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BeratungFinanzen & Controlling

Finanzen in KMU effizient organisieren

Die Finanzorganisation vieler KMU ist historisch gewachsen: Der Treuhänder macht, was er immer gemacht hat, und intern macht jemand den Rest. Das funktioniert - bis zu einer bestimmten Grösse.

Bruno Eggenberger Geschäftsführer, Binadoo AG 10 Min. Lesezeit
Bildschirm mit Finanzorganisation: Aufgaben, Zuständigkeiten und Termine je Monat

Die Finanzorganisation der meisten Schweizer KMU ist nicht geplant, sondern gewachsen. Am Anfang machte der Treuhänder alles, dann kam intern jemand dazu, dann kam ein Werkzeug für die Fakturierung, dann eine Excel-Liste für die Projektzahlen.

Das funktioniert erstaunlich lange. Es hört auf zu funktionieren, wenn die Geschäftsleitung Fragen stellt, die aus dieser Struktur nicht beantwortbar sind - und das passiert bei fast jedem Betrieb an einer bestimmten Wachstumsschwelle.

Finanzen im KMU: Drei unterschiedliche Aufgaben - Abrechnen, Steuern, Planen

Drei Aufgaben, die oft verwechselt werden

Abrechnen. Belege verbuchen, Mehrwertsteuer abrechnen, Löhne verarbeiten, Jahresabschluss erstellen. Pflicht, gesetzlich geregelt, rückwärtsgerichtet.

Steuern. Aus denselben Zahlen Aussagen über Marge, Kosten, Auslastung und Entwicklung ableiten. Freiwillig, ungeregelt und der eigentliche Zweck.

Planen. Budget, Liquiditätsvorschau, Investitionsrechnung. Nach vorn gerichtet.

Der verbreitetste Organisationsfehler ist, die zweite und dritte Aufgabe dem Ersteller der ersten zu überlassen. Ein Treuhänder rechnet korrekt ab - aber er sitzt nicht im Betrieb und kann nicht wissen, welche Auswertung eine Entscheidung stützen würde. Warum die Buchhaltung allein nicht reicht, steht in Warum Buchhaltung allein keine Unternehmenssteuerung ist.

Die Aufgabenteilung mit dem Treuhänder

Drei Modelle sind in Schweizer KMU verbreitet, und alle drei sind legitim - solange sie bewusst gewählt sind:

Alles extern. Der Treuhänder führt die Buchhaltung vollständig, das Unternehmen liefert Belege. Passt bis etwa zehn Mitarbeitende und bei einfacher Struktur. Nachteil: Die Zahlen sind für die Steuerung zu spät und zu grob.

Laufendes intern, Abschluss extern. Das Unternehmen fakturiert, erfasst Belege und Zahlungen laufend selbst; der Treuhänder prüft, macht Abgrenzungen und den Abschluss. Das ist für Betriebe zwischen etwa zehn und fünfzig Mitarbeitenden meist die richtige Aufteilung - die Zahlen sind aktuell, die Fachverantwortung bleibt extern.

Alles intern mit Revisionsbegleitung. Ab etwa fünfzig Mitarbeitenden oder bei komplexer Struktur. Setzt eine Person mit Fachausbildung voraus.

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Kurz gesagt: Zwischen zehn und fünfzig Mitarbeitenden ist "laufend intern, Abschluss extern" meist die richtige Aufteilung. Sie liefert aktuelle Zahlen für die Steuerung, ohne dass interne Fachverantwortung aufgebaut werden muss.

Der Rhythmus

Eine Finanzorganisation ist so gut wie ihr Kalender. Vier Takte reichen:

Wöchentlich: Zahlungseingänge abgleichen, überfällige Forderungen ansehen, Liquiditätsvorschau aktualisieren. Zwanzig bis dreissig Minuten.

Monatlich: Abschluss bis zum fünften Arbeitstag, Vergleich mit dem Budget, Besprechung der Abweichungen über der vereinbarten Schwelle. Welche Berichte dafür nötig sind, steht in Welche Reports die Geschäftsleitung wirklich braucht.

Quartalsweise: Mehrwertsteuer, Deckungsbeitragsübersicht, Blick auf die Entwicklung statt auf den Monat.

Jährlich: Abschluss, Budget für das Folgejahr, Überprüfung der Organisation selbst.

Der monatliche Takt ist der entscheidende. Ein Betrieb, der am fünften Arbeitstag seine Zahlen hat, führt anders als einer, der sie am zwanzigsten bekommt.

Finanzorganisation KMU: Vier Takte von wöchentlich bis jährlich

Die vier Grundlagen, ohne die nichts trägt

Ein Kontenplan, der zum Betrieb passt. Der Schweizer KMU-Kontenrahmen ist die Basis, aber die Detaillierung ist eine eigene Entscheidung. Zu grob macht Auswertungen unmöglich, zu fein macht die Verbuchung zur Diskussion.

Kostenstellen. Drei bis acht genügen. Ohne sie ist keine Aussage darüber möglich, welcher Bereich welche Kosten verursacht.

Auftrags- oder Projektbezug. Direkte Kosten und geleistete Stunden müssen dem Auftrag zuordenbar sein, sonst ist kein Deckungsbeitrag berechenbar. Das ist die häufigste Lücke - und die folgenreichste, siehe Die wichtigsten Controlling-Kennzahlen für KMU.

Eine Datenquelle. Sobald Zahlen an zwei Orten geführt werden, wird ein Teil der Arbeitszeit für das Abstimmen der beiden Orte verbraucht.

Die typischen Wachstumsschwellen

Bei etwa zehn Mitarbeitenden reicht die rein externe Buchhaltung nicht mehr: Die Zahlen kommen zu spät für Entscheidungen, und die Fakturierung braucht Struktur.

Bei etwa fünfundzwanzig wird die Frage nach dem Deckungsbeitrag unausweichlich. Pauschale Aussagen über die Marge reichen nicht mehr, weil die Streuung zwischen Kunden und Aufträgen zu gross wird.

Bei etwa fünfzig braucht es Budget und Plan-Ist-Vergleich als Routine, Kostenstellenverantwortung und eine Person, die intern die Finanzen führt statt nur bearbeitet.

An jeder dieser Schwellen entsteht derselbe Reflex: mehr Excel. Das funktioniert einmal und wird beim nächsten Wachstumsschritt zum Engpass.

Excel ist nie das Problem und immer das Symptom: Es entsteht dort, wo ein System eine Frage nicht beantwortet.

So sieht das in Odoo aus

Die vier Grundlagen - Kontenplan, Kostenstellen, Auftragsbezug, eine Datenquelle - sind der Punkt, an dem sich ein durchgehendes System von einer reinen Buchhaltungssoftware unterscheidet. Nicht in der Verbuchung, sondern darin, woher die Zuordnung kommt.

Wenn Verkauf, Einkauf, Lager, Zeiterfassung und Buchhaltung dieselben Datensätze verwenden, entsteht die Zuordnung bei der Erfassung: Die Lieferantenrechnung hängt am Auftrag, die Stunde am Projekt, die Kundenrechnung an der Produktgruppe. Deckungsbeitrag je Kunde, Auslastung, Auftragsbestand und Plan-Ist-Vergleich werden damit zu Ansichten statt zu Auswertungsprojekten.

Der zweite Beitrag ist die Geschwindigkeit. Automatischer Zahlungsabgleich über die QR-Referenz, digitaler Belegweg mit Freigabe, Rechnungsvorschläge aus abgeschlossenen Aufträgen: Das ist der Unterschied zwischen einem Abschluss am fünften und einem am zwanzigsten. Welche Bereiche sich dafür anbieten, zeigt Welche Finanzprozesse sich automatisieren lassen; wie die Buchhaltung selbst aufgesetzt wird, Buchhaltung mit Odoo.

Wichtig für den Schweizer Kontext: Mehrwertsteuer nach den hiesigen Sätzen und Codes sowie die QR-Rechnung sind abgedeckt - im Detail in Odoo und die Schweizer Mehrwertsteuer und Odoo und die QR-Rechnung.

Der Weg dorthin

Ein sinnvoller Aufbau in vier Etappen, jede mit produktivem Zwischenstand:

Erst die Grundlagen. Kontenplan prüfen, drei bis acht Kostenstellen definieren, Auftragsbezug festlegen.

Dann den Debitorenprozess. Schnelle Fakturierung, automatischer Abgleich, konsequentes Nachfassen. Wirkt sofort auf die Liquidität - siehe Cashflow verstehen und richtig steuern.

Dann den Beleglauf. Digital mit Freigaberegeln. Grösster Zeitgewinn, grösste Verhaltensänderung.

Zuletzt Planung und Auswertung. Budget, rollende Liquiditätsvorschau, monatlicher Plan-Ist-Vergleich. Details in Wie erstellt man ein realistisches Budget? und Liquiditätsplanung für KMU.

Fazit

Finanzen effizient zu organisieren heisst nicht, mehr zu rechnen. Es heisst, die drei Aufgaben - abrechnen, steuern, planen - zu trennen, sie mit dem Treuhänder passend zur Betriebsgrösse aufzuteilen, einen Kalender festzulegen und die vier Grundlagen einmal sauber zu setzen.

Der Prüfstein ist einfach: Wenn die Geschäftsleitung am fünften Arbeitstag weiss, wie der Vormonat gelaufen ist und wo die Marge entstanden ist, trägt die Organisation. Wenn dafür jemand drei Tage rechnen muss, trägt sie nicht mehr - unabhängig davon, wie gut die Buchhaltung geführt wird.

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Weiterführend: Themenwelt Finanzen & Controlling · Lösung Buchhaltung. Den nächsten Schritt machen Sie mit dem kostenlosen Projekt-Check.

Bruno Eggenberger, Geschäftsführer, Binadoo AG
Über den Autor
Bruno Eggenberger · Geschäftsführer, Binadoo AG

Bruno begleitet Schweizer KMU von der ersten Prozessfrage bis zum laufenden Odoo-Betrieb. Sein Fokus: Digitalisierung, die sich wirtschaftlich rechnet - ehrlich beraten, pragmatisch umgesetzt.

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