja) und Nutzen für den Anbieter. Entscheidungsworkshop mit Ziel Erkenntnis, Perspektive des Kunden, offenem Ergebnis (auch Nein, kleiner oder anders möglich) und Nutzen für den Kunden.
Verkaufsgespräch Entscheidungsworkshop

Der Entscheidungsworkshop: Ziel ist Erkenntnis

Ein Odoo Bedarfs- und Entscheidungsworkshop verfolgt ein anderes Ziel. Er soll klären, was in Ihrem Unternehmen tatsächlich der Fall ist – welche Prozesse bestehen, welche Risiken vorliegen, welcher Aufwand realistisch ist. Das Ergebnis steht am Anfang bewusst nicht fest.

Das zeigt sich konkret darin, dass ein Workshop zu jedem dieser Ergebnisse führen kann:

  • Odoo passt gut, ein Projekt sollte gestartet werden.
  • Odoo passt grundsätzlich, aber kleiner oder später als gedacht.
  • Odoo passt für einen Teilbereich, nicht für das gesamte Unternehmen.
  • Odoo ist aktuell nicht der richtige Schritt.

Ein Anbieter, der ernsthaft auch das letzte Ergebnis akzeptiert, hat keinen Interessenkonflikt mehr eingebaut – zumindest nicht in diesem einen Gespräch. Er wird nicht dafür bezahlt, ein Ja zu erzeugen, sondern dafür, eine belastbare Grundlage zu liefern.

Ein Workshop, der auch mit "jetzt nicht" enden darf, ist kein Verkaufsgespräch mehr – er ist eine Analyse.

Warum diese Unabhängigkeit Ihnen mehr nützt als ein perfektes Verkaufsgespräch

Ein professionell geführtes Verkaufsgespräch kann angenehm sein. Es kann Vertrauen erzeugen, weil die Person kompetent wirkt und überzeugend spricht. Trotzdem sagt diese Qualität nichts darüber aus, ob die vorgeschlagene Lösung tatsächlich zu Ihrem Unternehmen passt.

Ein Entscheidungsworkshop dagegen wird nicht danach bewertet, wie überzeugend er klingt, sondern danach, wie belastbar seine Ergebnisse später sind. Stimmt die Aufwandsschätzung? Zeigt die Prozesslandkarte tatsächlich, wie Ihr Unternehmen arbeitet? Hält die Risikoeinschätzung dem ersten Projektmonat stand? Diese Fragen lassen sich erst im Nachhinein beantworten – aber genau daran zeigt sich der Unterschied zwischen einem guten Verkaufsgespräch und einer guten Analyse.

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Deshalb erstellen wir bei Binadoo keine Odoo-Angebote ohne vorherigen Workshop: Ein Angebot, das auf einer echten Analyse beruht, ist ehrlicher als eines, das auf einer Modulliste und einer geschätzten Stundenzahl basiert. Mehr dazu im Beitrag Warum wir keine Odoo-Angebote ohne Workshop erstellen.

Woran Sie den Unterschied in der Praxis erkennen

Nicht jedes Gespräch trägt ein Etikett “Verkaufsgespräch” oder “Workshop”. Ein paar konkrete Signale helfen bei der Einordnung:

  • Wie wird das Gespräch beendet? Mit einer Präsentation und einem Angebot – oder mit einer strukturierten Liste offener Fragen und Erkenntnisse?
  • Wer stellt die meisten Fragen? Redet vor allem der Anbieter über seine Lösung, oder fragt er vor allem nach Ihren Prozessen?
  • Wie reagiert die Gegenseite auf Zweifel? Werden Einwände sofort wegargumentiert, oder ernsthaft mitgenommen und geprüft?
  • Was passiert, wenn etwas nicht passt? Wird ein Zusatzmodul vorgeschlagen, um die Lücke zu schliessen – oder wird offen gesagt, dass es (noch) nicht passt?
  • Wie wird der Aufwand geschätzt? Grob über den Daumen anhand einer Modulliste, oder anhand konkreter, im Gespräch geklärter Prozesse?

Ein Verkaufsgespräch kann jede dieser Fragen zufällig auch “richtig” beantworten. Ein Workshop dagegen ist so aufgebaut, dass er sie systematisch beantworten muss – unabhängig davon, ob das Ergebnis am Ende in einen Auftrag mündet oder nicht.

Was das für Ihre Entscheidung bedeutet

Wenn Sie vor einer Odoo-Einführung stehen, lohnt sich die Frage, welches der beiden Gespräche Sie gerade führen. Nicht, weil ein Verkaufsgespräch grundsätzlich schlecht wäre – irgendwann muss jedes Projekt auch kommerziell verhandelt werden. Sondern weil die Grundlage, auf der Sie eine Investitionsentscheidung treffen, aus einem ergebnisoffenen Prozess stammen sollte und nicht aus einer Präsentation, die genau darauf ausgelegt war, Sie zu überzeugen.

Warum eine Odoo Demo dafür selten genügt, zeigt der vorangegangene Beitrag dieser Serie: Eine Demo zeigt, was möglich ist – sie zeigt nicht, ob es zu Ihrem Unternehmen passt. Genau diese Lücke schliesst ein Bedarfs- und Entscheidungsworkshop, wie wir ihn bei jedem Projekt voranstellen. Wie ein solcher Workshop im Detail abläuft, welche Prozesse dabei analysiert werden und welche Fragen konkret gestellt werden, zeigen die nächsten Beiträge dieser Serie – und ausführlich der Beitrag Odoo Workshop: Warum eine Analyse vor der Umsetzung sinnvoll ist.

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Bruno Eggenberger Marco Kundert
Über dieses Team
Binadoo Redaktion

Hinter der Binadoo Redaktion steht kein einzelner Autor, sondern Teamarbeit: Diese Beiträge entstehen aus den Schnittmengen verschiedener Kompetenzen - Beratung, Projektleitung, Entwicklung und Betrieb - und werden gemeinsam geprüft, bevor sie erscheinen.

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