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BeratungCRM & Vertrieb

Verkaufskennzahlen und Forecast: was die Geschäftsleitung sehen muss

Der Verkauf meldet eine volle Pipeline, und trotzdem überrascht der Monatsabschluss. Das liegt selten am Team, sondern an fehlenden Führungsgrössen: Wer nur den Pipeline-Wert kennt, kennt die halbe Geschichte. Welche fünf Kennzahlen eine Geschäftsleitung wirklich braucht, wie aus Wunschdenken ein belastbarer Forecast wird und warum Pipeline-Hygiene die Voraussetzung für beides ist.

Bruno Eggenberger Geschäftsführer, Binadoo AG 8 Min. Lesezeit
Steigende Balken mit Verlaufslinie

Es gibt eine Situation, die ich in Schweizer KMU immer wieder erlebe: Die Pipeline ist gut gefüllt, der Verkaufsleiter berichtet zuversichtlich, und drei Monate später liegt der Umsatz trotzdem deutlich unter dem, was im Frühling noch als sicher galt. Auf die Frage, was schiefgelaufen sei, folgen Einzelfallerklärungen - ein Projekt verschoben, ein Kunde abgesprungen, eine Entscheidung vertagt.

Jede dieser Erklärungen stimmt. Zusammen erklären sie trotzdem nichts, denn sie kommen zu spät. Das eigentliche Problem ist, dass die Geschäftsleitung monatelang auf eine einzige Zahl geschaut hat - den Wert der offenen Chancen - und daraus eine Erwartung abgeleitet hat, die diese Zahl gar nicht tragen kann.

Warum der Pipeline-Wert allein nichts aussagt

“Wir haben CHF 1,2 Millionen in der Pipeline” klingt nach einer Führungsgrösse. Sie ist keine. Denn die Zahl beantwortet drei Fragen nicht, von denen alles abhängt: Wie viel davon wird realistisch zum Auftrag? Wann? Und ist der Bestand überhaupt aktuell?

Zwei Unternehmen mit identischem Pipeline-Wert können in vollkommen unterschiedlicher Verfassung sein. Beim einen sind es dreissig laufende Gespräche mit vereinbarten nächsten Schritten. Beim anderen sind es acht Chancen, von denen die Hälfte seit einem halben Jahr in derselben Phase liegt, weil sie niemand schliessen mochte. Die Summe ist gleich, der Wert für die Führung nicht.

Eine volle Pipeline ist kein Ergebnis. Sie ist ein Versprechen - und Versprechen brauchen Kennzahlen, die sie prüfen.

Die fünf Grössen, die eine Geschäftsleitung braucht

Aus unserer Projekterfahrung reichen für die Führungsebene fünf Kennzahlen. Mehr ist nicht besser, sondern nur länger.

Pipeline-Abdeckung. Der Wert der offenen Chancen im Verhältnis zum Ziel der kommenden Periode. Wer pro Quartal CHF 400’000.- braucht und CHF 800’000.- offen hat, hat eine Abdeckung von 2. Ob das reicht, ergibt sich aus der eigenen Abschlussquote: Bei einer Quote von 25 Prozent bräuchte es rechnerisch eine Abdeckung von 4. Diese eine Zahl zeigt Monate im Voraus, ob genug Substanz da ist - lange bevor der Umsatz fehlt.

Abschlussquote je Phase. Nicht nur “wie viele Chancen gewinnen wir”, sondern wo die Verluste entstehen: zwischen Erstgespräch und Bedarfsklärung, zwischen Offerte und Entscheid. Erst diese Aufteilung macht aus einer Diagnose eine Massnahme. Bricht es nach der Offerte ab, ist es meist ein Preis- oder Nutzenthema. Bricht es vorher ab, wurde zu früh qualifiziert.

Verkaufszyklus. Die durchschnittliche Dauer von der Chance bis zum Abschluss, gemessen in Tagen. Sie sagt Ihnen, wie weit Sie vorausplanen müssen - und sie ist ein Frühwarnsystem: Wenn der Zyklus über Monate länger wird, entscheidet der Markt zögerlicher oder Ihr Verkauf lässt Chancen liegen. Beides sollte die Geschäftsleitung wissen, bevor es im Umsatz sichtbar wird.

Durchschnittlicher Auftragswert. Zusammen mit Abschlussquote und Zyklus ergibt diese Zahl das eigentliche Steuerungsmodell: Wie viele qualifizierte Chancen brauchen wir pro Monat, damit die Rechnung am Jahresende aufgeht? Wer diesen Zusammenhang einmal durchgerechnet hat, diskutiert nicht mehr über Motivation, sondern über Mengen.

Alter und Bewegung der Chancen. Wie viele offene Chancen hatten in den letzten dreissig Tagen keinen dokumentierten Kontakt? Wie viele stehen länger als der übliche Verkaufszyklus in derselben Phase? Das ist die unbequemste der fünf Zahlen, weil sie sofort zeigt, wie viel von der schönen Pipeline tatsächlich noch lebt.

Verkauf steuern statt hoffen

Vom Wunschdenken zum belastbaren Forecast

Die häufigste Forecast-Methode in KMU ist die Sammelabfrage: Jeder Verkäufer nennt, woran er glaubt, jemand addiert. Das Ergebnis ist ein Stimmungsbild, kein Forecast - und es ist systematisch zu optimistisch, weil niemand gern sagt, dass es dünn aussieht.

Belastbar wird die Prognose erst mit zwei Zutaten. Die erste ist eine feste Wahrscheinlichkeit je Verkaufsphase, hergeleitet aus der eigenen Historie statt aus dem Bauchgefühl. Wenn aus Chancen in der Offertphase erfahrungsgemäss 40 Prozent Aufträge werden, dann gilt dieser Wert für alle - auch für den Verkäufer, der sich diesmal ganz sicher ist.

Die zweite Zutat ist ein Abschlussdatum an jeder Chance, das ernst gemeint ist. Ohne Datum lässt sich nichts einer Periode zuordnen, und ein Datum, das seit vier Monaten unverändert in der Vergangenheit liegt, ist keines. Aus beidem zusammen entsteht ein gewichteter Forecast: Chancenwert mal Phasenwahrscheinlichkeit, zugeordnet auf den Monat des erwarteten Abschlusses.

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Kurz gesagt: Ein Forecast ist keine Meinungsumfrage im Verkaufsteam, sondern eine Rechnung aus Phasenwahrscheinlichkeit und Abschlussdatum - überprüfbar am Ende jedes Quartals.

Wichtig für die Einordnung: Auch ein sauber gerechneter Forecast trifft nicht auf den Franken. Bei kleinen Fallzahlen - und die meisten KMU haben pro Quartal zweistellige, nicht dreistellige Chancenzahlen - schlägt jeder Einzelfall durch. Das Ziel ist eine belastbare Grössenordnung mit erkennbarem Trend, nicht Nachkommastellen. Prüfen Sie deshalb einmal pro Quartal, wie weit Prognose und Ergebnis auseinanderlagen, und korrigieren Sie die Wahrscheinlichkeiten. Ein Forecast, der nie mit der Realität verglichen wird, verbessert sich nie.

Pipeline-Hygiene ist die Voraussetzung, nicht die Kür

Alle fünf Kennzahlen und jeder Forecast stehen und fallen mit einer Frage: Bildet die Pipeline ab, was tatsächlich läuft? In der Praxis scheitert es meistens hier, und zwar an drei Stellen.

Chancen ohne nächsten Schritt sind der erste Klassiker. Wenn an einer offenen Chance keine Aktivität mit Datum hinterlegt ist, passiert erfahrungsgemäss nichts mehr. Der zweite: Chancen, die niemand verliert. Eine Absage ist unangenehm, also bleibt die Chance offen - und bläht Pipeline-Wert und Abdeckung auf. Warum bewusstes Disqualifizieren eine Führungsentscheidung ist, beschreibt der Beitrag Lead-Qualifizierung: Welche Kontakte der Verkauf priorisieren sollte. Der dritte: uneinheitliche Phasen. Wenn jeder Verkäufer “Offerte” anders auslegt, ist jede Quote über das Team hinweg wertlos.

Die Gegenmittel sind unspektakulär: eine gemeinsame Definition, wann eine Chance welche Phase erreicht, die Regel, dass jede offene Chance einen terminierten nächsten Schritt trägt, und ein fester Termin, an dem verlorene Chancen auch als verloren erfasst werden. Was ein CRM als Grundlage dafür leisten muss, haben wir im Beitrag Was ein CRM für ein KMU wirklich leistet beschrieben - und was ein solches System kostet, ordnet Was kostet ein CRM? Kostenrahmen für Schweizer KMU ein.

So sieht das in Odoo aus

Liegen Leads, Chancen, Offerten und Aufträge wie in Odoo auf einer Datenbasis, entstehen diese Kennzahlen nebenbei: Jede Chance trägt Phase, erwarteten Umsatz, Abschlussdatum und die nächste geplante Aktivität, und die Pipeline-Ansicht zeigt der Verkaufsleitung genau das - inklusive der Chancen, an denen seit Wochen nichts passiert ist. Abschlussquoten je Phase, Verkaufszyklus und der gewichtete Forecast sind gespeicherte Auswertungen auf denselben Daten, kein monatliches Zusammentragen aus Excel-Listen.

Das ändert vor allem den Charakter der Zahlen: Sie entstehen aus der täglichen Arbeit des Verkaufs, nicht aus einer Sonderanstrengung für die Geschäftsleitung. Und weil sie aus der Arbeit entstehen, sind sie nur so gut wie die Disziplin dahinter - die Software ersetzt die Pipeline-Hygiene aus dem vorherigen Abschnitt nicht, sie macht sie nur sichtbar. Wie ein solcher Verkaufsprozess konkret aufgesetzt wird, zeigt der Beitrag CRM-Prozesse mit Odoo strukturieren.

Der Rhythmus: ein Pipeline-Review, das etwas bewirkt

Kennzahlen wirken erst durch Regelmässigkeit - und durch Konsequenzen. Bewährt hat sich ein schlanker Takt:

  • Wöchentlich im Verkaufsteam, eine halbe Stunde. Nicht alle Chancen durchgehen, sondern nur die auffälligen: ohne nächsten Schritt, überfälliges Abschlussdatum, ungewöhnlich lange in derselben Phase.
  • Monatlich in der Geschäftsleitung, eine Seite. Die fünf Kennzahlen mit Vormonat und Vorjahr, dazu der gewichtete Forecast für das laufende und das nächste Quartal. Mehr nicht.
  • Quartalsweise der Abgleich. Prognose gegen Ergebnis, Phasenwahrscheinlichkeiten nachjustieren, Abweichungen benennen. Das ist der Schritt, den fast alle auslassen - und ohne den der Forecast nie besser wird.
  • Gleiche Definitionen über die Zeit. Was eine Chance ist, wann sie welche Phase erreicht und wann sie als verloren gilt, wird einmal festgelegt. Sonst vergleichen Sie jeden Monat andere Zahlen.

Die Marketing-Seite derselben Kette - Anfragen pro Quelle, Kosten pro Neukunde, Beitrag zur Pipeline - behandelt der Beitrag Welche Marketing-Kennzahlen eine Geschäftsleitung kennen sollte. Zusammen ergeben beide das vollständige Bild vom ersten Kontakt bis zum Auftrag.

So wird aus “wir haben eine gute Pipeline” eine Aussage, auf die sich eine Geschäftsleitung stützen kann. Einen Überblick über das ganze Themenfeld gibt die Themenwelt CRM & Vertrieb, und wie wir Verkaufsprozesse in Projekten aufsetzen, zeigt unsere Lösung Verkauf & Kundenprozesse.

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Weiterführend: Themenwelt CRM & Vertrieb · Lösung CRM. Den nächsten Schritt machen Sie mit dem kostenlosen Projekt-Check.

Bruno Eggenberger, Geschäftsführer, Binadoo AG
Über den Autor
Bruno Eggenberger · Geschäftsführer, Binadoo AG

Bruno begleitet Schweizer KMU von der ersten Prozessfrage bis zum laufenden Odoo-Betrieb. Sein Fokus: Digitalisierung, die sich wirtschaftlich rechnet - ehrlich beraten, pragmatisch umgesetzt.

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