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BeratungEinkauf, Lager & Auftragsabwicklung

Warum Liefertermine nicht eingehalten werden

Wenn Liefertermine reissen, wird meist im Lager gesucht - dort liegt die Ursache selten. Sie entsteht früher: bei einer Zusage, die niemand geprüft hat, bei einem Bestand, der nur auf dem Papier existiert, bei einer Bestellung ohne bestätigten Termin. Vier Ursachen und was sich dagegen tun lässt.

Bruno Eggenberger Geschäftsführer, Binadoo AG geprüft 07.09.20268 Min. Lesezeit
Bildschirm mit der Warnung, dass diese Woche drei Liefertermine gefährdet sind

Kaum eine Kundenbeschwerde wiegt schwerer als ein verpasster Liefertermin. Sie kostet nicht nur die eine Lieferung, sondern Vertrauen - und das nächste Mal fragt der Kunde vielleicht gar nicht mehr an.

Wenn im Betrieb nach der Ursache gesucht wird, führt der Weg fast immer ins Lager. Dort liegt sie selten. Der Termin ist meist längst gerissen, bevor die Ware überhaupt kommissioniert wird: bei einer Zusage, die niemand geprüft hat.

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Kurz gesagt: Ein Liefertermin ist ein Versprechen, das im Verkauf gegeben und in Einkauf und Lager eingelöst wird. Reisst er, liegt die Ursache fast immer an der Nahtstelle dazwischen - nicht bei denen, die am Ende packen.

Vier Ursachen, die vor dem Lager liegen

Die Zusage entsteht ohne Deckung. Im Verkaufsgespräch wird ein Termin genannt, weil der Kunde einen braucht - nicht, weil jemand geprüft hätte, ob er machbar ist. Das ist keine Nachlässigkeit, sondern eine Folge fehlender Information: Wer im Gespräch nicht sieht, was verfügbar ist und was in Beschaffung liegt, muss schätzen.

Der Bestand existiert nur auf dem Papier. Die Zahl im System stimmt nicht mit dem Regal überein - wegen nicht gebuchter Entnahmen, Retouren, Schwund oder Reservationen, die niemand pflegt. Der Verkauf verspricht auf Basis dieser Zahl, das Lager kann sie nicht liefern.

Die Bestellung hat keinen bestätigten Termin. Beim Lieferanten wurde bestellt, aber ohne verbindliche Bestätigung - oder die Bestätigung kam per E-Mail und liegt in einem Postfach statt am Auftrag. Verzögert sich die Lieferung, merkt es niemand, bis der Kunde anruft.

Niemand merkt es rechtzeitig. Das ist die teuerste Ursache. Ein Termin, der zwei Wochen vorher als gefährdet erkannt wird, lässt sich verschieben, teilliefern oder umdisponieren. Ein Termin, der am Liefertag auffällt, ist ein Schaden.

Vier Ursachen gerissener Liefertermine: Zusage ohne Deckung, Bestand nur auf dem Papier, Bestellung ohne bestätigten Termin und zu späte Warnung

Ein gerissener Termin ist fast nie ein Logistikproblem. Er ist ein Informationsproblem mit logistischer Wirkung.

Warum das die Geschäftsführung betrifft

Termintreue ist eine der wenigen Grössen, die Kunden unmittelbar erleben. Sie wirkt direkt auf drei Dinge.

Auf den Wiederkauf. Preis und Qualität werden verglichen, Verlässlichkeit wird erinnert. Wer zweimal zu spät liefert, steht beim nächsten Vergleich schlechter da, als es der Preis rechtfertigen würde.

Auf die internen Kosten. Jeder gefährdete Termin erzeugt Sonderaufwand: Nachfragen beim Lieferanten, Expresslieferungen, Umplanung im Lager, Entschuldigungen im Verkauf. Diese Arbeit taucht in keiner Kalkulation auf und ist trotzdem da.

Auf die Planbarkeit. Ein Betrieb, der seine Termine nicht halten kann, kann auch seine Kapazität nicht planen - weil ständig umpriorisiert wird. Das ist der Punkt, an dem aus einem Lieferproblem ein Führungsproblem wird.

Was sich dagegen tun lässt

Die Gegenmittel sind unspektakulär und wirken in dieser Reihenfolge.

Zusagen an Verfügbarkeit koppeln. Wer im Verkaufsgespräch sieht, was am Lager ist, was reserviert ist und was wann erwartet wird, nennt realistische Termine. Das ist der grösste einzelne Hebel und braucht keine neue Software, sondern eine gemeinsame Datenbasis.

Bestände ehrlich führen. Jede Bewegung wird gebucht, auch die schnelle Entnahme zwischendurch. Eine Inventurdifferenz ist kein Betriebsunfall, sondern ein Messwert - sie zeigt, wie gut der Prozess funktioniert. Wo Bestände systematisch danebenliegen, hilft der Beitrag zu zu hohen Lagerbeständen bei der Ursachensuche.

Lieferantentermine verbindlich festhalten. Die Auftragsbestätigung gehört an die Bestellung, nicht ins Postfach. Erst dann lässt sich überhaupt feststellen, ob ein Lieferant zuverlässig ist.

Früh warnen statt spät entschuldigen. Es braucht eine Stelle, an der gefährdete Termine sichtbar werden, bevor sie eintreten - und jemanden, der sie ansieht. Ohne diese Verantwortlichkeit nützt auch die beste Warnung nichts.

Vier Gegenmittel für verlässliche Liefertermine in ihrer Wirkungsreihenfolge, vom Koppeln der Zusage an die Verfügbarkeit bis zur frühen Warnung

Was Odoo an dieser Frage ändert

Der Kern des Problems ist, dass Zusage, Bestand und Beschaffung in getrennten Welten leben. Genau dort setzt eine gemeinsame Plattform an.

In Odoo hängen Verkaufsauftrag, Lagerbestand und Bestellung am selben Artikel. Der Verkauf sieht beim Erfassen, was verfügbar ist und was erwartet wird, statt zu schätzen. Reservationen sind sichtbar, statt in einem Kopf zu existieren. Und die Bestellung beim Lieferanten trägt ihren Termin am Datensatz - nicht in einer E-Mail.

Zwei Punkte gehören zur ehrlichen Einordnung. Erstens: Auch das beste System liefert nur so gute Termine, wie die gebuchten Daten es zulassen - wer Entnahmen nicht bucht, verlagert das Problem nur. Zweitens: Termintreue ist am Ende eine Frage der Verantwortlichkeit. Das System kann warnen; hinsehen und entscheiden muss ein Mensch.

Wie der gesamte Weg vom Auftrag bis zur Auslieferung zusammenspielt, beschreibt der Beitrag zum idealen Auftragsabwicklungsprozess; die Kette vom Lieferanten bis zum Kunden zeigt der Beitrag zum idealen Warenfluss. Die passende Übersicht finden Sie unter Lager, Einkauf und Auftragsabwicklung.

Fazit

Wenn Liefertermine reissen, lohnt sich der Blick nach vorn statt nach hinten: nicht ins Lager, sondern an die Stelle, an der der Termin zugesagt wurde.

Verlässliche Termine entstehen dort, wo Verkauf, Einkauf und Lager auf dieselben Zahlen schauen - und wo jemand zuständig ist, wenn eine Zusage zu kippen droht. Das ist weniger ein Software- als ein Organisationsthema. Software macht es nur möglich.

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Weiterführend: Themenwelt Einkauf, Lager & Auftragsabwicklung · Lösung Lager · Lösung Einkauf. Den nächsten Schritt machen Sie mit dem kostenlosen Projekt-Check.

Bruno Eggenberger, Geschäftsführer, Binadoo AG
Über den Autor
Bruno Eggenberger · Geschäftsführer, Binadoo AG

Bruno begleitet Schweizer KMU von der ersten Prozessfrage bis zum laufenden Odoo-Betrieb. Sein Fokus: Digitalisierung, die sich wirtschaftlich rechnet - ehrlich beraten, pragmatisch umgesetzt.

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