← Alle Artikel

BeratungEinkauf, Lager & Auftragsabwicklung

Welche Einkaufsprozesse sich automatisieren lassen

Der Einkauf verbringt in vielen KMU mehr Zeit mit Abtippen und Nachfragen als mit Verhandeln. Drei Bereiche lassen sich zuverlässig automatisieren - und einer davon setzt genau die Zeit frei, in der Einkauf tatsächlich Geld spart.

Bruno Eggenberger Geschäftsführer, Binadoo AG 8 Min. Lesezeit
Bildschirm mit der Grenze im Einkauf: Bedarf aus Regel, Bestellung als Vorschlag, Rechnung im Dreiweg-Abgleich - die Verhandlung bleibt beim Menschen

Fragt man einen Einkäufer im KMU, womit er seine Zeit verbringt, kommt selten “verhandeln”. Häufiger: Bedarfe zusammensuchen, Bestellungen tippen, Liefertermine nachfragen, Rechnungen mit Lieferscheinen abgleichen.

Das ist die Ausgangslage - und sie ist gut für Automatisierung, weil drei dieser vier Tätigkeiten festen Regeln folgen.

Bedarfsmeldung: aus dem System statt aus dem Zuruf

In vielen Betrieben entsteht ein Bedarf, indem jemand merkt, dass etwas fehlt, und es meldet - per Mail, Zettel oder im Vorbeigehen. Das funktioniert, solange die Person aufmerksam ist, und scheitert zuverlässig in den Ferien.

Automatisiert entsteht der Bedarf aus dem, was ohnehin im System steht:

  • Aus dem Mindestbestand, wenn der Bestand unter die hinterlegte Menge fällt
  • Aus dem Kundenauftrag, wenn ein Artikel nicht vorrätig ist
  • Aus der Stückliste, wenn ein Fertigungsauftrag Komponenten braucht

Der Gewinn ist nicht die gesparte Meldezeit, sondern dass nichts mehr vergessen wird. Fehlteile entstehen fast immer dort, wo eine Meldung unterblieben ist.

Bestellauslösung: Vorschlag statt Erfassung

Aus dem Bedarf entsteht der Bestellvorschlag - mit Lieferant, Menge, Preis und Termin aus den hinterlegten Konditionen. Der Einkäufer prüft und bestätigt, statt zu erfassen.

Zwei Dinge lassen sich dabei zusätzlich automatisieren, und beide sparen mehr Zeit als das Erfassen selbst:

Vorschläge zusammenfassen. Fünf Bedarfe beim selben Lieferanten ergeben eine Bestellung, nicht fünf. Das reduziert Frachtkosten und Wareneingänge.

Terminverfolgung. Ein überfälliger Wareneingang meldet sich selbst, statt dass jemand eine Liste durchgeht. Das ist der häufigste Grund, warum Liefertermine kippen, ohne dass es rechtzeitig auffällt - siehe Warum Liefertermine nicht eingehalten werden.

Einkaufsprozesse automatisieren: Drei Bereiche - Bedarfsmeldung, Bestellauslösung und Rechnungsprüfung
💡

Kurz gesagt: Bedarfsmeldung, Bestellauslösung und Rechnungsprüfung folgen festen Regeln und lassen sich automatisieren. Die Verhandlung, die Lieferantenauswahl und der Umgang mit Engpässen bleiben beim Menschen - und genau dafür entsteht die Zeit.

Rechnungsprüfung: der Dreiweg-Abgleich

Der dritte Bereich ist der mit dem grössten Zeitgewinn und der geringsten Sichtbarkeit. Klassisch prüft jemand von Hand, ob Bestellung, Lieferschein und Rechnung zusammenpassen - Menge, Preis, Konditionen.

Automatisiert läuft dieser Abgleich für den Normalfall von selbst: Stimmen alle drei überein, geht die Rechnung in die Freigabe. Nur Abweichungen landen bei einem Menschen - und dort gehören sie auch hin.

Der Effekt zeigt sich zweifach: Die Durchlaufzeit bis zur Zahlung sinkt, womit Skonto überhaupt erst erreichbar wird. Und Preisabweichungen fallen auf, statt durchzulaufen - in vielen Betrieben die häufigste unbemerkte Kostenquelle.

Einkauf spart kein Geld beim Erfassen von Bestellungen. Er spart es beim Verhandeln - und dafür braucht er die Zeit, die das Erfassen frisst.

Rechnungsprüfung im Einkauf: Der Dreiweg-Abgleich zwischen Bestellung, Lieferschein und Rechnung

Wo Automatisierung an ihre Grenze stösst

Drei Dinge gehören nicht in eine Regel:

Die Lieferantenauswahl. Preis ist eine Zahl, Zuverlässigkeit, Qualität und Reaktionsfähigkeit sind es nicht. Eine Regel, die nach dem günstigsten Angebot bestellt, kauft irgendwann teuer.

Die Verhandlung. Rahmenverträge, Mengenstaffeln, Zahlungskonditionen - das ist die Kernaufgabe des Einkaufs und der Ort, an dem er Geld verdient.

Der Engpass. Wenn ein Teil knapp ist, entscheidet nicht die Regel, welcher Auftrag es bekommt, sondern jemand, der die Kunden kennt.

Einkauf: Wo Automatisierung endet - Lieferantenauswahl, Verhandlung und die Entscheidung im Engpass

So sieht das in Odoo aus

In Odoo entstehen Bedarfe aus Mindestbeständen, Kundenaufträgen und Stücklisten in derselben Rechnung, die auch die Fertigung versorgt. Daraus werden Bestellvorschläge mit Lieferant, Preis und Termin aus den hinterlegten Konditionen - zusammengefasst je Lieferant, wenn gewünscht.

Der Dreiweg-Abgleich läuft beim Rechnungseingang automatisch: Bestellung, Wareneingang und Rechnung liegen im selben System, Abweichungen werden angezeigt statt gesucht. Und weil die Belegerkennung eingehende Rechnungen liest und zuordnet, entfällt auch das Erfassen. Was sich im Dokumentenfluss darüber hinaus automatisieren lässt, steht in Welche Dokumentenprozesse sich automatisieren lassen; die Grundlagen des Einkaufs in Wie ein professioneller Einkaufsprozess aussieht.

Fazit

Bedarfsmeldung, Bestellauslösung und Rechnungsprüfung sind die drei Bereiche im Einkauf, in denen sich Automatisierung fast immer rechnet - weil alle drei wiederholbaren Regeln folgen und heute Zeit in kleinen Portionen verbrauchen.

Was bleibt, ist die eigentliche Einkaufsarbeit: Lieferanten auswählen, verhandeln, Engpässe entscheiden. Genau dafür entsteht Zeit, wenn der Rest von selbst läuft.

🧭

Weiterführend: Themenwelt Einkauf, Lager & Auftragsabwicklung · Lösung Einkauf · Lösung Lager. Den nächsten Schritt machen Sie mit dem kostenlosen Projekt-Check.

Bruno Eggenberger, Geschäftsführer, Binadoo AG
Über den Autor
Bruno Eggenberger · Geschäftsführer, Binadoo AG

Bruno begleitet Schweizer KMU von der ersten Prozessfrage bis zum laufenden Odoo-Betrieb. Sein Fokus: Digitalisierung, die sich wirtschaftlich rechnet - ehrlich beraten, pragmatisch umgesetzt.

Womit verbringt Ihr Einkauf die Zeit?

Im kostenlosen Projekt-Check schauen wir uns Ihre Beschaffung vom Bedarf bis zur Rechnung an.

Erreichbarkeit Mo–Fr, 9:00–16:00 Uhr

Wir melden uns innerhalb von 24 Stunden bei Ihnen. Datenschutzhinweis

Odoo-Projekt besprechen →