← Alle Artikel

BeratungCRM & Vertrieb

Wie finde ich das richtige CRM-System für mein Unternehmen?

"Welches CRM ist das beste?" ist die häufigste Frage in der Evaluation - und die, die am zuverlässigsten zur falschen Entscheidung führt. Denn die Antwort hängt nicht vom Produkt ab, sondern von Ihrem Verkaufsprozess. Sechs Schritte, die aus einer unübersichtlichen Produktfrage eine belastbare Führungsentscheidung machen.

Bruno Eggenberger Geschäftsführer, Binadoo AG geprüft 19.08.20269 Min. Lesezeit
Bildschirm mit einer CRM-Bewertungsmatrix: drei Lösungsmodelle gegen zehn Muss-Kriterien, die passende Zeile ist hervorgehoben

“Welches CRM ist das beste?” - so beginnt fast jede Evaluation. Es folgen Vergleichsportale, Funktionstabellen mit dreissig Zeilen und drei Anbieterdemos, die alle gleich überzeugend aussehen. Am Ende entscheidet oft der Preis, weil sich sonst kein Unterschied festmachen lässt.

Das Ergebnis kennen wir aus vielen Übernahmen: ein System, das viel kann und wenig genutzt wird. Nicht weil die Software schlecht war, sondern weil nie geklärt wurde, wofür genau sie gebraucht wird.

Die Frage ist deshalb falsch gestellt. Sie lautet nicht “Welches CRM ist das beste?”, sondern “Welches System passt zu unserem Verkauf, so wie er tatsächlich funktioniert?” Diese Frage kann kein Vergleichsportal beantworten - aber Sie selbst, in sechs überschaubaren Schritten.

Warum Funktionsvergleiche in die Irre führen

Jedes ernstzunehmende CRM verwaltet heute Kontakte, führt eine Pipeline, verschickt E-Mails und erstellt Angebote. Der Unterschied liegt nicht im “Ob”, sondern im “Wie” - und das steht auf keiner Funktionsliste.

Dazu kommt: Diese Listen werden von den Anbietern geschrieben. Jede Zeile lässt sich mit “Ja” beantworten, wenn man den Begriff weit genug auslegt. Ob das Nachfassen im System zwei Klicks braucht oder acht, ob ein Angebot aus der Verkaufschance entsteht oder in Word - solche Details entscheiden über die tägliche Nutzung, tauchen in keiner Tabelle auf und lassen sich nur an Ihrem eigenen Prozess prüfen.

💡

Kurz gesagt: Nicht die Funktionsliste entscheidet, sondern die Passung zum Verkaufsprozess. Wer den eigenen Prozess vor der Evaluation aufschreibt, braucht keine Vergleichsportale mehr - er hat ein Prüfraster, an dem jedes System scheitert oder besteht.

Die Auswahl in sechs Schritten

Eine CRM-Evaluation muss nicht Monate dauern. Für ein KMU mit einer Handvoll Verkäufern reichen sechs Schritte und typischerweise vier bis sechs Wochen - vorausgesetzt, die Reihenfolge stimmt. Die ersten drei Schritte finden ohne jeden Anbieterkontakt statt.

CRM-Auswahl in sechs Schritten: Engpass benennen, Verkaufsprozess aufschreiben, Muss-Kriterien festlegen, Lösungsmodell entscheiden, mit eigenen Daten testen, Partner bewerten - die ersten drei Schritte laufen ohne Anbieterkontakt.

1. Den Engpass benennen, nicht die Wunschliste

Beginnen Sie mit einem einzigen Satz: Was genau soll in einem Jahr besser sein? In den meisten KMU ist es eine dieser vier Antworten - Anfragen gehen vergessen, niemand hat den Überblick über die offenen Verkaufschancen, das Kundenwissen steckt in einzelnen Köpfen, oder der Forecast ist nicht belastbar genug für eine Planung.

Wer diesen Satz nicht formulieren kann, evaluiert ins Leere. Und er hat später kein Kriterium, an dem sich der Erfolg des Projekts messen liesse. Ob der Zeitpunkt überhaupt stimmt, klärt der Beitrag Ab wann braucht ein KMU ein CRM?.

2. Den eigenen Verkaufsprozess aufschreiben

Eine Seite genügt: fünf bis acht Schritte vom Erstkontakt bis zum Auftrag. Wer erfasst eine Anfrage, wann wird qualifiziert, wo entsteht das Angebot, wer fasst wann nach, was passiert nach dem Zuschlag.

Diese eine Seite ist Ihr eigentliches Pflichtenheft - und sie ist mehr wert als jede Funktionsmatrix. Sie zeigt zwei Dinge auf einmal: was das System können muss und wo Ihr Prozess selbst unklar ist. Der zweite Punkt ist der wertvollere, denn kein CRM repariert einen Prozess, den niemand beschreiben kann. Welche Fragen vorher zu klären sind, haben wir in Welche Prozesse Sie vor einem Odoo-Projekt klären sollten zusammengestellt.

3. Anforderungen auf zehn Muss-Kriterien eindampfen

Jetzt erst kommen die Anforderungen - und zwar in drei Klassen: Muss, Soll, Kann. Ein Muss ist, was ohne das System schlicht nicht funktioniert. Alles andere ist verhandelbar. Die Faustregel aus unseren Projekten: höchstens zehn Muss-Kriterien.

Wer vierzig Muss-Kriterien notiert, hat keine Anforderungen, sondern eine Wunschliste. Und weil dann jedes System alles “erfüllt”, entscheidet am Ende doch wieder der Preis. Wie sich Muss und Kann sauber trennen lassen, zeigt Anforderungen für ein Digitalisierungsprojekt definieren.

Für Schweizer KMU gehören diese Punkte auf die Muss-Liste, sofern sie zutreffen:

  • Datenhaltung und Datenschutz: Wo liegen die Kundendaten, und genügt das dem revidierten Datenschutzgesetz?
  • Mehrsprachigkeit: Brauchen Sie Deutsch, Französisch und Italienisch - in der Bedienung, in Dokumenten oder in beidem?
  • QR-Rechnung und MWST: Falls aus dem System Angebote und Rechnungen entstehen, müssen die Schweizer Standards ohne Bastellösung funktionieren.
  • Anbindung an die Buchhaltung: Was passiert mit dem Auftrag, nachdem der Verkauf ihn gewonnen hat?

4. Das Lösungsmodell entscheiden - nicht das Produkt

Das ist der Schritt, der am häufigsten übersprungen wird und am meisten Wirkung hat. Statt aus dreihundert Produkten auszuwählen, entscheiden Sie zuerst zwischen drei Lösungsmodellen. Danach bleibt eine Handvoll Kandidaten übrig.

CRM-Auswahl: drei Lösungsmodelle im Vergleich - spezialisiertes CRM, CRM-Suite und integrierte Plattform, unterschieden danach, wo der Verkaufsprozess endet.

Die entscheidende Frage dazu ist einfach: Wo endet Ihr Verkaufsprozess?

Endet er beim Angebot, weil Auftrag und Rechnung ohnehin in einem anderen System laufen, reicht ein spezialisiertes CRM. Hängen dagegen Auftrag, Lieferung, Projekt, Leistungserfassung und Rechnung daran, kaufen Sie mit einem reinen CRM zwangsläufig eine Schnittstelle mit - oder eine Doppelerfassung, die niemand budgetiert hat.

Diese Entscheidung fällen Sie vor der Produktauswahl, und Sie fällen sie als Geschäftsleitung, nicht als Verkaufsleitung: Es ist eine Entscheidung über die Systemlandschaft der nächsten fünf Jahre, nicht über ein Verkaufswerkzeug. Was die drei Modelle jeweils kosten, ordnet Was kostet ein CRM? mit konkreten Bandbreiten ein.

5. Mit den eigenen Daten testen, nicht mit der Anbieterdemo

Eine Standarddemo zeigt immer den Idealfall: saubere Daten, ein einfaches Produkt, ein Verkäufer, der das System seit Jahren vorführt. Aussagekraft für Ihren Alltag: nahe null. Warum eine Demo als Entscheidungsgrundlage nicht genügt, haben wir in Warum eine Demo für eine Investitionsentscheidung nicht genügt beschrieben.

Verlangen Sie stattdessen einen Test mit Ihrem Material: drei bis fünf echte Kunden, ein typischer Verkaufsfall, Ihre Begriffe, Ihr Preisaufbau. Und testen sollen die Leute, die täglich damit arbeiten werden - nicht nur die Geschäftsleitung.

CRM-Test: vier Aufgaben für die eigene Demo - Anfrage erfassen, Angebot aus der Verkaufschance erzeugen, Wiedervorlage setzen, Pipeline-Sicht für die Geschäftsleitung öffnen.

6. Den Partner mitbewerten

Die Software ist austauschbar, die Zusammenarbeit nicht. Wer die Einführung begleitet, entscheidet mindestens so stark über den Projekterfolg wie das Produkt. Vier Fragen helfen bei der Einordnung: Wer sitzt nach dem Go-live am Telefon? Wird Ihr Prozess hinterfragt oder einfach abgenickt? Wurde Ihnen schon einmal von etwas abgeraten? Und gibt es Referenzen aus Unternehmen Ihrer Grössenordnung?

Ein Anbieter, der im Erstgespräch nur zustimmt, wird auch im Projekt nur zustimmen. Das ist angenehm - bis zu dem Moment, in dem jemand hätte widersprechen müssen.

Nicht das System mit den meisten Funktionen gewinnt, sondern das, in dem Ihr Verkauf am Montagmorgen tatsächlich arbeitet.

Die vier häufigsten Fehler bei der CRM-Auswahl

1. Nach Funktionsliste entscheiden. Führt zuverlässig zum System mit der besten Marketingabteilung, nicht zum passendsten.

2. Ohne die Anwender entscheiden. Ein CRM, das der Verkauf nicht pflegt, liefert keine Zahlen - und ohne Zahlen keine Führung. Die Akzeptanz entsteht in der Evaluation, nicht in der Schulung.

3. Nur den Lizenzpreis vergleichen. Die Lizenz ist der kleinste von vier Kostenblöcken. Einführung, interne Aufwände und der Betrieb entscheiden über die Gesamtkosten.

4. Das System vor dem Prozess einführen. Wer den Verkaufsprozess erst im Projekt klärt, diskutiert ihn auf Stundenbasis - und meist unter Zeitdruck.

So sieht das in Odoo aus

Wenn die Modellfrage aus Schritt 4 auf “integrierte Plattform” hinausläuft, ist Odoo einer der wenigen Kandidaten, die für ein KMU wirtschaftlich bleiben. Der praktische Unterschied zeigt sich genau an der Stelle, an der ein reines CRM endet: Aus der Verkaufschance wird das Angebot, daraus der Auftrag, daraus die Rechnung - im selben System, ohne Schnittstelle und ohne zweite Erfassung. Der Forecast der Geschäftsleitung greift auf dieselben Daten zu wie der Verkäufer im Alltag.

Für Schritt 5 lässt sich das mit vertretbarem Aufwand prüfen: Odoo lässt sich mit Ihren eigenen Kunden, Produkten und Verkaufsphasen in einer Testumgebung aufsetzen, statt eine Standarddemo vorzuführen. Wie ein sauber strukturierter Verkaufsprozess darin aussieht, zeigt CRM-Prozesse mit Odoo strukturieren; die Lizenzseite können Sie mit unserem Odoo-Lizenzrechner selbst durchrechnen.

Ehrlich eingeordnet gehört dazu auch der Gegenfall: Wenn Ihr Verkauf beim Angebot endet, Sie kein ERP planen und ausschliesslich ein schlankes Verkaufswerkzeug suchen, fahren Sie mit einem spezialisierten CRM womöglich einfacher. Eine Plattform lohnt sich, wenn mehr als der Verkauf davon profitiert.

Der nächste Schritt

Sie brauchen für den Start keinen Berater und kein Budget - nur die erste Seite aus Schritt 2. Schreiben Sie Ihren Verkaufsprozess auf, benennen Sie den Engpass, und die Evaluation wird von einer unübersichtlichen Produktfrage zu einer nachvollziehbaren Führungsentscheidung.

Was ein CRM danach im Alltag leistet, ordnet Was ein CRM für ein KMU wirklich leistet ein. Weitere Beiträge zu Auswahl, Einführung und Verkaufssteuerung finden Sie in der Themenwelt CRM & Vertrieb; wie wir Verkaufsprozesse konkret umsetzen, zeigt Verkauf & Kundenprozesse.

🧭

Weiterführend: Themenwelt CRM & Vertrieb · Lösung CRM. Den nächsten Schritt machen Sie mit dem kostenlosen Projekt-Check.

Bruno Eggenberger, Geschäftsführer, Binadoo AG
Über den Autor
Bruno Eggenberger · Geschäftsführer, Binadoo AG

Bruno begleitet Schweizer KMU von der ersten Prozessfrage bis zum laufenden Odoo-Betrieb. Sein Fokus: Digitalisierung, die sich wirtschaftlich rechnet - ehrlich beraten, pragmatisch umgesetzt.

Welches CRM passt zu Ihrem Verkauf?

Im kostenlosen Projekt-Check schauen wir auf Ihren Verkaufsprozess und ordnen ein, welches Lösungsmodell zu Ihnen passt - ehrlich, auch wenn es nicht unseres ist.

Erreichbarkeit Mo–Fr, 9:00–16:00 Uhr

Wir melden uns innerhalb von 24 Stunden bei Ihnen. Datenschutzhinweis

Odoo-Projekt besprechen