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BeratungFinanzen & Controlling

Mit Zahlen bessere Entscheidungen treffen

Zahlen entscheiden nicht. Sie grenzen ein, was vernünftig ist - und wer sie anders einsetzt, bekommt entweder Scheinsicherheit oder eine Vertagung.

Bruno Eggenberger Geschäftsführer, Binadoo AG 8 Min. Lesezeit
Bildschirm mit Entscheidungsgrundlage: Varianten mit Auswirkung auf Ergebnis und Liquidität

Die Erwartung an Kennzahlen ist oft zu gross. Sie sollen Entscheidungen abnehmen: Wenn die Zahlen klar genug sind, ergibt sich die richtige Wahl von selbst.

Das passiert selten. Zahlen sagen, was war und mit welcher Wahrscheinlichkeit etwas wieder eintritt. Über die Zukunft entscheidet trotzdem jemand - und die Kunst liegt darin, Zahlen so einzusetzen, dass diese Entscheidung schärfer wird statt aufgeschoben.

Entscheiden mit Zahlen: Vier Fragen, bevor Daten gesammelt werden

Vier Fragen, bevor Daten gesammelt werden

Was genau wird entschieden? Nicht “wir schauen uns die Produktgruppe an”, sondern “wir entscheiden bis Ende Monat, ob Produktgruppe C weitergeführt wird”. Ohne diese Präzisierung ist jede Zahl interessant und keine relevant.

Welche Zahl würde die Entscheidung ändern? Die wichtigste der vier Fragen. Wenn keine denkbare Zahl das Ergebnis ändern würde, ist die Entscheidung bereits gefallen - dann ist die Analyse eine Beschäftigung.

Bis wann muss entschieden sein? Die verfügbare Zeit begrenzt die zulässige Analysetiefe. Eine perfekte Grundlage nach der Frist ist wertlos.

Was passiert, wenn wir falsch liegen? Umkehrbare Entscheidungen brauchen wenig Grundlage und schnelles Handeln. Nicht umkehrbare brauchen mehr - aber auch dort gilt: mehr, nicht alles.

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Kurz gesagt: Die entscheidende Frage lautet nicht "welche Zahlen haben wir?", sondern "welche Zahl würde meine Entscheidung ändern?". Alles, was diese Frage nicht beantwortet, ist Aufwand ohne Wirkung.

Drei Fehler im Umgang mit Zahlen

Der Durchschnitt als Aussage. Eine durchschnittliche Marge von 22 Prozent kann bedeuten, dass alle Aufträge bei 22 liegen - oder die Hälfte bei 40 und die andere bei 4. Für jede Entscheidung ist der zweite Fall völlig anders zu behandeln. Deshalb: Verteilung anschauen, nicht nur den Mittelwert.

Vergangenheit als Prognose. Dass ein Produkt drei Jahre lang gewachsen ist, sagt wenig über das vierte. Zahlen aus der Vergangenheit sind gute Ausgangspunkte und schlechte Fortschreibungen.

Sicherheit vortäuschen. Eine Kalkulation mit zwei Nachkommastellen auf einer Annahme, die um dreissig Prozent daneben liegen kann, ist irreführend. Ehrlicher ist eine Bandbreite: Wenn es gut läuft, wenn es normal läuft, wenn es schlecht läuft.

Die Bandbreite statt der Punktschätzung

Der praktisch wirksamste Wechsel in KMU-Entscheidungen. Statt einer Zahl - “die Investition amortisiert sich in 3.2 Jahren” - drei Szenarien mit den jeweiligen Annahmen.

Der Nutzen liegt weniger im Ergebnis als im Gespräch. Wer die Annahmen benennt, macht sie diskutierbar. Und meistens zeigt sich, dass eine einzelne Annahme das Ergebnis dominiert - zum Beispiel die Auslastung einer neuen Maschine. Dann ist klar, worüber tatsächlich zu sprechen ist.

Entscheiden mit Zahlen: Drei Szenarien statt einer Punktschätzung

Was der schlechteste Fall aushalten muss

Bei jeder grösseren Entscheidung gehört eine Frage dazu, die nichts mit Rendite zu tun hat: Was passiert mit der Liquidität, wenn das schlechte Szenario eintritt?

Eine Investition, die sich rechnet, aber im schlechten Fall die Reichweite der flüssigen Mittel unter vier Wochen drückt, ist unabhängig von ihrer Rendite die falsche Entscheidung. Dieser Zusammenhang ist in Cashflow verstehen und richtig steuern beschrieben.

Eine Entscheidung, die im guten Fall gewinnt und im schlechten Fall das Unternehmen kostet, ist keine Chance. Sie ist eine Wette mit ungleichem Einsatz.

Wann Zahlen nicht helfen

Es gibt Entscheidungen, bei denen die Datenlage grundsätzlich dünn bleibt: ein neues Geschäftsfeld, eine Nachfolgeregelung, eine strategische Neuausrichtung. Hier führt der Versuch, sie zahlengestützt abzusichern, zu monatelanger Verzögerung mit Scheingenauigkeit.

Der bessere Umgang: die Entscheidung klein und umkehrbar machen. Ein begrenzter Versuch mit definiertem Budget und einem festen Auswertungszeitpunkt liefert in drei Monaten belastbarere Zahlen als jede Vorabanalyse.

Nach der Entscheidung: der Abgleich

Der Schritt, der in KMU fast immer fehlt und über die Jahre den grössten Unterschied macht. Sechs oder zwölf Monate nach einer grösseren Entscheidung wird verglichen: Was war angenommen, was ist eingetreten?

Nicht, um jemandem etwas nachzuweisen, sondern um die eigenen Annahmen zu kalibrieren. Betriebe, die das dreimal gemacht haben, schätzen deutlich realistischer - und sie erkennen, in welche Richtung sie systematisch danebenliegen.

Was sich mit Odoo daran ändert

Der praktische Engpass bei Entscheidungen im KMU ist selten das Denken. Es ist die Frage, ob die Zahl innerhalb der verfügbaren Zeit überhaupt beschaffbar ist. Wer für den Deckungsbeitrag einer Produktgruppe drei Tage Auswertungsarbeit braucht, entscheidet ohne ihn.

Wenn Verkauf, Einkauf, Lager, Zeiterfassung und Buchhaltung dieselben Daten benutzen, verschiebt sich das: Marge je Kunde, Umsatzentwicklung je Produktgruppe, Auslastung, Auftragsbestand sind Ansichten statt Projekte. Damit wird aus “wir haben die Zahlen nicht” ein “wir haben sie in zehn Minuten” - und erst dann lohnt sich die Disziplin der vier Fragen.

Ebenso wichtig ist der Abgleich danach: Weil die Daten historisch vorliegen, ist der Vergleich von Annahme und Eintritt kein Rekonstruktionsprojekt. Welche Auswertungen dafür regelmässig gebraucht werden, steht in Welche Reports die Geschäftsleitung wirklich braucht.

Fazit

Bessere Entscheidungen entstehen nicht aus mehr Zahlen, sondern aus vier Fragen vorab, aus Bandbreiten statt Punktschätzungen, aus einem Blick auf den schlechtesten Fall und aus einem ehrlichen Abgleich danach.

Wer nur eine Gewohnheit ändern will, nimmt die zweite Frage: Welche Zahl würde meine Entscheidung ändern? Sie beendet die meisten überflüssigen Analysen, bevor sie beginnen.

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Bruno Eggenberger, Geschäftsführer, Binadoo AG
Über den Autor
Bruno Eggenberger · Geschäftsführer, Binadoo AG

Bruno begleitet Schweizer KMU von der ersten Prozessfrage bis zum laufenden Odoo-Betrieb. Sein Fokus: Digitalisierung, die sich wirtschaftlich rechnet - ehrlich beraten, pragmatisch umgesetzt.

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