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BeratungCRM & Vertrieb

Ab wann braucht ein KMU ein CRM?

"Sind wir dafür schon gross genug?" ist die häufigste Frage vor einem CRM-Projekt - und die falsche. Nicht die Mitarbeiterzahl entscheidet, ob sich ein CRM lohnt, sondern drei Faktoren: wie viele Verkaufschancen gleichzeitig offen sind, wie viele Personen sich daran beteiligen und was eine vergessene Anfrage kostet. Ein pragmatischer Test - und die ehrlichen Fälle, in denen sich ein CRM noch nicht lohnt.

Bruno Eggenberger Geschäftsführer, Binadoo AG 6 Min. Lesezeit
Bildschirm mit der Liste offener Verkaufschancen: Firma, Auftragswert, Tage offen und Status - zwei Zeilen sind farblich als

“Sind wir dafür schon gross genug?” Diese Frage hören wir in fast jedem Erstgespräch über ein CRM - meist noch vor der Frage, was ein CRM überhaupt leistet. Sie ist gut gemeint, aber falsch gestellt: Die Mitarbeiterzahl sagt wenig darüber aus, ob sich ein CRM lohnt.

Wir kennen Fünf-Personen-Betriebe, die längst eines brauchen, und Vierzig-Personen-Unternehmen, die noch gut ohne auskommen. Entscheidend ist nicht, wie gross ein Unternehmen ist, sondern wie sein Verkauf tatsächlich funktioniert.

Die Mitarbeiterzahl ist die falsche Frage

Der Grund, warum die Grösse in die Irre führt: Ein Zwei-Personen-Verkaufsteam mit zwanzig gleichzeitig offenen Verkaufschancen hat ein anderes Problem als eine zwanzigköpfige Aussendienstmannschaft, bei der jeder seine fünf Stammkunden persönlich kennt. Die zweite Situation braucht kein CRM - die erste dringend.

Was zählt, sind drei Faktoren, die sich unabhängig von der Unternehmensgrösse ausprägen: wie viel gleichzeitig läuft, wie viele Personen daran beteiligt sind und was eine verlorene Anfrage kostet.

Drei Faktoren, die wirklich entscheiden

Volumen: Wie viele Verkaufschancen sind gleichzeitig offen? Solange eine Handvoll Anfragen im Kopf oder auf einem Blatt Papier Platz hat, braucht es kein System. Sobald regelmässig mehr als zehn bis fünfzehn Vorgänge gleichzeitig laufen, wird das Gedächtnis zum Flaschenhals - unabhängig davon, wie gut es ist.

Komplexität: Wie viele Personen sind am Verkauf beteiligt? Verkauft eine einzelne Person alles selbst, von der Anfrage bis zum Abschluss, reicht eine persönliche Ordnung meist aus. Sobald zwei oder mehr Personen denselben Kunden betreuen, dieselbe Anfrage bearbeiten oder sich bei Ferien und Krankheit vertreten müssen, braucht es einen gemeinsamen Stand - den nur ein System liefert.

Risiko: Was kostet eine vergessene Anfrage? Bei einem Auftragswert von wenigen hundert Franken verschmerzt ein KMU eine vergessene Nachfrage. Bei Aufträgen im fünf- oder sechsstelligen Bereich, oder wenn ein verlorener Kunde über Jahre wiederkehrenden Umsatz bedeutet, wiegt jede vergessene Chance ungleich schwerer.

Drei Faktoren für die CRM-Entscheidung: Volumen (mehr als zehn bis fünfzehn gleichzeitig offene Verkaufschancen), Komplexität (mehr als eine Person am Verkauf beteiligt) und Risiko (hoher Auftragswert oder wiederkehrender Umsatz). Treffen mindestens zwei der drei zu, lohnt sich ein CRM.

Treffen mindestens zwei dieser drei Punkte zu, überwiegt der Nutzen eines CRM die Umstellung fast immer. Trifft nur einer zu, lohnt sich meist noch eine einfachere Lösung.

Nicht die Unternehmensgrösse entscheidet, sondern ob eine einzelne Person den Überblick noch zuverlässig im Kopf behält.

Wann sich ein CRM noch nicht lohnt

Zur ehrlichen Einordnung gehört auch das Gegenteil. In drei Situationen raten wir eher ab - oder zumindest zum Zuwarten:

  • Eine Person verkauft alles selbst und kennt jeden Kunden persönlich. Solange kein zweiter Kopf denselben Stand braucht, ersetzt ein CRM nur ein funktionierendes Gedächtnis durch Datenpflege.
  • Weniger als zehn Anfragen pro Monat, ohne absehbares Wachstum. Der Aufwand für Einführung und laufende Pflege übersteigt den Nutzen, solange das Volumen klein bleibt.
  • Der Verkaufsprozess selbst ist ungeklärt. Wenn niemand sagen kann, was nach einer Anfrage passiert, wer sie bearbeitet und wann nachgefasst wird, bildet ein CRM dieses Chaos nur digital ab. Zuerst klären, was der Prozess sein soll - dann über Software sprechen. Was das im Detail bedeutet, steht im Beitrag Was ein CRM für ein KMU wirklich leistet.
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Kurz gesagt: Zwei von drei Faktoren - Volumen, Komplexität, Risiko - treffen zu? Dann ist der Zeitpunkt da. Ist der Verkaufsprozess dabei noch ungeklärt, kommt die Prozessfrage zuerst.

Der pragmatische Test

Wenn Sie unsicher sind, beantworten Sie drei Fragen ehrlich:

  1. Könnten Sie heute, aus dem Kopf, jede offene Verkaufschance mit ihrem Stand nennen - oder brauchen Sie dafür schon eine Liste, ein Notizbuch oder mehrere E-Mail-Ordner?
  2. Wenn die zuständige Person zwei Wochen ausfällt, kann jemand anderes nahtlos übernehmen - oder geht dabei Wissen verloren?
  3. Wie oft kommt es vor, dass eine Anfrage schlicht vergessen wird, weil sie zwischen Postfach, Zuruf und gutem Willen verloren geht?

Zweimal “Nein” oder “kommt vor” ist ein deutliches Signal. Der Verkauf ist bereits komplexer, als eine einzelne Person zuverlässig überblicken kann - unabhängig davon, wie viele Mitarbeitende auf der Lohnliste stehen.

Selbsttest mit drei Fragen: Können Sie jede offene Verkaufschance aus dem Kopf nennen? Kann bei Ausfall jemand nahtlos übernehmen? Wie oft wird eine Anfrage vergessen? Zweimal Nein oder "kommt vor" spricht für ein CRM.

Der nächste Schritt

Fällt der Test bei Ihnen positiv aus, lohnt sich der Blick auf das, was ein CRM konkret verändert - nachzulesen im Beitrag Was ein CRM für ein KMU wirklich leistet. Wer zuerst wissen will, mit welchen Kosten zu rechnen ist, findet die Einordnung unter Was kostet ein CRM? Kostenrahmen für Schweizer KMU.

Und wenn Sie sich bei der Einschätzung nicht allein festlegen möchten: Im kostenlosen Projekt-Check schauen wir gemeinsam auf Ihren Verkaufsalltag - und sagen ehrlich, ob der Zeitpunkt stimmt. Mehr zu unserer Arbeit in diesem Bereich zeigt die Lösungsseite Verkauf & Kundenprozesse.

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Weiterführend: Themenwelt CRM & Vertrieb · Lösung CRM. Den nächsten Schritt machen Sie mit dem kostenlosen Projekt-Check.

Bruno Eggenberger, Geschäftsführer, Binadoo AG
Über den Autor
Bruno Eggenberger · Geschäftsführer, Binadoo AG

Bruno begleitet Schweizer KMU von der ersten Prozessfrage bis zum laufenden Odoo-Betrieb. Sein Fokus: Digitalisierung, die sich wirtschaftlich rechnet - ehrlich beraten, pragmatisch umgesetzt.

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