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Notfalleinsätze und geplante Wartungen priorisieren: Was die Disponentin um 07:30 entscheidet

Kommt am Morgen ein Notfall herein, muss die Disponentin schnell entscheiden, wer fährt und welche Wartung warten kann. Dafür braucht sie drei Angaben direkt am Einsatz: Vertrag, Dringlichkeit und Spielraum der Wartung. Die Regel dafür legt die Serviceleitung einmal fest.

Bruno Eggenberger Geschäftsführer, Binadoo AG 7 Min. Lesezeit
Disponentin eines Gebäudetechnikbetriebs liest am Bildschirm die Einsatzplanung des Tages ab, hinter der Glaswand stehen Servicefahrzeuge im Hof

Montag, 07:30, Disposition eines Gebäudetechnikbetriebs mit 45 Mitarbeitenden und neun Technikern. Der Tagesplan steht: vierzehn Einsätze, sechs davon Wartungen aus Verträgen, zwei davon mit Frist bis Ende Monat. Um 07:42 ruft die Leiterin einer Kita an, die Heizung ist ausgefallen, 40 Kinder kommen um acht. Um 08:05 meldet ein Restaurant, dass der Kühlraum nicht mehr kühlt, die Ware für die Woche ist drin.

Die Disponentin hat jetzt zwanzig Minuten. Sie weiss, dass Brunner um acht bei einer Wartung in der Nähe der Kita beginnt. Sie weiss nicht aus dem Kopf, ob diese Wartung die mit der Frist ist, ob der Kühlraum-Kunde einen Vertrag mit vier Stunden Reaktionszeit hat oder einen mit nächstem Werktag, und ob Keller, der Kältetechniker, heute überhaupt im Plan ist. Sie öffnet drei Ordner, ruft zwei Techniker an und verschiebt am Ende eine Wartung, die zum dritten Mal in diesem Quartal verschoben wird. Davon erfährt der Kunde am Donnerstag, als er anruft.

Der Zielkonflikt, der jeden Tag kommt

Notfall gegen Wartung ist kein Ausnahmefall, sondern der Normalbetrieb einer Disposition. Der Notfall ist laut, hat eine Reaktionszeit und einen Kunden am Telefon. Die Wartung ist leise, hat einen Vertrag und einen Termin, der irgendwann eingehalten werden muss. Wer immer den lauten Fall gewinnen lässt, verliert leise: Wartungen rutschen, Fristen reissen, der Vertrag mit dem besten Deckungsbeitrag wird nicht verlängert, und die Anlage, die nicht gewartet wurde, ist der Notfall vom nächsten Monat.

Disposition im Service: Zeitleiste eines Montagmorgens - 07:30 Plan steht mit vierzehn Einsätzen, 07:42 Notfall Kita, 08:05 Notfall Kühlraum, 08:20 zwei Wartungen verschoben, 09:00 Plan steht wieder

Drei Fragen entscheiden, wer fährt und was rutscht. Sie lassen sich in zwanzig Minuten beantworten, wenn die Antworten dort stehen, wo die Disponentin hinschaut, und nicht in drei Ordnern:

  • Was steht im Vertrag? Vier Stunden, acht Stunden oder nächster Werktag. Das ist die Reaktionszeit, die der Betrieb zugesagt hat, nicht die, die der Kunde am Telefon verlangt.
  • Was passiert beim Warten? Ware verdirbt, Kinder frieren, ein Büro ist zwei Grad zu kalt. Sicherheit und Ware vor Komfort, auch wenn der Komfortkunde lauter ist.
  • Welche Wartung hat Spielraum? Eine Wartung mit Frist Ende Monat und zwei Wochen Luft rutscht. Eine, die heute zum dritten Mal rutschen würde oder deren Frist am Freitag endet, nicht.
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Kurz gesagt: Die Disposition entscheidet nicht zwischen Notfall und Wartung, sondern zwischen zwei Verträgen. Beide haben Fristen. Wer nur die laute sieht, verletzt die leise, und merkt es erst, wenn der Wartungskunde kündigt.

Was sich am Arbeitsplatz ändert

Mit einem System, in dem Vertrag, Reaktionszeit und Wartungsfrist am Einsatz stehen, sieht derselbe Montag so aus: Der Notfall der Kita kommt als Ticket herein, und am Ticket steht der Vertrag mit vier Stunden Reaktionszeit, also Frist 11:42. Die Planungsansicht zeigt neun Techniker nebeneinander, Brunner um acht bei einer Wartung, an der steht “Frist 28.10., zweimal verschoben”. Die Wartung von Meier um neun hat Frist 15.11. und wurde noch nie verschoben. Brunner fährt zur Kita, Meier übernimmt Brunners Wartung, und Meiers eigene Wartung rutscht auf Donnerstag. Verschoben wird die mit Spielraum, nicht die, die zum dritten Mal rutschen würde. Der Wartungskunde bekommt den neuen Termin, bevor er merkt, dass niemand kommt.

Für den Kühlraum zeigt die Ansicht, dass Keller als einziger Kältetechniker heute bei einer Wartung ohne Frist steht, zwölf Minuten entfernt. Zwei Verschiebungen, zwei Zuweisungen, zwei Nachrichten an Kunden, in einer Viertelstunde statt in einer Stunde mit drei Ordnern und zwei Anrufen.

Sie schiebt die Wartung mit Spielraum, nicht die, die am nächsten liegt.

Was die Disponentin nicht mehr tut: Verträge im Ordner suchen, Techniker anrufen, um zu fragen, wo sie gerade sind, Wartungen verschieben, ohne zu wissen, wie oft sie schon verschoben wurden, und Kunden am Donnerstag erklären, warum am Montag niemand kam. Was die Serviceleitung stattdessen einmal tut: die Prioritätsregel hinterlegen, Sicherheit und Ware vor Vertrag vor Komfort, und einen Puffer im Plan lassen, im Winter einen halben Techniker-Tag pro Tag, weil zwei Notfälle vor acht kein Ausnahmefall sind.

Disposition im Service: Die zwei Notfälle des Morgens an den drei Fragen gemessen - Vertrag mit Reaktionszeit, Folge des Wartens und Spielraum der Wartung, die dafür rutscht; die Kita bekommt Brunner, der Kühlraum den Kältetechniker Keller

Dieselben Angaben, zwei Lesarten

Die Disponentin liest Reaktionszeit, Verschiebungen und Puffer je Notfall. Die Serviceleitung liest sie je Monat. Für die eine ist es die Entscheidung von 07:42, für die andere die Frage, ob der Winter genug Techniker hat.

Angabe Disponentin, je Notfall Serviceleitung, je Monat
Reaktionszeit Schaffe ich die vier Stunden mit dem, der am nächsten ist? Wie viele Fristen wurden gerissen, und bei welchen Verträgen?
Verschobene Wartungen Welche Wartung hat Spielraum, welche nicht mehr? Welche Wartung wurde dreimal verschoben, und welcher Vertrag ist deshalb gefährdet?
Puffer Ist heute noch jemand frei für den dritten Notfall? Wie viele Notfälle kommen im Mittel pro Tag, und wie viel Reserve braucht der Plan?

Die zweite Zeile ist die, die niemand sieht, solange Verschiebungen nicht gezählt werden. Eine Wartung, die dreimal rutscht, ist kein Planungsproblem, sondern ein Kündigungsgrund. Warum Wartungsverträge wirtschaftlich der stärkste Hebel im Service sind, steht im Beitrag Wiederkehrende Wartungen organisieren, die vier Kriterien der Planung dahinter in Servicetechniker effizient einplanen.

So sieht das in Odoo aus

In Odoo kommt der Notfall als Ticket herein, und die Reaktionszeit aus dem Vertrag des Kunden setzt die Frist am Ticket, sichtbar als Uhrzeit, nicht als Vertragsklausel im Ordner. Die Wartung entsteht aus dem Vertrag mit geplantem Datum, und die Planungsansicht zeigt alle Techniker nebeneinander mit ihren Einsätzen. Eine Verschiebung wirkt sofort auf die Folgetermine, und die Nachricht an den Kunden geht aus der Vorlage hinaus, wie wir im Beitrag Kunden über Termine und Status informieren beschrieben haben. Wie oft eine Wartung verschoben wurde, steht in ihrem Verlauf, und die Serviceleitung zählt es am Monatsende über alle Einsätze.

Disposition in Odoo: Nachgezeichnete Planungsansicht mit drei Technikern und ihren Einsätzen des Tages, Notfall Kita mit Frist 11:42 bei Brunner, Kühlraum beim Kältetechniker Keller, verschobene Wartung mit Frist 15.11., dazu die Kennzahlkästen Notfälle heute, offene Frist und verschobene Wartungen

Zwei Dinge liefert Odoo nicht von sich aus. Die Rangfolge zwischen Notfall und Wartung rechnet es nicht aus, sie muss als Prioritätsstufe hinterlegt sein, und das ist eine Entscheidung der Serviceleitung, keine Einstellung. Und eine Tagesroute über viele Einsätze optimiert der Standard nicht, wie wir in Field Service mit Odoo abgegrenzt haben. Für neun Techniker reicht die Planungsansicht mit Frist und Verschiebungszähler.

Fazit

Notfälle und Wartungen zu priorisieren heisst nicht, schneller zu entscheiden, sondern mit drei Antworten, die am Einsatz stehen: Vertrag, Folge des Wartens, Spielraum der Wartung. Dann fährt um 07:42 der Richtige, es rutscht die Wartung, die rutschen darf, und der Wartungskunde erfährt es vor Donnerstag. Die Regel dafür schreibt die Serviceleitung einmal. Die Disponentin wendet sie jeden Morgen an, mit Zahlen statt mit drei Ordnern.

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Bruno Eggenberger, Geschäftsführer, Binadoo AG
Über den Autor
Bruno Eggenberger · Geschäftsführer, Binadoo AG

Bruno begleitet Schweizer KMU von der ersten Prozessfrage bis zum laufenden Odoo-Betrieb. Sein Fokus: Digitalisierung, die sich wirtschaftlich rechnet - ehrlich beraten, pragmatisch umgesetzt.

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