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BeratungProduktion

Rückmeldungen aus der Produktion erfassen: Was der Operator am Ende des Arbeitsgangs sieht

14:37, das Fräsprogramm ist durch, 240 Gehäusedeckel liegen in der Kiste, sechs davon im Ausschussbehälter. Was der Operator jetzt tut, entscheidet darüber, ob die Produktionsleitung am Freitag belastbare Zahlen hat oder einen Stapel Zettel mit 'ca. 240' und 'ein paar Ausschuss'.

Bruno Eggenberger Geschäftsführer, Binadoo AG 7 Min. Lesezeit
Maschinenbedienerin in einer Metallfertigung liest am Terminal neben dem Bearbeitungszentrum die Rückmeldung ihres Arbeitsgangs ab

Dienstag, 14:37, in der Fertigung eines Zulieferers für Gerätebau mit 60 Mitarbeitenden. Am Bearbeitungszentrum ist das Fräsprogramm für den Auftrag Gehäusedeckel durch. In der Kiste liegen 240 Teile, im Ausschussbehälter sechs, bei denen die Bohrung versetzt war, weil ein Spannpratzen verrutscht ist. Die Operatorin hat den Auftrag um 11:49 begonnen, mit einer Rüstzeit von zwanzig Minuten und einer Mittagspause dazwischen.

Was sie jetzt tut, dauert in vielen Betrieben vierzig Sekunden: Sie nimmt den Laufzettel, der am Auftrag hängt, schreibt “240” und “Ausschuss 6” in die Spalte und daneben “Nachmittag”. Die genaue Zeit weiss sie um 16:00 nicht mehr, wenn sie die Zettel der Schicht zusammen abgibt. Am nächsten Morgen tippt die Arbeitsvorbereitung die Zettel ab, braucht dafür 25 Minuten und ruft zweimal in der Halle an, weil eine 240 auch eine 210 sein könnte. Die Zahl kommt an, nur einen Tag später und ungefähr.

Warum die Rückmeldung am Zettel scheitert

Rückmeldung aus der Fertigung ist das Thema, bei dem die meisten Einführungen nach drei Monaten wieder beim Papier landen. Nicht, weil die Software fehlt, sondern weil die Erfassung dort stattfindet, wo die Information nicht mehr ist: am Schichtende, am Bürotisch, aus dem Gedächtnis. Was um 14:37 exakt wäre, ist um 16:00 eine Schätzung und am nächsten Morgen eine Rückfrage.

Rückmeldung in der Fertigung: Auf dem Zettel um 16 Uhr steht ungefähr 240, ein paar Ausschuss und Nachmittag - am Terminal um 14:37 stehen 240 Stück, 6 Ausschuss und 2 Stunden 48 Minuten

Damit die Rückmeldung durchgehalten wird, muss sie drei Bedingungen erfüllen, und alle drei betreffen den Arbeitsplatz der Operatorin, nicht das System:

  • Sie findet dort statt, wo die Arbeit ist. Am Terminal neben der Maschine, nicht im Meisterbüro. Der Weg ist die Hürde.
  • Sie dauert Sekunden. Starten beim Beginn, Menge und Ausschuss bestätigen am Ende. Alles, was mehr Eingaben verlangt, wird umgangen.
  • Sie gibt etwas zurück. Die Operatorin sieht am Terminal, wie viel vom Soll fertig ist und ob sie im Zeitplan liegt. Eine Rückmeldung, die nur nach oben meldet, ist Kontrolle. Eine, die ihr selbst etwas zeigt, ist ein Werkzeug.
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Kurz gesagt: Eine Rückmeldung, die zehn Sekunden dauert, passiert nach jedem Arbeitsgang. Eine, die eine Minute dauert, passiert am Schichtende aus dem Gedächtnis. Dazwischen liegt der Unterschied zwischen einer Zahl und einer Schätzung.

Was sich am Arbeitsplatz ändert

Mit einem Terminal am Arbeitsplatz sieht derselbe Dienstag so aus: Um 11:49 tippt die Operatorin auf “Start”, der Arbeitsgang läuft, die Zeit zählt von selbst. Um 14:37 trägt sie 240 ein, bucht sechs Stück Ausschuss mit dem Grund “Spannfehler” und bestätigt. Zehn Sekunden. Die Bearbeitungszeit von zwei Stunden 48 Minuten hat niemand eingetippt, sie steht da, weil Start und Ende bekannt sind. Die Mittagspause ist herausgerechnet, weil sie die Maschine um 12:30 auf Pause gesetzt hat.

Was sie dabei sieht, ist für sie selbst nützlich: Der Arbeitsgang war mit zwei Stunden 30 geplant, tatsächlich hat er zwei Stunden 48 gedauert. Nicht weil sie langsam war, sondern weil das Spannmittel zweimal nachgestellt werden musste. Das steht jetzt am Arbeitsgang, mit Uhrzeit, und nicht als Erinnerung in einem Gespräch zwei Wochen später.

Die Bearbeitungszeit hat niemand eingetippt. Sie steht da, weil Start und Ende bekannt sind.

Was die Operatorin nicht mehr tut: Laufzettel ausfüllen, am Schichtende Zeiten rekonstruieren, am nächsten Tag Rückfragen der Arbeitsvorbereitung beantworten, sich rechtfertigen, warum auf dem Zettel “Nachmittag” steht. Was die Arbeitsvorbereitung nicht mehr tut: 25 Minuten abtippen und in der Halle anrufen.

Rückmeldung in der Fertigung: Geplante gegen tatsächliche Zeit je Arbeitsgang beim Auftrag Gehäusedeckel - Sägen 40 gegen 38 Minuten, Fräsen 150 gegen 168 Minuten, Entgraten 45 gegen 44 Minuten

Dieselben Zahlen, zwei Lesarten

Die Rückmeldung liefert je Arbeitsgang drei Zahlen: Menge, Ausschuss, Zeit. Die Operatorin liest sie am Ende des Arbeitsgangs, die Produktionsleitung am Freitag über alle Arbeitsgänge der Woche. Für die eine sind sie eine Bestätigung, für die andere ein Muster.

Zahl Operatorin, je Arbeitsgang Produktionsleitung, je Woche
Menge Ist das Soll erreicht, kann der Auftrag weiter? Welche Aufträge hängen, und wo im Ablauf?
Ausschuss Muss ich nachproduzieren, bevor ich umrüste? Welche Maschine, welches Teil, welcher Grund häuft sich?
Zeit Liege ich im Plan, oder muss ich Bescheid geben? Welcher Arbeitsgang dauert systematisch länger als kalkuliert?

Die dritte Zeile ist die teuerste. Ein Arbeitsgang, der jede Woche zwölf Prozent länger dauert als im Arbeitsplan, ist kein Werkstattproblem, sondern ein Kalkulationsproblem mit direkter Wirkung auf den Preis. Sichtbar wird er nur, wenn die Zeit aus Start und Ende kommt und nicht aus “Nachmittag”. Was aus diesen Zahlen für die Führung entsteht, beschreibt Produktionsfortschritt transparent verfolgen, den Weg in die Nachkalkulation Produktionskosten richtig berechnen.

So sieht das in Odoo aus

In Odoo ist der Arbeitsplatz der Operatorin eine Werkstatt-Ansicht auf dem Terminal oder Tablet neben der Maschine. Sie zeigt den laufenden Arbeitsgang mit Auftrag, Teil und Zeichnung, einen Zähler, der seit dem Start läuft, die Soll-Menge und die bereits bestätigte Menge. Ausschuss wird am selben Bildschirm mit Grund gebucht, eine Masskontrolle nach den ersten drei Teilen erscheint als Prüfschritt im Ablauf und wird dort bestätigt. Was sie bestätigt, bucht im Hintergrund Zeit, Materialverbrauch und Fortschritt des Fertigungsauftrags, und der Verkauf sieht am Kundenauftrag, dass der Deckel gefräst ist.

Rückmeldung in Odoo: Nachgezeichnete Werkstatt-Ansicht des Arbeitsgangs Fräsen mit laufendem Zähler 2 Stunden 48 Minuten, 240 von 240 Stück bestätigt, 6 Ausschuss mit Grund Spannfehler, und den Schritten Aufspannen, Fräsen und Masskontrolle

Zwei Dinge liefert Odoo nicht von sich aus. Die Stückzahl kommt von der Operatorin, nicht vom Zähler der Maschine, solange die Steuerung nicht angebunden ist, und das ist für die meisten KMU der richtige erste Schritt. Und Rüstzeit und Laufzeit lassen sich nur trennen, wenn der Arbeitsplan sie als zwei Arbeitsgänge führt. Wer beides in einem erfasst, bekommt eine Zeit, die stimmt, aber nicht sagt, wo die zwölf Prozent herkommen. Was die Fertigung in Odoo insgesamt abdeckt und wo die Grenze zu einem MES liegt, steht in Produktion mit Odoo.

Fazit

Rückmeldung aus der Produktion ist keine Aufgabe, die man der Fertigung aufträgt, sondern ein Arbeitsplatz, den man ihr einrichtet: am Ort der Arbeit, in Sekunden, mit etwas, das die Operatorin selbst sieht. Dann steht um 14:37 die Zahl, die am Freitag die Produktionsleitung braucht und am Monatsende die Nachkalkulation. Der Zettel um 16:00 liefert dieselbe Zahl nie, nur eine Schätzung davon, einen Tag später.

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Bruno Eggenberger, Geschäftsführer, Binadoo AG
Über den Autor
Bruno Eggenberger · Geschäftsführer, Binadoo AG

Bruno begleitet Schweizer KMU von der ersten Prozessfrage bis zum laufenden Odoo-Betrieb. Sein Fokus: Digitalisierung, die sich wirtschaftlich rechnet - ehrlich beraten, pragmatisch umgesetzt.

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