← Alle Artikel

Odoo optimierenOdoo erfolgreich einsetzen

Warum Odoo kein einmaliges Projekt ist

Viele Unternehmen behandeln die ERP-Einführung als Projekt mit Anfang und Ende: Go-live, Abnahme, fertig. Danach passiert erstaunlich wenig - und drei Jahre später ist das System weiter, als der Betrieb es nutzt. Was in der Betriebsphase wirklich anfällt, wer dafür zuständig sein muss und mit welchem Aufwand Sie rechnen sollten.

Bruno Eggenberger Geschäftsführer, Binadoo AG 8 Min. Lesezeit
Bildschirm mit den offenen Punkten eines laufenden Odoo-Betriebs

Der Go-live wird gefeiert, das Projektteam löst sich auf, die Rechnung ist bezahlt. Aus Sicht der Einführung ist alles richtig gelaufen. Und genau hier beginnt der Fehler, den wir in Übernahmen am häufigsten sehen: Das System läuft weiter, aber niemand ist mehr dafür zuständig, dass es besser wird.

Drei Jahre später sieht das so aus: Prozesse haben sich verändert, das System nicht. Neue Mitarbeitende arbeiten nach Anleitungen, die niemand mehr pflegt. Funktionen, die längst da wären, kennt niemand. Und die Geschäftsführung fragt sich, warum die Investition nicht mehr trägt.

💡

Kurz gesagt: Die Einführung ist ein Projekt, der Betrieb ist eine Aufgabe. Wer nach dem Go-live keine Verantwortlichkeit, keinen Rhythmus und kein Budget vorsieht, verliert den Vorsprung wieder - langsam und unbemerkt.

Was in der Betriebsphase tatsächlich anfällt

Es sind vier Arten von Arbeit, und keine davon verschwindet von selbst.

Pflege. Stammdaten veralten: Artikel, die es nicht mehr gibt, Kunden, die zweimal existieren, Preislisten aus dem Vorjahr. Das ist unspektakulär und entscheidet trotzdem darüber, ob Auswertungen etwas taugen.

Anpassung an Veränderung. Ein neuer Geschäftsbereich, ein zusätzlicher Standort, eine geänderte Verrechnungslogik. Das System muss dem folgen - sonst wird daneben in Excel gearbeitet, und genau dort beginnt der Rückweg zur Zettelwirtschaft.

Weiterentwicklung. Bei der Einführung wird bewusst nicht alles gemacht. Der zweite und dritte Schritt - Automatisierungen, weitere Bereiche, Auswertungen - bringen oft mehr Nutzen als der erste, weil die Grundlage schon steht. Wie viel dort liegen bleibt, beschreibt der Beitrag zu versteckten Odoo-Funktionen.

Wissen halten. Wer das System eingeführt hat, kennt es. Wer in drei Jahren dazukommt, nicht. Ohne bewusste Weitergabe sitzt das Wissen bei zwei Personen - und geht mit ihnen.

Vier Arten von Arbeit nach dem Go-live: Pflege, Anpassung an Veränderung, Weiterentwicklung und Wissen halten

Die Einführung ist ein Projekt. Der Betrieb ist eine Aufgabe - und Aufgaben brauchen einen Zuständigen.

Woran es in der Praxis scheitert

Es gibt keinen Zuständigen. Die häufigste Ursache. Nach dem Projekt fällt das System in ein Zuständigkeitsloch: Die IT fühlt sich für Server verantwortlich, die Fachbereiche für ihre Arbeit, niemand für das System als Ganzes.

Es gibt kein Budget. Für die Einführung wurde gerechnet, für den Betrieb nicht. Jede Verbesserung braucht dann eine eigene Rechtfertigung - und unterbleibt deshalb.

Es gibt keinen Rhythmus. Ohne festen Termin, an dem offene Punkte besprochen werden, entscheidet die Dringlichkeit. Und dringend ist immer etwas anderes.

Der Partner meldet sich nur bei Störungen. Wenn der Kontakt ausschliesslich über Tickets läuft, entsteht nie ein Gespräch darüber, was besser gehen könnte. Das ist keine böse Absicht, sondern eine Folge des Modells.

Was das für die Geschäftsführung heisst

Für die Führung ist das keine IT-Frage, sondern eine Investitionsfrage. Sie haben in ein System investiert, dessen Nutzen sich über Jahre verteilt - aber nur, wenn jemand ihn hebt.

Drei Dinge genügen, und sie kosten wenig:

Eine zuständige Person. Nicht zwingend eine Vollzeitrolle. Aber ein Name, der für das System als Ganzes steht, Anliegen sammelt und priorisiert - intern oft eine Person aus dem Fachbereich mit einem klaren Zeitbudget.

Ein fester Rhythmus. Ein Termin pro Quartal, an dem offene Punkte, geplante Änderungen und der Nutzen aus dem letzten Quartal besprochen werden. Eine Stunde reicht.

Ein Betriebsbudget. Ein kleiner, fest eingeplanter Betrag pro Jahr für Weiterentwicklung. Nicht für Störungen - dafür gibt es Support -, sondern für Verbesserungen, die niemand einzeln beantragen muss.

Drei Dinge, die für die Betriebsphase genügen: eine zuständige Person, ein fester Quartalsrhythmus und ein kleines Betriebsbudget

Was Odoo an dieser Frage ändert

Odoo macht die Betriebsphase nicht überflüssig, aber es senkt ihre Einstiegshürde an zwei Stellen.

Erstens durch den Zuschnitt der Einführung: Weil Bereiche schrittweise dazukommen können, ist der zweite Schritt kein neues Projekt, sondern eine Erweiterung auf derselben Grundlage - Stammdaten, Benutzer und Prozesse sind schon da. Das macht Weiterentwicklung finanziell und organisatorisch leichter als bei einer Einführung, die alles auf einmal setzt.

Zweitens durch den Versionsrhythmus: Odoo veröffentlicht regelmässig neue Hauptversionen. Das ist kein Zwang zum Mitgehen - aber es heisst, dass Sie sich einmal jährlich mit der Frage befassen sollten, was ein Wechsel brächte und was er kostet. Wie man das nüchtern einordnet, haben wir am Beispiel der Odoo-20-Vorschau gezeigt.

Was Odoo dagegen nicht abnimmt: die Frage der Zuständigkeit. Ein System, das niemandem gehört, verkommt in jeder Software gleich schnell. Wenn der Nutzen spürbar hinter den Erwartungen bleibt, lohnt der Blick in den Beitrag zu Odoo, das zu wenig bringt; technische Aspekte des Dauerbetriebs behandelt der Beitrag zu Performance und Wartbarkeit.

Fazit

Ein ERP ist keine Anschaffung, sondern eine Fähigkeit, die man pflegt. Der Unterschied zwischen Unternehmen, die nach fünf Jahren begeistert sind, und solchen, die über ihr System klagen, liegt selten in der Einführung - er liegt darin, was danach passiert ist.

Wenn Sie eine Sache aus diesem Beitrag mitnehmen: Benennen Sie eine zuständige Person und setzen Sie einen Quartalstermin. Das kostet fast nichts und entscheidet mehr als die Wahl des Systems.

🧭

Weiterführend: Themenwelt Odoo erfolgreich einsetzen · Lösung ERP. Den nächsten Schritt machen Sie mit dem kostenlosen Projekt-Check.

Bruno Eggenberger, Geschäftsführer, Binadoo AG
Über den Autor
Bruno Eggenberger · Geschäftsführer, Binadoo AG

Bruno begleitet Schweizer KMU von der ersten Prozessfrage bis zum laufenden Odoo-Betrieb. Sein Fokus: Digitalisierung, die sich wirtschaftlich rechnet - ehrlich beraten, pragmatisch umgesetzt.

Läuft Ihr Odoo, oder wird es auch weiterentwickelt?

Im kostenlosen Projekt-Check schauen wir uns Ihren Betrieb an - ehrlich, auch wenn wenig zu tun ist.

Erreichbarkeit Mo–Fr, 9:00–16:00 Uhr

Wir melden uns innerhalb von 24 Stunden bei Ihnen. Datenschutzhinweis

Odoo-Projekt besprechen