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BeratungFinanzen & Controlling

Welche Finanzkennzahlen jeder Geschäftsführer kennen sollte

Die Buchhaltung liefert Zahlen im Überfluss, und trotzdem lässt sich die Frage "wie läuft es?" oft nicht beantworten. Fünf Kennzahlen genügen zur Steuerung, drei verbreitete führen eher in die Irre - und eine Voraussetzung entscheidet darüber, ob überhaupt eine davon belastbar ist.

Bruno Eggenberger Geschäftsführer, Binadoo AG 8 Min. Lesezeit
Bildschirm mit den zentralen Finanzkennzahlen eines KMU

Fragen Sie einen Geschäftsführer, wie das Jahr läuft, und Sie bekommen meist eine Antwort über den Umsatz. Fragen Sie nach, wie viel davon am Ende übrig bleibt und wann es auf dem Konto ist, wird es unschärfer.

Das liegt selten an fehlenden Zahlen. Die Buchhaltung liefert reichlich - nur eben rückblickend, in einer Struktur, die für den Abschluss gebaut ist und nicht für die Steuerung. Für die Führung eines KMU genügen fünf Grössen.

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Kurz gesagt: Umsatz ist die bekannteste und am wenigsten aussagekräftige Zahl. Wer Deckungsbeitrag, Liquidität, Debitorenfrist, Auftragsbestand und Personalkostenquote im Blick hat, steuert - alles darüber hinaus ist meist Beiwerk.

Die fünf, die zählen

Deckungsbeitrag statt Umsatz. Umsatz sagt, wie viel durchs Unternehmen fliesst; der Deckungsbeitrag sagt, was nach den direkt zurechenbaren Kosten übrig bleibt. Erst er beantwortet, ob ein Auftrag, ein Kunde oder ein Geschäftsbereich sich lohnt. Ein wachsender Umsatz bei sinkendem Deckungsbeitrag ist eines der gefährlichsten Muster überhaupt, weil es sich nach Erfolg anfühlt.

Liquidität mit Vorschau. Der Kontostand ist Vergangenheit. Führungsrelevant ist die Vorschau: Was kommt in den nächsten acht bis zwölf Wochen rein, was geht raus? Diese Zahl entscheidet über Investitionen, Einstellungen und darüber, ob eine Grosschance überhaupt finanzierbar ist.

Debitorenfrist. Wie viele Tage vergehen im Schnitt zwischen Rechnung und Zahlungseingang. Sie ist die am leichtesten zu verbessernde Kennzahl im ganzen Unternehmen - und in vielen KMU die am wenigsten beachtete. Jeder eingesparte Tag ist Liquidität ohne Kredit.

Auftragsbestand. Was ist verkauft, aber noch nicht geliefert und verrechnet? Diese Grösse ist der einzige echte Blick nach vorn in dieser Liste und die Brücke zwischen Verkauf und Finanzen: Sie zeigt, ob die kommenden Monate gefüllt sind.

Personalkostenquote. Personalkosten im Verhältnis zur Leistung. In dienstleistungsnahen KMU ist das der grösste Kostenblock und damit die Zahl, die am schnellsten kippt, wenn Aufträge ausbleiben.

Die fünf Finanzkennzahlen zur Steuerung eines KMU: Deckungsbeitrag, Liquiditätsvorschau, Debitorenfrist, Auftragsbestand und Personalkostenquote

Ein wachsender Umsatz bei sinkendem Deckungsbeitrag fühlt sich an wie Erfolg - und ist keiner.

Drei, die weniger taugen, als sie scheinen

Der Umsatz allein. Er ist die meistgenannte Zahl in Führungsgesprächen und sagt ohne Deckungsbeitrag nichts über die Gesundheit des Geschäfts.

Der Jahresgewinn als Steuerungsgrösse. Er kommt zu spät. Wenn er vorliegt, ist das Jahr vorbei - für Entscheidungen brauchen Sie monatliche Grössen, nicht eine jährliche Bestätigung.

Die Eigenkapitalquote im Monatsrhythmus. Wichtig für Bank und Bilanzstichtag, aber im Monatsvergleich bewegt sie sich kaum. Sie gehört ins Jahresgespräch, nicht auf das monatliche Blatt.

Warum die reine Buchhaltungssicht als Steuerung nicht genügt, haben wir in einem eigenen Beitrag beschrieben.

Die Voraussetzung: Aktualität

Alle fünf Kennzahlen sind wertlos, wenn sie zu spät kommen. Eine Deckungsbeitragsrechnung, die im März für den Januar vorliegt, ist Buchhaltung - keine Führung.

Der Massstab ist unbequem, aber einfach: Die Zahlen des Vormonats sollten in den ersten Arbeitstagen des Folgemonats verfügbar sein. Wo das nicht klappt, liegt die Ursache fast nie in der Buchhaltung selbst, sondern davor - bei Belegen, die spät erfasst werden, und Leistungen, die spät verrechnet werden. Der Beitrag zu langen Monatsabschlüssen geht dieser Kette nach.

Welche Finanzkennzahlen monatlich und welche quartalsweise auf den Führungstisch gehören

So sieht das in Odoo aus

Der entscheidende Punkt ist nicht die Auswertung, sondern woher ihre Daten kommen.

Weil Verkauf, Einkauf, Lager, Projekte und Buchhaltung in Odoo auf denselben Belegen arbeiten, entstehen die Zahlen im Tagesgeschäft statt in einer Nacherfassung. Der Auftragsbestand ergibt sich aus den bestätigten Verkaufsaufträgen, die Debitorenfrist aus den offenen Posten, der Deckungsbeitrag aus Erlösen und zugeordneten Kosten am selben Beleg. Wie die Buchhaltungsseite dabei aufgesetzt ist, beschreibt der Beitrag zu Buchhaltung mit Odoo.

Zwei ehrliche Einschränkungen. Erstens: Ein Deckungsbeitrag ist nur so gut wie die Kostenzuordnung dahinter - wer Zeiten und Material nicht am Auftrag erfasst, bekommt eine schöne Auswertung ohne Aussage. Zweitens: Eine Liquiditätsvorschau braucht gepflegte Zahlungsbedingungen und realistische Termine; das System rechnet, es rät nicht. Die passende Übersicht finden Sie unter Finanzen und Controlling.

Rhythmus und Verantwortung

Monatlich gehören Deckungsbeitrag, Liquiditätsvorschau, Debitorenfrist und Auftragsbestand auf den Tisch, die Personalkostenquote quartalsweise. Wichtiger als der Takt ist, dass jede Zahl einen Schwellenwert hat und jemanden, der handelt, wenn er gerissen wird.

Fünf Zahlen, ein fester Termin, eine zuständige Person: Das ist weniger Aufwand als die meisten Reportings, die heute gefahren werden - und es steuert deutlich mehr.

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Weiterführend: Themenwelt Finanzen & Controlling · Lösung Buchhaltung. Den nächsten Schritt machen Sie mit dem kostenlosen Projekt-Check.

Bruno Eggenberger, Geschäftsführer, Binadoo AG
Über den Autor
Bruno Eggenberger · Geschäftsführer, Binadoo AG

Bruno begleitet Schweizer KMU von der ersten Prozessfrage bis zum laufenden Odoo-Betrieb. Sein Fokus: Digitalisierung, die sich wirtschaftlich rechnet - ehrlich beraten, pragmatisch umgesetzt.

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