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BeratungProduktion

Was ist eine Stückliste?

Bevor ein einziges Teil gefertigt wird, muss ein Unternehmen wissen, woraus das Produkt eigentlich besteht. Genau das legt die Stückliste fest - die Grundlage jeder Materialplanung. Was eine Stückliste ist, welche Arten es gibt und warum ihre Pflege über die Wirtschaftlichkeit der Fertigung entscheidet.

Bruno Eggenberger Geschäftsführer, Binadoo AG 7 Min. Lesezeit
Bildschirm mit einer Stücklisten-Baumstruktur aus Formen und Linien, ohne Beschriftung

Bevor ein einziges Teil gefertigt wird, muss ein Unternehmen eine einfache, aber grundlegende Frage beantworten können: Woraus besteht das Produkt eigentlich? Diese Antwort liefert die Stückliste - auf Englisch Bill of Materials, kurz BOM.

Definition: Was eine Stückliste festlegt

Eine Stückliste ist ein strukturiertes Verzeichnis aller Komponenten, Baugruppen und Mengen, die für die Herstellung eines Produkts benötigt werden. Sie beantwortet drei Fragen auf einmal:

  • Was wird gebraucht - welche Rohmaterialien, Einzelteile und Baugruppen
  • Wie viel davon - die Menge je Einheit des fertigen Produkts
  • In welcher Struktur - welche Teile zu welcher Baugruppe gehören, bevor diese wiederum ins Endprodukt einfliesst

Eine Stückliste ist damit kein einfaches Einkaufsverzeichnis, sondern eine hierarchische Struktur: Ein Fahrrad besteht nicht nur aus Schrauben und Rohren, sondern aus Baugruppen wie Rahmen, Antrieb und Bremsen, die ihrerseits wieder aus Einzelteilen bestehen.

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Kurz gesagt: Die Stückliste ist die Stammdaten-Grundlage der Fertigung. Ohne sie lässt sich weder Material zuverlässig disponieren noch die Herstellkosten eines Produkts sauber berechnen.

Einstufig oder mehrstufig

Stücklisten unterscheiden sich vor allem darin, wie tief sie die Produktstruktur abbilden:

  • Einstufige Stückliste - listet nur die direkten Bestandteile eines Produkts auf, ohne deren eigene Unterstruktur weiter aufzuschlüsseln
  • Mehrstufige Stückliste - bildet die vollständige Hierarchie ab: Baugruppen, ihre Unterbaugruppen und bis hinunter zum Einzelteil

Je komplexer ein Produkt, desto wichtiger wird die mehrstufige Sicht - sie zeigt zum Beispiel, dass ein bestimmtes Schräubchen gleich in drei verschiedenen Baugruppen verwendet wird, was bei einer Lieferantenänderung sofort auffällt.

Einstufige und mehrstufige Stückliste im Vergleich: Einstufig zeigt nur direkte Bestandteile, mehrstufig die vollständige Hierarchie inklusive Mehrfachverwendung

Drei Arten von Stücklisten - je nach Zweck

Nicht jede Stückliste dient demselben Ziel. In der Praxis begegnen einem KMU meist drei Varianten:

  • Konstruktionsstückliste - aus der Produktentwicklung, orientiert sich an der technischen Struktur des Produkts
  • Fertigungsstückliste - orientiert sich am tatsächlichen Produktionsablauf und enthält oft zusätzliche Positionen wie Hilfsstoffe oder Verpackung
  • Vertriebsstückliste - beschreibt, was der Kunde kauft, unabhängig davon, wie es intern gefertigt wird - relevant etwa bei Sets oder Bausätzen

Diese drei Sichten auf dasselbe Produkt zu pflegen, ohne dass sie auseinanderlaufen, ist eine der grössten Herausforderungen in wachsenden Fertigungsbetrieben.

Drei Arten von Stücklisten: Konstruktionsstückliste, Fertigungsstückliste und Vertriebsstückliste als unterschiedliche Sichten auf dasselbe Produkt

Eine Stückliste ist kein Einkaufsverzeichnis - sie ist eine hierarchische Struktur, die festlegt, welche Teile zu welcher Baugruppe gehören.

Warum Stücklisten über Wirtschaftlichkeit entscheiden

Für die Geschäftsführung ist die Stückliste selten sichtbar - ihre Auswirkungen sind es umso mehr:

  • Materialplanung basiert vollständig auf der Stückliste: Ohne korrekte Mengen wird entweder zu viel Kapital in Lagerbestand gebunden oder es kommt zu Fertigungsstopps wegen fehlendem Material
  • Herstellkosten lassen sich nur berechnen, wenn die Stückliste sämtliche Komponenten und deren aktuelle Preise korrekt abbildet
  • Varianten und Änderungen - ein neues Bauteil, ein Lieferantenwechsel, eine technische Anpassung - müssen zuverlässig in alle betroffenen Stücklisten einfliessen, sonst entstehen falsche Angebote oder falsch bestelltes Material

Eine veraltete Stückliste ist damit keine kleine Unsauberkeit in den Stammdaten, sondern ein Risiko, das sich in jede nachgelagerte Entscheidung fortpflanzt - von der Einkaufsdisposition bis zur Kalkulation.

Wie Odoo Stücklisten aktuell hält

Genau das Risiko veralteter Stücklisten adressiert die Fertigungs-App von Odoo, indem sie die Stückliste nicht als separates Dokument führt, sondern als lebendige Datenbasis, auf die Kalkulation, Materialplanung und Fertigungsauftrag direkt zugreifen: Ändert sich ein Bauteil, wirkt sich das sofort auf alle abhängigen Bereiche aus, statt in einer Excel-Liste unbemerkt zu veralten. Einen Überblick über die wichtigsten Odoo-Apps für produzierende KMU gibt der Beitrag Die wichtigsten Odoo-Apps für Schweizer KMU.

Fazit

Die Stückliste ist der zentrale Grundbegriff der Fertigung: Sie legt fest, woraus ein Produkt besteht, in welcher Menge und in welcher Struktur. Wer Materialplanung, Kalkulation oder Variantenverwaltung im Griff haben will, kommt an einer sauber gepflegten Stückliste nicht vorbei - sie ist die Voraussetzung, nicht die Kür.

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Bruno Eggenberger, Geschäftsführer, Binadoo AG
Über den Autor
Bruno Eggenberger · Geschäftsführer, Binadoo AG

Bruno begleitet Schweizer KMU von der ersten Prozessfrage bis zum laufenden Odoo-Betrieb. Sein Fokus: Digitalisierung, die sich wirtschaftlich rechnet - ehrlich beraten, pragmatisch umgesetzt.

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