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Odoo CRM: Funktionen, Vorteile und Grenzen

Die Frage ist nicht, ob Odoo CRM kann. Entscheidend ist, was nach dem gewonnenen Abschluss passiert - denn dort trennt sich eine CRM-Insellösung von einem durchgängigen System.

Bruno Eggenberger Geschäftsführer, Binadoo AG 9 Min. Lesezeit
Bildschirm mit dem Funktionsumfang von Odoo CRM: Leads nach Regeln, gewichtete Pipeline, Aktivitäten am Vorgang, Angebote online annehmbar

“Kann Odoo CRM?” - ja, und die Funktionsliste unterscheidet sich kaum von der anderer Systeme: Leads, Chancen, Pipeline, Aktivitäten, Angebote, Auswertungen.

Die Frage, die im KMU über den Nutzen entscheidet, kommt danach: Was passiert, wenn die Chance gewonnen ist? Denn genau dort trennt sich eine CRM-Insellösung von einem durchgängigen System.

Odoo CRM: Vier Bereiche - Leads und Chancen, Pipeline, Aktivitäten und Angebote

Was Odoo CRM abdeckt

Leads und Chancen. Erfassung aus Formular, E-Mail oder von Hand, Zuteilung nach Regeln, Qualifizierung. Dubletten werden beim Anlegen erkannt.

Pipeline. Frei definierbare Phasen mit Abschlusswahrscheinlichkeit, Chancen per Zug verschiebbar, gewichtete Prognose je Verkäufer und Zeitraum.

Aktivitäten. Nächster Schritt mit Datum und Typ, direkt am Vorgang. Die Tagesübersicht zeigt, was ansteht - über alle Kunden. Warum das der grösste Hebel ist, steht in Warum systematisches Nachfassen die Abschlussquote erhöht.

Angebote. Aus der Chance entsteht das Angebot mit Vorlagen, Preislisten und Rabattlogik; die Annahme durch den Kunden ist online möglich.

Dazu kommen E-Mail-Anbindung, Kalendersynchronisation, Telefonie-Anbindung und Auswertungen - nichts davon ist besonders, alles davon ist vorhanden.

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Kurz gesagt: Der Funktionsumfang ist mit anderen CRM-Systemen vergleichbar. Der Unterschied entsteht nach dem Abschluss: Aus der gewonnenen Chance wird der Auftrag ohne Übertragung, und der Verkäufer sieht Lieferung und Zahlung beim selben Kunden.

Der eigentliche Vorteil

Ein eigenständiges CRM endet beim Abschluss. Was danach kommt - Auftrag, Lieferung, Rechnung, Zahlung - passiert in einem anderen System, und die Verbindung ist eine Schnittstelle oder eine Excel-Liste.

Für den Verkäufer bedeutet das konkret: Er kann nicht sagen, ob geliefert wurde. Er weiss nicht, ob die Rechnung offen ist. Beim nächsten Gespräch fehlt ihm genau das, was der Kunde als Erstes anspricht.

In Odoo ist das derselbe Datensatz. Der Kunde hat eine Historie über alle Bereiche: Angebote, Aufträge, Lieferungen, Rechnungen, Tickets, Serviceeinsätze. Das ist kein Funktionsvorteil, sondern ein Strukturvorteil - und er wächst mit der Anzahl der Bereiche, die im selben System laufen.

Wo die Grenzen liegen

Drei Fälle sprechen für ein spezialisiertes CRM:

Sehr grosse Vertriebsorganisationen mit vielschichtigen Gebietsstrukturen, Provisionsmodellen und Forecast-Verfahren über mehrere Ebenen. Odoo deckt das Übliche ab, nicht das Ausgefeilte.

Hochentwickeltes Marketing-Automation. Mehrstufige Kampagnen mit Lead-Scoring über viele Signale und verzweigten Strecken sind die Domäne spezialisierter Werkzeuge. Was Odoo hier leistet, steht in Marketing Automation mit Odoo.

Branchenspezifische Vertriebsprozesse mit vorgeschriebenen Dokumentationspflichten - etwa in der Finanzberatung. Machbar über Anpassungen, mit den entsprechenden Folgekosten.

Für den typischen Schweizer KMU-Verkauf mit drei bis zwanzig Beteiligten trifft nichts davon zu.

Ein eigenständiges CRM endet beim Abschluss. Genau dort beginnt für den Kunden das, worüber er beim nächsten Gespräch reden will.

Odoo CRM: Was der Standard abdeckt und wann ein spezialisiertes CRM passt

Was die Einführung voraussetzt

Zwei Dinge, und beide haben nichts mit Odoo zu tun:

Ein geklärter Verkaufsprozess. Ohne Entscheidung über Phasen und Kriterien bildet das System den bisherigen Zustand ab - siehe Wie sieht ein guter CRM-Prozess aus?.

Bereinigte Kontaktdaten. Der grösste Aufwandsposten jeder CRM-Einführung - Dubletten, tote Kontakte und Lücken gehören vor dem Import bereinigt, nicht danach.

Odoo CRM: Was die Einführung voraussetzt

Was es kostet

Odoo CRM ist in der Community-Edition enthalten - das unterscheidet es von vielen Bereichen, wo Enterprise nötig ist. Für den produktiven Einsatz kommen in der Praxis trotzdem Themen dazu, die Enterprise verlangen, etwa wenn Dokumente oder Marketing-Automation mitlaufen sollen; die Einordnung steht in Odoo Community oder Enterprise?.

Der grössere Posten ist ohnehin nicht die Lizenz, sondern Prozessarbeit, Datenbereinigung und Einführungsbegleitung. Kostenrahmen für ein KMU stehen in Was kostet ein CRM?.

Fazit

Odoo CRM leistet, was ein Schweizer KMU im Verkauf braucht - im Funktionsumfang vergleichbar mit eigenständigen Systemen.

Der Unterschied liegt danach: Weil Angebot, Auftrag, Lieferung und Rechnung dieselbe Datenbasis nutzen, hat der Verkäufer die vollständige Kundenhistorie und nicht nur den Teil bis zum Abschluss. Wo sehr grosse Vertriebsstrukturen oder hochentwickeltes Kampagnenmanagement gefragt sind, ist ein Spezialsystem die bessere Wahl.

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Weiterführend: Themenwelt CRM & Vertrieb · Lösung CRM · Lösung ERP. Den nächsten Schritt machen Sie mit dem kostenlosen Projekt-Check.

Bruno Eggenberger, Geschäftsführer, Binadoo AG
Über den Autor
Bruno Eggenberger · Geschäftsführer, Binadoo AG

Bruno begleitet Schweizer KMU von der ersten Prozessfrage bis zum laufenden Odoo-Betrieb. Sein Fokus: Digitalisierung, die sich wirtschaftlich rechnet - ehrlich beraten, pragmatisch umgesetzt.

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