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Beratung

Prozessaufnahme im KMU: so machen Sie Abläufe sichtbar

Die meisten Digitalisierungsprojekte beginnen mit der falschen Frage: "Welche Software passt zu uns?" Die richtige erste Frage lautet: "Wie arbeiten wir eigentlich wirklich?" Ein pragmatisches Vorgehen, wie Sie die Abläufe in Ihrem KMU sichtbar machen - in vier Schritten, ohne komplexe Notation und ohne Wochen zu verlieren.

Bruno Eggenberger Geschäftsführer, Binadoo AG 7 Min. Lesezeit
Bildschirm mit einer einfachen Ablaufdarstellung: Anfrage, Bearbeitung, Übergabe und Abschluss als vier Kästchen, die Übergabe an die Abwicklung als Stelle markiert, an der es hakt

Fragt man ein KMU, das über ein neues System nachdenkt, womit es beginnt, kommt fast immer dieselbe Antwort: mit einer Softwareauswahl. Anbieter vergleichen, Demos ansehen, Referenzen einholen. Was dabei übersprungen wird, ist die eigentlich erste Frage: Wie arbeiten wir heute tatsächlich?

Diese Frage lässt sich nicht aus dem Organigramm oder der Stellenbeschreibung beantworten. Sie braucht einen eigenen Schritt - die Prozessaufnahme. Er kostet wenig Zeit, verhindert aber die teuersten Fehler jedes Digitalisierungsprojekts.

Warum die Softwareauswahl nicht der erste Schritt ist

Software bildet ab, was Sie ihr vorgeben. Kennen Sie Ihren tatsächlichen Ablauf nicht, kann auch die beste Software ihn nicht richtig unterstützen - sie digitalisiert dann entweder ein Wunschbild, das niemand lebt, oder ein Chaos, das vorher schon existierte.

Der Grundsatz dahinter ist einfach: Prozesse kommen vor Software. Erst wenn klar ist, was wirklich passiert - inklusive der Umwege, Rückfragen und Sonderfälle -, lässt sich sinnvoll entscheiden, was ein System leisten muss und was nicht.

Eine Software, die einen unklaren Prozess abbildet, macht das Chaos nicht kleiner - nur digital und schneller.

Was passiert, wenn Sie diesen Schritt überspringen

Die Folgen zeigen sich meist erst mitten im Projekt. Anforderungen ändern sich laufend, weil erst während der Umsetzung auffällt, wie ein Ablauf tatsächlich funktioniert. Die Geschäftsleitung geht von einem Soll-Zustand aus, den die Mitarbeitenden gar nicht so kennen. Und am Ende entsteht ein System, das zwar korrekt gebaut ist, aber am echten Alltag vorbeigeht - mit allen Folgekosten für Anpassungen, Schulung und Akzeptanz. Wie stark ungeklärte Grundlagen ein Projekt schon vor dem eigentlichen Start gefährden, zeigt der Beitrag Warum ein ERP-Projekt bereits vor Projektbeginn scheitern kann.

Ein pragmatisches Vorgehen in vier Schritten

Eine Prozessaufnahme muss keine Wochen dauern und keine eigene Methodenausbildung voraussetzen. Für die meisten KMU-Abläufe reichen vier Schritte.

Vier Schritte der Prozessaufnahme: Beteiligte einbeziehen statt am Schreibtisch zu vermuten, den Ablauf tatsächlich durchgehen, Übergaben zwischen Zuständigkeiten markieren, und sichtbar machen, wo Zeit und Marge verloren gehen.

Beteiligte einbeziehen. Nicht die Führung beschreibt den Prozess, sondern die Personen, die ihn täglich ausführen. Sie kennen die Ausnahmen, die Umwege und die stillen Workarounds, die in keiner Dokumentation stehen.

Den Ablauf tatsächlich durchgehen. Schritt für Schritt verfolgen, was wirklich passiert - vom Auslöser bis zum Abschluss. Nicht, was im Organigramm stehen sollte, sondern was am Montagmorgen tatsächlich getan wird.

Übergaben markieren. Genau dort, wo eine Aufgabe die Zuständigkeit wechselt - vom Verkauf zur Abwicklung, von der Beratung zum Service -, gehen die meisten Informationen verloren. Diese Übergänge verdienen besondere Aufmerksamkeit.

Zeitverluste sichtbar machen. Wo wird gewartet, gesucht oder etwas zweimal erfasst? Diese Stellen zeigen, wo eine spätere Digitalisierung den grössten Hebel hat - und wo sich der Aufwand am wenigsten lohnt.

Wie einfach das aussehen darf

Ein verbreitetes Missverständnis: Eine Prozessaufnahme brauche eine vollständige Notation mit Dutzenden Symbolen. Für den Einstieg gilt das Gegenteil. Wer versucht, jeden Sonderfall in einem einzigen, perfekten Diagramm abzubilden, verliert sich in der Methode statt im Verständnis - und niemand ausser der Autorin oder dem Autor kann das Ergebnis noch lesen.

Gegenüberstellung: Links ein unübersichtliches Geflecht aus vielen Symbolen und Verbindungen, das niemand mehr durchschaut. Rechts ein einfacher Ablauf aus drei Kästchen - Anfrage, Bearbeitung, Übergabe -, der zeigt, wer was macht und wo es hakt.

Für den Start reicht eine Seite mit einfachen Kästchen und Pfeilen: Wer macht was, wo geht die Aufgabe weiter, wo hakt es. Diese Fassung kann jede beteiligte Person lesen und korrigieren - genau das macht sie brauchbar. Mehr Detail lohnt sich erst dort, wo später tatsächlich digitalisiert oder automatisiert wird.

Typische Fehler

Aus unseren Projekten wiederholen sich drei Fehler, die eine Prozessaufnahme unnötig verlangsamen oder ihren Wert mindern.

Drei typische Fehler bei der Prozessaufnahme und die bessere Alternative: Zu viel Detail von Anfang an statt erst grob und bei Bedarf vertiefen; zu früh auf ein Tool fixiert statt erst den Ablauf zu verstehen; nur eine Perspektive befragt statt alle Beteiligten entlang des Ablaufs einzubeziehen.
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Kurz gesagt: Eine Prozessaufnahme muss nicht vollständig sein, um nützlich zu sein. Sie muss ehrlich sein - und von den Personen stammen, die den Ablauf tatsächlich ausführen.

Wann eine vollständige Aufnahme übertrieben ist

Zur ehrlichen Einordnung gehört auch, wann sich der Aufwand nicht lohnt. Betrifft ein Problem nur eine einzelne, klar umrissene Tätigkeit - zum Beispiel, wie eine Person eine bestimmte Liste pflegt -, braucht es keine strukturierte Aufnahme. Ein kurzes Gespräch reicht. Eine vollständige Prozessaufnahme lohnt sich dort, wo mehrere Personen oder Abteilungen zusammenarbeiten und wo Übergaben, Wartezeiten oder Doppelerfassungen tatsächlich Umsatz oder Marge kosten.

Der nächste Schritt

Die Prozessaufnahme ist kein einmaliges Projekt, sondern der Ausgangspunkt für jede weitere Entscheidung - ob Standardisierung, Digitalisierung oder Automatisierung folgen soll. Ohne dieses Fundament bleibt jede Softwareentscheidung eine Vermutung.

Wenn Sie diesen Schritt nicht allein gehen möchten: Im kostenlosen Projekt-Check schauen wir gemeinsam auf Ihre Abläufe - und sagen ehrlich, wo sich der nächste Schritt lohnt und wo nicht.

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Den nächsten Schritt machen Sie mit dem kostenlosen Projekt-Check.

Bruno Eggenberger, Geschäftsführer, Binadoo AG
Über den Autor
Bruno Eggenberger · Geschäftsführer, Binadoo AG

Bruno begleitet Schweizer KMU von der ersten Prozessfrage bis zum laufenden Odoo-Betrieb. Sein Fokus: Digitalisierung, die sich wirtschaftlich rechnet - ehrlich beraten, pragmatisch umgesetzt.

Kennen Sie Ihre Abläufe wirklich?

Im kostenlosen Projekt-Check schauen wir uns gemeinsam an, wo in Ihren Prozessen Zeit und Transparenz verloren gehen - bevor über Software gesprochen wird.

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