Welche Dashboards eine Geschäftsleitung braucht
Die meisten Führungsdashboards zeigen, was sich leicht darstellen lässt - nicht das, was eine Entscheidung auslöst. Der Unterschied liegt im Vergleichswert.
Sobald ein ERP produktiv ist, entsteht der Wunsch nach einem Dashboard. Was dann meist gebaut wird, ist eine Sammlung von zwanzig Kacheln: Umsatz, Aufträge, Lager, Tickets, Projekte, alles nebeneinander, alles in Echtzeit.
Angesehen wird es in den ersten zwei Wochen. Danach nicht mehr - weil es keine Frage beantwortet, sondern Zahlen darstellt.
Was ein Führungsdashboard leisten muss
Drei Anforderungen, die fast jedes gebaute Dashboard verletzt:
Jede Zahl hat einen Vergleichswert. Ein Umsatz von 412’000 sagt nichts. Gegen Vormonat, Vorjahr oder Budget sagt er alles. Kacheln ohne Vergleich erzeugen Rückfragen statt Erkenntnis.
Jede Zahl gehört zu einer Entscheidung. Wenn niemand sagen kann, was bei einem schlechten Wert passieren würde, gehört die Zahl nicht auf das Dashboard.
Es passt auf einen Bildschirm. Was gescrollt werden muss, wird nicht gelesen. Sechs bis zehn Zahlen sind die Obergrenze.
Ansicht 1: Der Wochenblick
Fünf bis sieben Zahlen, die sich wöchentlich bewegen und vor der Erfolgsrechnung reagieren: Auftragseingang, Auftragsbestand in Wochen, Liquidität mit tiefstem erwartetem Stand, überfällige Forderungen, Auslastung.
Diese Ansicht ist der eigentliche Grund, warum sich ein Dashboard lohnt. Sie ist in einem ERP möglich und in getrennten Systemen nicht - weil sie Zahlen aus Verkauf, Buchhaltung und Zeiterfassung nebeneinander stellt.
Kurz gesagt: Vier Ansichten reichen: Wochenblick, Monatsbild, Kunden- und Produktsicht, Vorschau. Jede Zahl braucht einen Vergleichswert - ohne ihn ist sie Dekoration.
Ansicht 2: Das Monatsbild
Umsatz, Bruttomarge, Betriebsergebnis und die grössten Kostenpositionen, jeweils gegen Budget und Vorjahr. Diese Ansicht ersetzt keinen Abschluss, sondern führt zu ihm hin: Sie zeigt, worüber im Monatsgespräch zu sprechen ist.
Wichtig ist die Beschränkung auf die zehn bis fünfzehn wichtigsten Positionen. Welche Kennzahlen dabei tragen und welche in die Irre führen, steht in Welche Finanzkennzahlen jeder Geschäftsführer kennen sollte.
Ansicht 3: Kunden und Produkte
Umsatz und Deckungsbeitrag je Kunde und je Produktgruppe, mit Vorjahresvergleich. Die Ansicht, die am häufigsten zu Entscheidungen führt - und die in getrennten Systemen praktisch nicht herstellbar ist, weil sie Verkaufs-, Einkaufs- und Leistungsdaten verbindet.
Quartalsweise genügt. Wer sie monatlich anschaut, reagiert auf Zufall.
Ansicht 4: Die Vorschau
Nach vorn statt zurück: Auftragsbestand mit erwarteter Abarbeitung, Pipeline mit gewichteten Werten, Liquiditätsvorschau, geplante Abwesenheiten und Kapazität.
Diese Ansicht fehlt in fast allen KMU-Dashboards und ist die einzige, die eine Entscheidung noch beeinflussen kann. Alle anderen berichten.
Woran ein unbrauchbares Dashboard erkennbar ist
Zahlen ohne Vergleich. Der häufigste Fehler und der am leichtesten behebbare.
Alles in Echtzeit. Ein Umsatz, der sich stündlich ändert, verleitet zu Reaktionen auf Rauschen. Für Führungszahlen ist der Tages- oder Wochenstand richtig.
Zu viele Kacheln. Ab etwa zwölf Zahlen sinkt die Aufmerksamkeit auf null. Was wichtig ist, wird durch das Nebeneinander entwertet.
Kein Empfänger. Ein Dashboard ohne benannte Person, die es regelmässig anschaut, ist ein Bauprojekt ohne Zweck.
Ein Dashboard, das in einer Sitzung nie aufgerufen wird, ist keine Informationsquelle. Es ist eine Investition, die niemand abgeschrieben hat.
Der Unterschied zwischen Dashboard und Bericht
Beides wird oft verwechselt. Ein Dashboard ist der Blick, den man selbst wirft - jederzeit, kurz, zur Orientierung. Ein Bericht ist das, was zu einem Termin gehört, mit Kommentar und Verantwortlichem.
Das Dashboard ersetzt den Bericht nicht. Es macht ihn kürzer, weil die Grundzahlen bereits bekannt sind und im Bericht nur noch die Abweichungen erklärt werden.
Was das im System voraussetzt
Ein Führungsdashboard ist keine Darstellungsaufgabe, sondern eine Datenaufgabe. Drei Voraussetzungen entscheiden über die Qualität:
Vollständige Erfassung. Wenn Aufträge erst bei der Fakturierung erfasst werden, ist der Auftragsbestand wertlos. Wo im Alltag am System vorbeigearbeitet wird, steht in Warum Mitarbeitende Odoo nicht richtig nutzen.
Saubere Zuordnung. Kostenstellen, Produktgruppen, Auftragsbezug. Ohne sie sind Deckungsbeiträge nicht berechenbar.
Aktualität der Buchhaltung. Ein Monatsbild, das erst am zwanzigsten stimmt, ist kein Führungsinstrument.
Alle drei sind Einrichtungsarbeit - und der Grund, warum ein Dashboard in einem gepflegten System in Stunden entsteht und in einem ungepflegten gar nicht.
Fazit
Vier Ansichten genügen einer KMU-Geschäftsleitung: Wochenblick, Monatsbild, Kunden- und Produktsicht, Vorschau. Zusammen sind das rund fünfundzwanzig Zahlen, verteilt auf vier Bildschirme statt vierzig auf einem.
Wer mit einer beginnen will, nimmt den Wochenblick. Er verlangt am wenigsten Vorarbeit, wird am häufigsten angesehen - und er ist der schnellste Beweis dafür, dass die Daten im System tatsächlich stimmen.
Weiterführend: Themenwelt Odoo erfolgreich einsetzen · Lösung ERP. Den nächsten Schritt machen Sie mit dem kostenlosen Projekt-Check.
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