Produktionsfortschritt transparent verfolgen
Die Frage 'Wo steht der Auftrag?' wird in vielen Betrieben durch einen Gang in die Werkstatt beantwortet. Das funktioniert, kostet aber Zeit und liefert eine Momentaufnahme. Was erfasst werden muss, damit der Fortschritt von selbst sichtbar wird - und was man dafür nicht braucht.
“Wo steht der Auftrag?” ist die meistgestellte Frage in einem Fertigungsbetrieb - und in den meisten Betrieben wird sie mit einem Gang in die Werkstatt beantwortet. Das funktioniert. Es kostet aber jedes Mal Zeit, unterbricht zwei Personen und liefert eine Momentaufnahme, die eine Stunde später nicht mehr gilt.
Transparenz über den Fortschritt heisst nicht, dass jemand mehr kontrolliert. Es heisst, dass die Antwort schon da ist, wenn die Frage kommt.
Drei Angaben genügen
Der häufigste Fehler beim Aufbau einer Rückmeldung ist der Umfang. Wer alles erfassen will, bekommt am Ende nichts, weil die Erfassung im Alltag nicht durchgehalten wird. Für einen belastbaren Fortschritt reichen drei Angaben je Arbeitsgang:
- Start und Ende. Wann wurde begonnen, wann abgeschlossen. Daraus entsteht die Ist-Zeit - und im Vergleich mit dem Arbeitsplan die wichtigste Abweichung überhaupt.
- Gefertigte Menge. Wie viele Stück sind fertig. Daraus entsteht der Fortschritt in Prozent, ohne dass jemand schätzen muss.
- Ausschuss. Was ist nicht brauchbar. Ohne diese Angabe stimmt die Menge am Ende nicht, und der Nachproduktionsbedarf fällt erst beim Wareneingang auf.
Mehr braucht es für die Steuerung nicht. Alles Weitere - Störgründe, Maschinendaten, Einzelzeiten je Bediener - ist Analyse und gehört in eine spätere Ausbaustufe, wenn die Grunderfassung steht.
Kurz gesagt: Drei Angaben je Arbeitsgang genügen für einen belastbaren Fortschritt: Start und Ende, gefertigte Menge, Ausschuss. Wer mehr erfassen will, bekommt am Ende weniger - weil eine Erfassung, die länger als ein paar Sekunden dauert, im Alltag nicht durchgehalten wird.
Was dadurch sichtbar wird
Der Nutzen zeigt sich nicht bei der Erfassung, sondern eine Ebene darüber. Aus denselben drei Angaben entstehen vier Informationen, die vorher niemand hatte:
Der Stand jedes laufenden Auftrags - abrufbar, ohne jemanden zu fragen. Der Verkauf kann Auskunft geben, ohne in der Werkstatt anzurufen.
Die Abweichung vom Plan - und zwar früh genug, um zu reagieren. Ein Auftrag, der am Dienstag als gefährdet erkennbar ist, lässt sich noch umplanen; derselbe Auftrag am Freitag ist zu spät.
Die tatsächliche Bearbeitungszeit im Vergleich zum hinterlegten Arbeitsplan. Wenn ein Arbeitsgang systematisch länger dauert als kalkuliert, ist das kein Werkstattproblem, sondern ein Kalkulationsproblem - mit direkter Wirkung auf den Preis.
Die Ausschussquote je Artikel - und damit die Grundlage, um zwischen einem Ausrutscher und einem systematischen Problem zu unterscheiden.
Rückmeldung ist kein Kontrollinstrument. Sie ist ein Frühwarnsystem - und der einzige Weg, wie ein Plan mit der Wirklichkeit Schritt hält.
Woran die Einführung scheitert
Der technische Teil ist einfach; der schwierige Teil ist der Arbeitsplatz. Drei Punkte entscheiden darüber, ob eine Rückmeldung nach drei Monaten noch gemacht wird:
Die Erfassung muss Sekunden dauern. Ein Terminal, an dem man sich anmelden, suchen und in drei Feldern tippen muss, wird umgangen. Realistisch sind zwei bis drei Klicks - Auftrag wählen, starten, am Ende Menge bestätigen.
Die Leute müssen den Nutzen sehen. Für Mitarbeitende, die zwanzig Jahre auf Papier notiert haben, ist ein Terminal zunächst eine Zumutung. Das ändert sich, wenn spürbar wird, dass niemand mehr nachfragen kommt und dass Rückfragen zu “vergessenen” Stunden aufhören.
Es darf keinen zweiten Weg geben. Solange das Auftragspapier parallel weiterläuft, gewinnt das Papier. Der Umstieg funktioniert nur vollständig oder gar nicht.
Was man nicht braucht
Für den Einstieg braucht es keine Maschinenanbindung. Die Vorstellung, dass Fortschrittstransparenz eine Vernetzung der Anlagen voraussetzt, hält viele KMU von einem Schritt ab, der mit einem Tablet und einer Handvoll Klicks beginnt.
Ebenso wenig braucht es eine Erfassung je Bediener. Wer den Fortschritt je Auftrag und Arbeitsgang kennt, hat alles, was für Steuerung und Nachkalkulation nötig ist. Eine personenbezogene Auswertung bringt wenig Zusatznutzen und viel Diskussion.
So sieht das in Odoo aus
In Odoo läuft die Rückmeldung über eine Tablet-Ansicht am Arbeitsplatz: Auftrag auswählen, starten, am Ende Menge und Ausschuss bestätigen. Daraus werden Ist-Zeit, Materialverbrauch aus der Stückliste und der Fortschritt gebucht - in einem Schritt, ohne separate Lagerentnahme.
Weil dieselbe Datenbasis auch Verkauf und Lager trägt, ist der Stand sofort dort sichtbar, wo die Frage entsteht. Und weil Soll und Ist nebeneinanderliegen, lassen sich Abweichungen als Meldung auslösen, statt sie suchen zu müssen. Was dabei automatisierbar ist, steht in Welche Produktionsprozesse sich automatisieren lassen; der Funktionsumfang und seine Grenzen in Produktion mit Odoo.
Fazit
Fortschrittstransparenz braucht drei Angaben je Arbeitsgang - Start und Ende, Menge, Ausschuss - und einen Arbeitsplatz, an dem die Erfassung Sekunden dauert. Alles Weitere ist Ausbaustufe.
Der Gewinn ist nicht die Kontrolle, sondern die gewonnene Zeit vor dem Problem: Wer am Dienstag sieht, dass ein Auftrag hinter Plan liegt, hat noch Optionen. Wer es am Liefertermin erfährt, hat nur noch ein Telefonat.
Weiterführend: Themenwelt Produktion. Den nächsten Schritt machen Sie mit dem kostenlosen Projekt-Check.
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