Kommissionierung effizient organisieren: Was der Lagermitarbeiter auf der Rüstliste sieht
Dienstag, 09:10, Kleinteilelager eines technischen Händlers. Der Rüstschein hat 14 Positionen in der Reihenfolge, in der der Verkauf sie erfasst hat. Der Lagermitarbeiter läuft dreimal durch denselben Gang, sucht Position 9 am falschen Platz und hakt am Ende 14 Mengen von Hand ab. 38 Minuten, davon 24 Laufen. Was auf der Rüstliste stehen müsste, damit es 19 sind.
Dienstag, 09:10, Kleinteilelager eines technischen Händlers mit 25 Mitarbeitenden und rund 180 Aufträgen am Tag. Der Lagermitarbeiter nimmt den nächsten Rüstschein vom Drucker: 14 Positionen, in der Reihenfolge, in der der Verkauf sie am Telefon erfasst hat. Position 1 liegt in Gang C, Position 2 in Gang A, Position 3 wieder in Gang C. Er läuft los.
Position 9 steht laut Rüstschein auf Platz C-14. Dort liegt etwas anderes. Der Artikel wurde letzte Woche nach C-22 umgelagert, auf dem Zettel am Regal steht es, im System nicht. Er sucht, fragt den Lagerleiter, findet ihn. Am Packtisch hakt er 14 Mengen von Hand ab, zählt die Position mit 36 Stück zweimal nach und trägt den Rüstschein ins Büro, damit jemand den Lieferschein druckt. 38 Minuten für einen Auftrag, davon 24 Minuten Laufen und 6 Minuten Suchen. Gegriffen und abgehakt hat er 8 Minuten lang.
Was Kommissionierung im Alltag ist - und was nicht
Kommissionierung klingt nach Logistikstrategie, Zonen und Fördertechnik. Im Kleinteilelager eines KMU ist sie etwas Einfacheres: der Weg eines Mitarbeiters durch die Gänge und die Frage, wie oft er dieselbe Strecke läuft. Drei Dinge entscheiden darüber, und keines davon ist ein Regal:
- Die Reihenfolge der Rüstliste. Folgt sie dem Weg durch das Lager, läuft er jeden Gang einmal. Folgt sie dem Auftrag, läuft er ihn dreimal.
- Die Richtigkeit des Lagerplatzes. Eine Umlagerung, die nur am Regal steht, kostet beim nächsten Auftrag sechs Minuten Suchen. Bei jedem Mitarbeiter, der den Zettel nicht kennt.
- Die Bündelung. Vier kleine Aufträge mit je drei Positionen aus denselben Gängen sind ein Weg, nicht vier. Sammelrüsten heisst nichts anderes.
Alles Weitere, Zonen, Pick-by-Light, Fördertechnik, gehört in Lager mit hunderten Kommissionierungen pro Stunde. Für 180 Aufträge am Tag reichen die drei Punkte, und sie kosten keine Fördertechnik, sondern Disziplin bei der Umlagerung und eine Rüstliste, die den Weg kennt.
Kurz gesagt: Die Kommissionierzeit entscheidet sich nicht beim Greifen, sondern auf dem Weg dorthin. Eine Rüstliste in Lagerplatz-Reihenfolge und ein Lagerplatz, der stimmt, sparen mehr als jede Umbaumassnahme im Regal.
Was sich am Arbeitsplatz ändert
Mit einem System, das die Lagerplätze kennt und die Rüstliste danach sortiert, sieht derselbe Dienstag so aus: Die Rüstliste erscheint auf dem Handgerät, 14 Positionen in der Reihenfolge der Gänge, Gang A zuerst, dann B, dann C. Position 9 steht auf C-22, weil der Kollege die Umlagerung letzte Woche gescannt hat, als er sie gemacht hat. An jedem Platz scannt der Mitarbeiter den Artikel, tippt die Menge ein oder bestätigt sie, und die Position ist abgehakt, ohne Stift. Für die 36 Stück zeigt das Gerät die Menge an, die er zählen muss, und akzeptiert keine 35.
Dazu kommt die Bündelung: Das System legt vier kleine Aufträge mit Positionen aus denselben Gängen in einen Rüstlauf, mit einem Behälter je Auftrag auf dem Wagen. Am Packtisch ist der Lieferschein schon erzeugt, weil die letzte Position bestätigt wurde. Aus 38 Minuten werden 19, und der Auftrag mit der Teillieferung steht auf dem Gerät als Rückstand, bevor der Verkauf anruft.
Die Rüstliste folgt dem Weg durch die Gänge, nicht der Reihenfolge, in der der Verkauf getippt hat.
Was der Lagermitarbeiter nicht mehr tut: Rüstscheine vom Drucker holen, Gänge doppelt laufen, am Regal nach dem Umlagerungszettel suchen, den Lagerleiter fragen, Mengen mit dem Stift abhaken, den Rüstschein ins Büro tragen. Was er stattdessen tut, und das ist die eine neue Pflicht: jede Umlagerung in dem Moment scannen, in dem er sie macht. Zehn Sekunden, die dem nächsten Kollegen sechs Minuten sparen.
Dieselben Zahlen, zwei Lesarten
Die Rüstliste liefert je Auftrag drei Zahlen: Positionen pro Stunde, Differenzen beim Scannen und den Weg. Der Lagermitarbeiter liest sie am Ende des Auftrags, die Lagerleitung am Ende der Woche. Für den einen sind sie ein Takt, für die andere ein Grundriss.
| Zahl | Lagermitarbeiter, je Auftrag | Lagerleitung, je Woche |
|---|---|---|
| Positionen pro Stunde | Liege ich im Takt, oder bremst mich etwas? | Welche Zone, welcher Artikel, welche Tageszeit bremst alle? |
| Differenzen beim Scannen | Stimmt der Platz, stimmt die Menge? | Wo stimmt der Bestand nicht, und wer lagert um, ohne zu scannen? |
| Weg je Auftrag | Laufe ich einen Gang zweimal? | Welche Schnelldreher gehören nach vorne an den Packtisch? |
Die dritte Zeile ist die, an der die Lagerleitung nach drei Monaten das Lager umräumt, mit Zahlen statt mit Gefühl: die zwanzig Artikel, die in jedem zweiten Auftrag vorkommen, kommen in den Gang neben dem Packtisch. Warum unnötige Wege bei der Einlagerung entstehen und nicht beim Kommissionieren, steht im Beitrag Lagerprozesse effizient organisieren.
So sieht das in Odoo aus
In Odoo ist die Rüstliste die Lieferung, die aus dem freigegebenen Auftrag entsteht, und auf dem Handgerät eine Liste, die nach Lagerplatz sortiert ist, wenn die Plätze so benannt sind, dass ihre Reihenfolge dem Weg folgt. Der Mitarbeiter scannt Platz, Artikel und Menge, die Position ist bestätigt, und der Lieferschein entsteht mit der letzten Position. Mehrere Lieferungen lassen sich zu einem Rüstlauf bündeln, mit einem Behälter je Auftrag. Eine Umlagerung ist ein Scan am alten und ein Scan am neuen Platz, und ab diesem Moment steht der Artikel für alle dort. Fehlt eine Menge, bleibt der Rest als Rückstand an der Lieferung, sichtbar für den Verkauf, bevor der Kunde anruft.
Zwei Dinge liefert Odoo nicht von sich aus. Die Reihenfolge der Rüstliste ist nur so gut wie die Benennung der Lagerplätze, und die muss jemand einmal so anlegen, dass A-01 vor A-02 und Gang A vor Gang B kommt. Und ein Lager mit hunderten Kommissionierungen pro Stunde braucht Wegeoptimierung und Pick-by-Voice, das ist die Domäne eines Lagerverwaltungssystems, wie wir im Beitrag Einkauf und Lager mit Odoo abgegrenzt haben. Für 180 Aufträge am Tag ist die sortierte Rüstliste auf dem Handgerät der Schritt, der zählt.
Fazit
Kommissionierung effizient zu organisieren heisst nicht, schneller zu greifen, sondern weniger zu laufen und nicht zu suchen. Die Rüstliste in Lagerplatz-Reihenfolge, der Scan am Platz und das Bündeln kleiner Aufträge halbieren die Zeit je Auftrag, ohne ein Regal zu verschieben. Die Bedingung dafür schreibt der Lagermitarbeiter selbst, mit jeder Umlagerung, die er scannt, statt sie ans Regal zu kleben.
Weiterführend: Themenwelt Einkauf, Lager & Auftragsabwicklung · Lösung Lager. Den nächsten Schritt machen Sie mit dem kostenlosen Projekt-Check.
Das könnte Sie auch interessieren
Wie viele Minuten pro Auftrag läuft Ihr Lager?
Im kostenlosen Projekt-Check schauen wir uns Auftrag, Rüstliste und Lagerplätze als eine Kette an - und wo die Wege entstehen, die niemand misst.