Wartungsverträge digital verwalten: Was die Service-Sachbearbeiterin bei der Kundenfrage sieht
Ein Wartungsvertrag sagt, welche Anlage welche Leistung bis wann bekommt. Steht das direkt bei der Anlage, beantwortet der Innendienst die Frage des Kunden sofort am Telefon. Und die Serviceleitung sieht früh, welche Verträge sich nicht rechnen.
Montag, 08:40, Service-Innendienst eines Gebäudetechnik-Unternehmens mit 60 Mitarbeitenden, 1’400 Anlagen und 380 Wartungsverträgen. Herr Meier, Hauswart der Liegenschaft Birkenweg, ruft an: Die Lüftungsanlage im Untergeschoss läuft seit Freitag laut, und ob das im Vertrag drin sei. Die Sachbearbeiterin kennt den Birkenweg, dort stehen drei Anlagen. Sie holt den Vertragsordner aus dem Gestell, blättert zum Vertrag von 2024, findet die Heizung, findet die Lüftung, findet die Kälteanlage nicht. Dann die Excel-Tabelle “Verträge 2026”, um zu prüfen, ob der Vertrag noch läuft. Dann ein Anruf beim Techniker, der im März dort war: War die Kälteanlage je im Vertrag? Er ist auf einer Baustelle und ruft um 09:02 zurück.
Zweiundzwanzig Minuten für eine Frage, die ein Hauswart vier- bis fünfmal im Jahr stellt. Herr Meier hat in der Zwischenzeit die Verwaltung angerufen und gefragt, ob man den Vertrag überhaupt noch brauche, wenn niemand sagen könne, was er deckt. Die Antwort der Sachbearbeiterin war am Ende richtig: Lüftung gedeckt, Arbeitszeit und Anfahrt inbegriffen, Teile nicht. Nur kam sie zweiundzwanzig Minuten zu spät, und sie kam aus drei Quellen, von denen keine die anderen kennt.
Was ein Wartungsvertrag im Alltag ist - und was nicht
Ein Wartungsvertrag ist kein PDF im Ordner, sondern ein Datensatz mit fünf Angaben: welche Anlagen, welche Leistungen, in welchem Intervall, bis wann, zu welchem Preis. Diese fünf Angaben existieren in jedem Betrieb. Die Frage ist nur, ob sie an einem Ort stehen oder auf drei verteilt sind: der Umfang im Ordner, die Laufzeit in der Excel-Tabelle, die Zuordnung der Anlagen im Kopf des Technikers, der den Vertrag damals verkauft hat.
Die Frage des Hauswarts zerfällt in drei kleinere, und jede braucht heute einen anderen Ort:
- Ist die Anlage im Vertrag? Der Birkenweg hat drei Anlagen, der Vertrag nennt zwei. Das steht im Ordner, aber nur, wenn man weiss, dass es drei sind.
- Deckt der Vertrag diese Leistung? “Komfort” deckt Störungseinsätze mit Arbeitszeit und Anfahrt, Ersatzteile werden verrechnet. Das steht im Leistungskatalog, auf Seite zwei des Anhangs.
- Läuft der Vertrag noch? Bis 30.06.2027, mit automatischer Verlängerung um ein Jahr, wenn nicht drei Monate vorher gekündigt wird. Das steht in der Excel-Tabelle, Stand irgendwann im Frühling.
Keine dieser Fragen ist schwierig. Schwierig ist nur, sie am Telefon zu beantworten, während der Kunde wartet und die Antwort über seine Rechnung entscheidet.
Kurz gesagt: Ein Wartungsvertrag beantwortet drei Fragen: welche Anlage, welche Leistung, bis wann. Stehen die drei Antworten an der Anlage, braucht die Kundenfrage zwanzig Sekunden. Stehen sie im Ordner, in der Tabelle und beim Techniker, braucht sie einen Rückruf.
Was sich am Arbeitsplatz ändert
Mit einem System, in dem der Vertrag an den Anlagen hängt und nicht an einer Adresse, sieht derselbe Montag so aus: Die Sachbearbeiterin öffnet den Kunden Birkenweg und sieht drei Anlagen. Bei Heizung und Lüftung steht der Vertrag “Komfort” mit Laufzeit bis 30.06.2027, bei der Kälteanlage steht “nach Aufwand”. Neben der Lüftung steht die letzte Wartung vom März und die nächste, geplant für den 12. November. Darunter die Leistungen, die der Vertrag deckt, als Liste: Störungseinsätze inbegriffen, Teile verrechnet.
Sie sagt Herrn Meier, dass der Einsatz gedeckt ist, dass die Teile verrechnet würden, falls etwas getauscht werden muss, und dass der Techniker ohnehin am 12. November zur Wartung kommt. Ob der Störungseinsatz vorgezogen wird, entscheidet die Disposition, und wie der Kunde davon erfährt, steht im Beitrag Kunden über Termine und Status informieren. Die Frage des Hauswarts ist um 08:41 beantwortet, und sie ist so beantwortet, wie sie später auf der Rechnung steht.
Die Antwort war richtig. Sie kam nur zweiundzwanzig Minuten zu spät und aus drei Quellen, von denen keine die anderen kennt.
Was die Sachbearbeiterin nicht mehr tut: den Ordner holen, die Excel-Tabelle öffnen, den Techniker anrufen, “ich rufe zurück” sagen, der Buchhaltung am Monatsende erklären, warum ein Einsatz nicht verrechnet wurde. Was sie stattdessen tut, und das ist die eine neue Pflicht: jede Änderung am Vertrag am Datensatz nachführen, die vierte Anlage, die neue Laufzeit, die Kündigung. Der Vertrag ist nur so gut wie seine letzte Mutation.
Dieselben Angaben, zwei Lesarten
Die Sachbearbeiterin liest Deckung, Laufzeit und nächste Wartung je Anruf, für einen Kunden. Die Serviceleitung liest dieselben drei Angaben monatlich, über 380 Verträge. Für die eine sind sie die Antwort am Telefon, für die andere das Geschäftsmodell.
| Angabe | Sachbearbeiterin, je Anfrage | Serviceleitung, monatlich |
|---|---|---|
| Deckung | Ist dieser Einsatz gedeckt oder verrechne ich ihn? | Welche Verträge decken mehr Einsätze, als sie einbringen? |
| Laufzeit | Gilt der Vertrag noch, und was sage ich dem Kunden? | Welche Verträge laufen in 90 Tagen aus, und wie viele davon verlängern? |
| Nächste Wartung | Wann kommt der Techniker ohnehin? | Wie viele Wartungen sind überfällig, und wie planbar ist der Umsatz des nächsten Quartals? |
Die erste Zeile ist die, an der die Vertragsmarge hängt. Im Betrieb aus dem Beispiel brachten nach einem Jahr mit Verträgen am Datensatz 300 der 380 Verträge mehr ein, als die gedeckten Einsätze kosteten, 55 waren ausgeglichen, und 25 deckten mehr Einsätze, als sie einbrachten. Diese 25 kannte vorher niemand, weil die gedeckten Einsätze nie mit dem Vertrag verrechnet wurden, sondern als “kein Umsatz” in der Einsatzliste standen. Wie aus Wartung überhaupt ein planbares Geschäft wird, steht im Beitrag Wiederkehrende Wartungen organisieren.
Die zweite Zeile entscheidet über den Umsatz des nächsten Jahres. Ein Vertrag mit Enddatum am Datensatz meldet sich drei Monate vor Ablauf, und zwar in der Liste der Serviceleitung, nicht im Gedächtnis der Sachbearbeiterin. Ein Vertrag in der Excel-Tabelle meldet sich gar nicht, bis der Kunde kündigt oder die Verlängerung stillschweigend durchläuft, zum Preis von 2024.
So sieht das in Odoo aus
In Odoo ist der Wartungsvertrag ein wiederkehrender Auftrag am Kunden mit Laufzeit, Intervall und den vereinbarten Leistungen. Die Anlagen des Kunden sind eigene Objekte mit Typ, Standort und Seriennummer, und jede Anlage trägt den Vertrag, der sie deckt, oder keinen. Die Sachbearbeiterin sieht am Kunden die drei Anlagen mit je einem Vertragsvermerk, die Laufzeit bis 30.06.2027, die nächste geplante Wartung und die Liste der gedeckten Leistungen. Meldet der Hauswart eine Störung, entsteht daraus ein Ticket oder direkt ein Einsatz, an dem der Vertrag der betroffenen Anlage bereits steht, so dass der Techniker vor Ort weiss, was er verrechnet. Was er dort sonst noch braucht, steht im Beitrag Welche Informationen Techniker vor Ort benötigen. Die Wartungsrechnung entsteht aus dem Vertrag, periodisch, ohne dass jemand sie anstösst.
Zwei Dinge liefert Odoo nicht von sich aus. Der Vertrag ist nur so vollständig, wie er erfasst wurde: Welche Anlage dazugehört und welche Leistung gedeckt ist, muss jemand beim Vertragsabschluss eintragen, nicht erst beim ersten Anruf. Und ob ein Vertrag, der 25-mal mehr deckt, als er einbringt, gekündigt, neu bepreist oder aus Kundengründen behalten wird, bleibt eine Entscheidung der Serviceleitung. Was die Field-Service-App insgesamt abdeckt und wo ihre Grenzen liegen, steht in Field Service mit Odoo, wie aus einer Störungsmeldung ein Einsatz wird, in Vom Support-Ticket zum Serviceeinsatz.
Fazit
Ein Wartungsvertrag ist eine Zusage mit Enddatum: welche Anlage, welche Leistung, bis wann. Steht diese Zusage an der Anlage, beantwortet die Sachbearbeiterin die Frage des Hauswarts, während er noch am Telefon ist, und so, wie sie später auf der Rechnung steht. Dann wird aus dem Ordner im Gestell ein Datensatz mit Laufzeit, aus dem Rückruf des Technikers ein Blick auf die Anlage, und aus 25 Verträgen, die mehr kosten, als sie einbringen, eine Liste, die die Serviceleitung im Oktober sieht und nicht beim Jahresabschluss. Die Bedingung dafür schreibt der Innendienst selbst, mit jeder Mutation, die am Datensatz landet und nicht im Ordner.
Weiterführend: Themenwelt Service & Aussendienst · Lösung Helpdesk. Den nächsten Schritt machen Sie mit dem kostenlosen Projekt-Check.
Das könnte Sie auch interessieren
Wie lange braucht Ihr Innendienst, um zu sagen, was ein Wartungsvertrag deckt?
Im kostenlosen Projekt-Check schauen wir uns Ihre Verträge, Anlagen und Einsätze als eine Kette an - und wo heute Ordner, Excel und Zuruf dazwischenliegen.