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BeratungOdoo erfolgreich einsetzen

Welche Odoo-Prozesse sich automatisieren lassen

Die meisten Automatisierungen in Odoo brauchen keine Entwicklung. Wer das nicht weiss, beauftragt Programmierung für etwas, das eine Konfiguration von zwanzig Minuten wäre.

Bruno Eggenberger Geschäftsführer, Binadoo AG 9 Min. Lesezeit
Bildschirm mit automatisierten Abläufen im System und ihrem Status

Automatisierung wird in KMU meist mit Programmierung gleichgesetzt. Das führt dazu, dass entweder gar nicht automatisiert wird - zu teuer - oder Entwicklung beauftragt wird für etwas, das eine Einstellung gewesen wäre.

Tatsächlich gibt es in Odoo vier Ebenen, und die ersten drei brauchen keine Entwicklung. Wer sie kennt, löst den grössten Teil des Bedarfs ohne Programmierung.

Odoo automatisieren: Vier Ebenen von Konfiguration bis Entwicklung

Die vier Ebenen

Ebene 1: Konfiguration. Standardwerte, Vorlagen, Folgeaktionen, automatische Nummernkreise, Preisregeln, Freigabeschwellen. Kein Code, sofort wirksam, updatesicher. Der grösste Teil des Bedarfs liegt hier - und wird am häufigsten übersehen.

Ebene 2: Automatisierungsregeln. Wenn ein Datensatz einen bestimmten Zustand erreicht, passiert etwas: ein Status wechselt, eine Aktivität entsteht, eine Meldung geht raus, ein Feld wird gesetzt. Ebenfalls ohne Entwicklung, aber mit etwas Einrichtungswissen.

Ebene 3: Geplante Aktionen. Wiederkehrend statt ereignisgesteuert: nächtliche Prüfungen, monatliche Rechnungen aus Verträgen, wöchentliche Berichte, Erinnerungen an Fristen.

Ebene 4: Entwicklung. Erst dann, wenn eine Logik nötig ist, die keine der drei Ebenen abdeckt - oder eine Schnittstelle zu einem anderen System. Sie ist am mächtigsten und muss bei jedem Upgrade mitgepflegt werden, was in Odoo-Anpassungen: sinnvoll oder gefährlich? eingeordnet ist.

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Kurz gesagt: Drei der vier Automatisierungsebenen in Odoo brauchen keine Entwicklung. Vor jedem Entwicklungsauftrag gehört die Frage gestellt, ob Ebene 1 bis 3 den Fall abdecken - in der Mehrzahl tun sie es.

Fünf Bereiche, die sich systemweit lohnen

Folgeschritte im Auftragsdurchlauf. Aus dem bestätigten Auftrag entstehen Lieferung, Fertigungsauftrag oder Projekt automatisch. Aus der Lieferung entsteht die Rechnung. Das ist keine Zusatzfunktion, sondern eine Grundkonfiguration - und in vielen Betrieben trotzdem Handarbeit, weil sie einmal anders eingerichtet wurde.

Freigaben nach Regel. Bestellungen über einem Betrag brauchen eine Genehmigung, darunter nicht. Rabatte über einer Schwelle gehen an die Verkaufsleitung. Ohne Regel geschieht beides entweder gar nicht oder immer - beides ist teuer.

Erinnerungen und Fristen. Nachfassen bei offenen Angeboten, ablaufende Verträge, fällige Wartungen, überfällige Forderungen, stillstehende Vorgänge. Der unscheinbarste Bereich mit der zuverlässigsten Wirkung, weil er Vergessen ausschliesst.

Wiederkehrende Belege. Wartungsverträge, Abonnemente, Pauschalen: als Vorlage mit Rhythmus hinterlegt, entstehen Rechnungen ohne Anstoss.

Dokumente und Kommunikation. Auftragsbestätigung, Lieferschein, Rechnung und Zahlungserinnerung als Vorlage mit automatischem Versand. Spart weniger Zeit als der Auftragsdurchlauf, verbessert aber die Reaktionsgeschwindigkeit spürbar.

Odoo-Automatisierung: Was Regel ist und was Entscheidung bleibt

Wo die Grenze verläuft

Automatisierbar ist, was einer Regel folgt. Was Kontext braucht, bleibt beim Menschen - und dazwischen liegt eine Zone, in der Automatisierung schaden kann:

Kundenkommunikation in heiklen Lagen. Eine automatische Mahnung an einen Kunden, mit dem gerade über eine Reklamation gesprochen wird, kostet mehr als der Prozess einbringt. Deshalb braucht jede automatische Kommunikation eine Möglichkeit, sie im Einzelfall anzuhalten.

Entscheidungen mit Ausnahmen. Wenn eine Regel in zwanzig Prozent der Fälle nicht passt, erzeugt sie mehr Korrekturarbeit, als sie einspart. Faustregel: unter neunzig Prozent Trefferquote lieber ein Vorschlag als eine Automatik.

Alles, was auf schlechten Daten aufsetzt. Eine Automatisierung auf unvollständigen Stammdaten multipliziert den Fehler, statt Arbeit zu sparen.

Ein unklarer Prozess, der automatisiert wird, ist danach ein schneller unklarer Prozess - und schwerer zu korrigieren als vorher.

Die Reihenfolge

Zuerst den Ablauf klären. Automatisierung setzt einen definierten Ablauf voraus. Wer eine Ausnahme automatisiert, weil sie gerade oben auf der Liste steht, baut Sonderlogik in einen ungeklärten Prozess.

Dann Ebene 1 ausschöpfen. Vorlagen, Standardwerte, Folgeaktionen. Günstig, schnell, updatesicher.

Dann Regeln und geplante Aktionen. Erinnerungen und Schwellen zuerst - sie haben das beste Verhältnis von Aufwand zu Wirkung.

Zuletzt Entwicklung. Und nur, wenn der Nutzen die dauerhafte Pflege über mehrere Upgrades hinweg rechtfertigt.

Welche Prozesse überhaupt zuerst angefasst gehören, ist in Welche Geschäftsprozesse sich zuerst optimieren lassen beschrieben.

Was die Pflege betrifft

Automatisierungen sind kein Selbstläufer. Zwei Punkte gehören eingeplant:

Dokumentation. Was läuft automatisch, unter welcher Bedingung, mit welcher Wirkung. Ohne diese Liste sucht in zwei Jahren jemand stundenlang, warum ein Status von selbst wechselt.

Überprüfung bei Upgrades. Konfiguration und Regeln überleben Upgrades in aller Regel; Entwicklung muss geprüft werden. Das ist einer der Gründe, warum die Anzahl der Anpassungen die laufenden Kosten stärker bestimmt als ihre einmaligen - siehe Odoo-Performance und Wartbarkeit.

Fazit

Die meisten Automatisierungen in einem KMU-Odoo sind Konfiguration und Regeln, nicht Entwicklung. Fünf Bereiche decken den grössten Teil ab: Folgeschritte im Auftragsdurchlauf, Freigaben nach Regel, Erinnerungen und Fristen, wiederkehrende Belege, Dokumente und Kommunikation.

Wer mit einem beginnen will, nimmt die Erinnerungen. Sie kosten am wenigsten Einrichtung, greifen nirgends in bestehende Abläufe ein - und sie beseitigen die Fehlerquelle, die im Betrieb am teuersten ist: dass etwas schlicht vergessen geht.

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Bruno Eggenberger, Geschäftsführer, Binadoo AG
Über den Autor
Bruno Eggenberger · Geschäftsführer, Binadoo AG

Bruno begleitet Schweizer KMU von der ersten Prozessfrage bis zum laufenden Odoo-Betrieb. Sein Fokus: Digitalisierung, die sich wirtschaftlich rechnet - ehrlich beraten, pragmatisch umgesetzt.

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