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MRP in Odoo verständlich erklärt

MRP ist einer der Begriffe, an denen Interessenten hängenbleiben. Dahinter steckt eine einfache Frage: Was muss wann bestellt oder gefertigt werden, damit der zugesagte Termin hält? Wie die Rechnung funktioniert, was sie voraussetzt und warum sie ohne gepflegte Stammdaten schadet.

Bruno Eggenberger Geschäftsführer, Binadoo AG 9 Min. Lesezeit
Bildschirm mit der Bedarfsrechnung in Zahlen: vier Eingaben, zwei Wege zum Bedarf, drei Voraussetzungen - und sie bestellt nicht selbst

MRP steht für Material Requirements Planning, auf Deutsch Materialbedarfsplanung - und es ist einer der Begriffe, an denen Interessenten in Gesprächen hängenbleiben. Dabei beantwortet die Rechnung dahinter eine ausgesprochen praktische Frage:

Was muss wann bestellt oder gefertigt werden, damit der zugesagte Termin hält?

Diese Frage beantwortet jeder Fertigungsbetrieb ohnehin - meist im Kopf der Person, die den Überblick hat. MRP ist der Versuch, sie nachvollziehbar und wiederholbar zu beantworten.

Was die Rechnung tut

Die Bedarfsrechnung vergleicht vier Grössen und leitet daraus Vorschläge ab:

  • Der Bedarf - was aus Kundenaufträgen, Prognosen oder Mindestbeständen benötigt wird
  • Der Bestand - was tatsächlich verfügbar ist, also nicht bereits für andere Aufträge reserviert
  • Die offenen Bestellungen - was unterwegs ist und wann es ankommt
  • Die Wiederbeschaffungszeiten - wie lange Beschaffung oder Fertigung je Artikel dauert

Aus dem Abgleich entstehen zwei Arten von Vorschlägen: Bestellvorschläge für Zukaufteile und Fertigungsvorschläge für selbst hergestellte Teile. Bei mehrstufigen Stücklisten läuft die Rechnung durch alle Ebenen - der Bedarf an einer Baugruppe erzeugt Bedarf an ihren Einzelteilen, jeweils zeitlich rückwärts gerechnet vom Termin.

Das Ergebnis ist eine Liste mit Datum: nicht nur was fehlt, sondern wann es bestellt werden muss, damit es rechtzeitig da ist.

MRP: Die vier Eingaben der Bedarfsrechnung - Bedarf, Bestand, offene Bestellungen und Wiederbeschaffungszeiten
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Kurz gesagt: MRP rechnet aus, was wann bestellt oder gefertigt werden muss, damit ein Termin hält. Die Rechnung ist unspektakulär - ihr Wert hängt vollständig an der Qualität der Stammdaten. Mit falschen Wiederbeschaffungszeiten und ungepflegten Stücklisten liefert sie schnellere falsche Vorschläge.

Zwei Wege, wie Bedarf entsteht

In Odoo wird je Artikel festgelegt, wodurch ein Bedarf ausgelöst wird - und das ist die wichtigste Konfigurationsentscheidung überhaupt.

Auftragsbezogen. Der Bedarf entsteht aus dem Kundenauftrag und wird durch die Stückliste nach unten gereicht. Passend für kundenspezifische Produkte und hohe Variantenvielfalt. Kein Lagerrisiko, dafür liegt die Wiederbeschaffungszeit vollständig in der Lieferfrist.

Über Mindestbestand. Unterschreitet der Bestand eine hinterlegte Menge, entsteht ein Vorschlag - unabhängig vom einzelnen Kundenauftrag. Passend für Standardteile mit planbarem Verbrauch. Kurze Lieferzeit, dafür gebundenes Kapital.

Die meisten Schweizer KMU brauchen beides nebeneinander: Normteile und Halbzeuge über Mindestbestand, kundenspezifische Baugruppen auf Auftrag. Wer alle Artikel gleich behandelt, produziert entweder unnötige Lagerbestände oder unnötig lange Lieferzeiten.

Was die Rechnung voraussetzt

Hier liegt der Punkt, der über Erfolg oder Enttäuschung entscheidet. MRP ist eine Rechnung - sie ist genau so gut wie ihre Eingaben. Drei Dinge müssen stimmen:

Die Stücklisten. Was tatsächlich verbaut wird, inklusive Verschnitt und Ersatzteilen. Eine Stückliste, die den realen Verbrauch nicht abbildet, erzeugt systematisch zu kleine Bestellvorschläge. Was dazugehört, steht in Was ist eine Stückliste?.

Die Wiederbeschaffungszeiten. Nicht die Wunschzeit, sondern die tatsächliche - inklusive Wareneingangsprüfung. Eine um eine Woche zu kurz hinterlegte Lieferzeit macht jeden Vorschlag eine Woche zu spät.

Die Bestände. Der rechnerische Bestand muss dem tatsächlichen entsprechen. Inventurdifferenzen, Material an nicht erfassten Orten und Reservierungen, die niemand pflegt, führen dazu, dass die Rechnung Teile für vorhanden hält, die es nicht gibt - der teuerste Fehler in der Fertigung, siehe Materialverfügbarkeit sicherstellen.

MRP in Odoo: Die drei Voraussetzungen Stücklisten, Wiederbeschaffungszeiten und Bestände

Warum MRP nicht automatisch bestellt

Ein verbreitetes Missverständnis: MRP löst keine Bestellungen aus, sondern erzeugt Vorschläge. Ein Mensch bestätigt sie - und das ist richtig so.

Die Rechnung kennt den Rahmenvertrag nicht, den der Einkauf gerade verhandelt. Sie weiss nicht, dass ein Lieferant Werksferien hat. Sie kann nicht beurteilen, ob es sich lohnt, zwei Vorschläge zu einer grösseren Bestellung zusammenzufassen. Diese Entscheidungen bleiben beim Einkauf; die Rechnung bereitet sie vor.

MRP ersetzt die Person, die den Überblick hat, nicht. Es macht ihren Überblick nachvollziehbar - und unabhängig von ihrer Anwesenheit.

Wo die Grenze liegt

MRP plant Mengen und Termine, keine Maschinenbelegung im Minutentakt. Wer eine echte Feinplanung braucht - optimale Reihenfolge über Rüstzeiten, Werkzeugwechsel und Losgrössen -, braucht dafür ein spezialisiertes System. Odoo deckt die Grobplanung im Tages- und Wochenraster ab, und das reicht für die grosse Mehrheit produzierender KMU.

Ebenso rechnet MRP nicht mit Wahrscheinlichkeiten. Es nimmt die hinterlegten Zeiten als gegeben - ein Lieferant, der regelmässig eine Woche zu spät liefert, muss mit seiner realen Zeit hinterlegt sein, sonst rechnet die Planung dauerhaft falsch. Was Odoo in der Fertigung insgesamt leistet und wo der Standard endet, steht in Produktion mit Odoo.

MRP: Was die Bedarfsrechnung leistet und was Aufgabe eines Feinplanungssystems bleibt

Der erste Schritt

Vor der ersten Bedarfsrechnung steht die Stammdatenarbeit - und sie ist in fast jedem Projekt der grösste Aufwand. Stücklisten prüfen, Wiederbeschaffungszeiten mit dem Einkauf realistisch festlegen, Bestände bereinigen.

Das klingt nach dem langweiligsten Teil, und das ist es auch. Es ist zugleich der Teil, der darüber entscheidet, ob die Vorschläge nach drei Monaten noch gelesen oder routinemässig weggeklickt werden.

Fazit

MRP beantwortet, was wann bestellt oder gefertigt werden muss, damit ein Termin hält. Die Rechnung selbst ist einfach; ihr Wert hängt vollständig an Stücklisten, Wiederbeschaffungszeiten und Beständen.

Wer diese drei im Griff hat, bekommt eine belastbare Beschaffungsplanung, die nicht mehr am Gedächtnis einer einzelnen Person hängt. Wer sie nicht im Griff hat, bekommt dieselben Fehler wie vorher - nur schneller und mit mehr Nachkommastellen.

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Bruno Eggenberger, Geschäftsführer, Binadoo AG
Über den Autor
Bruno Eggenberger · Geschäftsführer, Binadoo AG

Bruno begleitet Schweizer KMU von der ersten Prozessfrage bis zum laufenden Odoo-Betrieb. Sein Fokus: Digitalisierung, die sich wirtschaftlich rechnet - ehrlich beraten, pragmatisch umgesetzt.

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