Smarte Kontakterfassung statt Tipparbeit
Es gibt eine Tätigkeit, die in fast jedem Unternehmen täglich passiert und trotzdem niemandem Freude macht: Kontaktdaten abtippen. Aus der E-Mail-Signatur ins CRM, von der Website in die Adressverwaltung, von der Messeliste in eine Excel-Tabelle, die dann irgendwann “später mal importiert” wird.
Das Problem ist nicht nur die verlorene Zeit. Jeder von Hand erfasste Kontakt ist eine Gelegenheit für Tippfehler, fehlende Felder und Dubletten – und diese Fehler kosten später mehr als die Erfassung selbst: falsch adressierte Rechnungen, doppelte Kundennummern, Auswertungen, denen niemand traut.
Die gute Nachricht: Odoo bringt von Haus aus mehrere Wege mit, Kontakte fast ohne Tipparbeit zu erfassen. Die schlechte: Die Werkzeuge allein genügen nicht. Ohne ein paar interne Spielregeln wird auch der schnellste Weg zur Dublettenfabrik. Schauen wir uns beides an.
Die schnellsten Wege, einen Kontakt in Odoo zu erfassen
1. Direkt aus dem Postfach: die Mail-Plugins
Die meisten neuen Kontakte kommen per E-Mail ins Haus. Genau dort setzen die offiziellen Odoo-Plugins für Outlook und Gmail an: Sie verbinden das Postfach mit Ihrer Odoo-Datenbank. Aus einer geöffneten E-Mail erstellen Sie mit wenigen Klicks einen Kontakt, einen Lead oder ein Helpdesk-Ticket – Name und E-Mail-Adresse übernimmt das Plugin gleich mit, und die Konversation wird am Datensatz dokumentiert.
Das ist der grösste einzelne Hebel gegen Tipparbeit, weil er dort wirkt, wo die Daten ankommen. Die Links zu beiden Plugins samt Installationsweg haben wir auf unserer Support-Seite unter “Offizielle Odoo-Downloads” zusammengestellt.
2. Firmenname tippen, Rest ausfüllen lassen: die Partner-Autovervollständigung
Odoos Partner-Autovervollständigung ist eine der unterschätztesten Funktionen im Standard: Sie tippen die ersten Buchstaben eines Firmennamens ins Kundenfeld, wählen den Treffer aus dem Vorschlag – und Odoo füllt Adresse, Telefonnummer, E-Mail-Adresse, Logo und sogar die MWST-Nummer automatisch aus. Es funktioniert auch umgekehrt: MWST-Nummer eingeben, Firma erhalten.
Aktiviert wird die Funktion unter Einstellungen → Kontakte → Partner-Autovervollständigung. Sie ist ein In-App-Dienst von Odoo und verbraucht pro Abfrage ein Guthaben – die Kosten sind im Verhältnis zur gesparten Zeit vernachlässigbar, und Enterprise-Kunden erhalten Testguthaben zum Ausprobieren.
3. Gar nicht erfassen: E-Mail-Alias und Webformulare
Der schnellste Weg, einen Kontakt zu erfassen, ist der, bei dem niemand etwas erfassen muss. Zwei Odoo-Standards nehmen Ihnen die Arbeit komplett ab:
- E-Mail-Aliasse: Eine Adresse wie
[email protected]lässt sich direkt mit dem CRM verbinden. Jede eingehende E-Mail erzeugt automatisch einen Lead – samt Kontaktdaten des Absenders und dem vollständigen Nachrichtentext. - Webformulare: Kontakt- und Angebotsformulare auf der Website schreiben direkt ins CRM. Der Interessent füllt die Felder selbst aus – besser strukturiert bekommen Sie Daten nirgends.
Beides sorgt nebenbei dafür, dass keine Anfrage mehr in einem persönlichen Postfach versandet.
4. Für Listen: der Import mit Vorlage
Messekontakte, zugekaufte Adressen, der Altbestand aus dem Vorgängersystem: Für alles, was als Liste vorliegt, ist der Excel-/CSV-Import der richtige Weg. Odoo stellt dafür eine Importvorlage bereit, mappt Spalten auf Felder und zeigt Fehler vor dem Import an – so landen fünfzig Kontakte in wenigen Minuten sauber im System.
Ein Rat aus der Praxis: Importieren Sie nie ungeprüft. Zehn Minuten Aufwand für einheitliche Schreibweisen und das Entfernen offensichtlicher Dubletten vor dem Import ersparen Stunden Aufräumarbeit danach.
5. Unterwegs: die Mobile App
Mit der offiziellen Odoo-App auf dem Smartphone erfassen Sie einen neuen Kontakt direkt nach dem Gespräch – am Messestand oder auf dem Parkplatz, solange die Erinnerung frisch ist. Kein Zettel, kein “das trage ich Montag nach”, das dann doch nie passiert.
Werkzeuge sind die halbe Miete – Regeln die andere
Jetzt der unbequeme Teil. Wir sehen in Odoo-Systemen regelmässig beides: modernste Erfassungswege und einen Kundenstamm voller Dubletten und Karteileichen. Der Unterschied zwischen einem sauberen und einem chaotischen Kundenstamm liegt selten an der Technik – er liegt an fehlenden Spielregeln. Diese fünf haben sich bewährt:
Regel 1: Erst suchen, dann anlegen
Die häufigste Ursache für Dubletten ist banal: Jemand legt einen Kontakt neu an, den es schon gibt – als “Muster AG”, “Muster AG, Zürich” und “muster ag”. Die Regel dagegen ist genauso banal: Vor jedem Neuanlegen wird gesucht. Odoos globale Suche findet auch Teilbegriffe und E-Mail-Adressen; wer ein paar Handgriffe kennt, braucht dafür keine drei Sekunden.
Regel 2: Die Firma ist der Anker, Personen hängen daran
Odoo kennt Firmenkontakte und Personenkontakte – und Personen gehören unter ihre Firma, nicht daneben. Wer “Hans Muster” als eigenständigen Kontakt anlegt statt als Person der Muster AG, verliert die Verbindung: Angebote, Rechnungen und Gespräche verteilen sich auf zwei Datensätze. Die Regel: Zuerst die Firma (gerne per Autovervollständigung), dann die Ansprechpersonen darunter.
Regel 3: Pflichtfelder definieren – wenige, aber verbindlich
Nicht jedes Feld muss gefüllt sein, aber einige müssen es: Ohne E-Mail-Adresse kein Versand, ohne Sprache falsch beschriftete Dokumente, ohne MWST-Nummer keine saubere Verrechnung bei Firmenkunden. Definieren Sie drei bis fünf Pflichtangaben – mehr nicht – und halten Sie fest, wer sie bei unvollständigen Kontakten nachträgt. Ein Kontakt, der diese Felder nicht hat, gilt als nicht erfasst.
Regel 4: Tags aus einer kuratierten Liste statt Wildwuchs
Stichwörter sind mächtig für Auswertungen und Selektionen – bis jeder eigene erfindet: “Kunde”, “Kunden”, “Bestandskunde” und “A-Kunde” nebeneinander machen jede Auswertung wertlos. Die Regel: Eine kurze, abgestimmte Tag-Liste, und neue Tags entstehen nur bewusst – nicht nebenbei beim Erfassen.
Regel 5: Aufräumen ist ein Termin, kein Zufall
Auch mit guten Regeln entsteht Wildwuchs – Menschen bleiben Menschen. Deshalb gehört die Pflege in den Kalender: ein wiederkehrender Termin pro Quartal, an dem eine verantwortliche Person Dubletten zusammenführt und Karteileichen archiviert. Odoo unterstützt dabei mit der Zusammenführen-Funktion und Filtern für verwaiste Kontakte. Wie man einen bereits verwilderten Kundenstamm systematisch saniert, haben wir in einem eigenen Beitrag beschrieben.
Das Zusammenspiel macht den Unterschied
Die Rechnung ist einfach: Die Werkzeuge senken die Hürde, Kontakte überhaupt zu erfassen – die Regeln sorgen dafür, dass das Erfasste etwas wert ist. Nur Werkzeuge ohne Regeln ergibt einen schnellen, chaotischen Kundenstamm. Nur Regeln ohne Werkzeuge ergibt Disziplin-Theater, das im Alltag niemand durchhält.
Beides zusammen ergibt das, was ein Kundenstamm sein sollte: die verlässlichste Datenbasis im Unternehmen – die Grundlage für strukturierte Verkaufsprozesse, treffsichere Auswertungen und Dokumente, die beim ersten Versand stimmen.
Und falls Sie gerade denken “bei uns wäre schon das Aktivieren der Autovervollständigung ein Fortschritt”: Genau solche Quick Wins sind der beste Startpunkt. Die Plugins installieren, eine Handvoll Regeln vereinbaren, einen Aufräumtermin setzen – mehr braucht der Anfang nicht.
Wie sauber ist Ihr Kundenstamm?
Wir schauen mit Ihnen auf Ihre Kontaktprozesse und richten die Werkzeuge so ein, dass Erfassen schneller geht als Abtippen – ehrlich beraten, pragmatisch umgesetzt.